SCHILDDRÜSENKREBS (SCHILDDRÜSENKARZINOM)

Schilddrüsenkrebs gehört mit etwa 7.200 Neuerkrankungen pro Jahr zu den selteneren bösartigen Erkrankungen, die genauen Ursachen sind bisher unklar. Die meisten Tumoren der Schilddrüse haben eine sehr gute Prognose.

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Schilddrüsenkrebs – Was sind die Ursachen?

Warum ein Mensch an Schilddrüsenkrebs erkrankt, ist nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber einige Faktoren nachweisen können, die das Erkrankungsrisiko für ein Schilddrüsenkarzinom erhöhen.

In Zahlen

  • Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 2.200 Männer und 5.000 Frauen an einem Tumor der Schilddrüse.
  • Mit 7.200 Neuerkrankungen insgesamt ist Schilddrüsenkrebs damit in Deutschland eine seltene Erkrankung.
  • Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 56, für Frauen bei 51 Jahren.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Erkrankungen an Schilddrüsenkrebs weltweit zugenommen. Dies wird in erster Linie auf verbesserte diagnostische Verfahren und ihren häufigeren Einsatz zurückgeführt (Screening-Bias). Dabei werden überwiegend kleine Tumoren der Schilddrüse in frühen Stadien entdeckt.

Lage, Bau und Funktion der Schilddrüse

Die Schilddrüse ist ein wichtiges Stoffwechselorgan, das zusammen mit dem Zwischenhirn und der Hirnanhangdrüse einen dreistufigen Regelkreis bildet. Wie funktioniert die Schilddrüse? Wie ist sie aufgebaut?

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges, hormonproduzierendes Organ. Sie ist etwa zehn bis 25 Gramm schwer und liegt dicht unterhalb des Kehlkopfes. Sie umschließt die Luftröhre hufeisenförmig mit zwei Seiten- und einem schmalen Mittellappen. Die Schilddrüse selbst ist von einer Kapsel umgeben.

Normalerweise kann man die Schilddrüse von außen nicht erkennen. Wenn sie vergrößert ist, tritt sie jedoch hervor, was allgemein als Kropf bekannt ist. Wenn Sie die Finger mit sanftem Druck auf die Vorderseite Ihres Halses legen und schlucken, dann können Sie spüren, wie sich Kehlkopf und Schilddrüse dabei verschieben.

Auf der Rückseite der Schilddrüse verlaufen die Nerven, die die Stimmbänder des inneren Kehlkopfes versorgen. Sie sind an der Stimmbildung beteiligt und auch daran, dass Sie schlucken können. Außerdem liegen an der Hinterseite des Organs, an den vier Ecken der Schilddrüsenlappen, die sogenannten Nebenschilddrüsen, die mit ihrem Botenstoff Parathormon den Kalziumhaushalt regulieren. Die meisten Menschen haben vier Nebenschilddrüsen, es gibt jedoch erhebliche Unterschiede bezüglich Anzahl, Größe, Form und Lage.

Feingeweblich ist die Schilddrüse aus zahlreichen Läppchen aufgebaut, die wiederum aus kleinen Bläschen (Follikeln) bestehen. In diesen Bläschen werden die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) gebildet und, gebunden an ein Eiweiß (Thyreoglobulin), gespeichert. Zwischen den Bläschen befindet sich Bindegewebe, in dem die sogenannten C-Zellen liegen. Sie bilden das Hormon Kalzitonin.

Wie wird die Bildung von Schilddrüsenhormonen kontrolliert?

Um Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenkrebs besser verstehen zu können, ist es hilfreich zu wissen, wie Schilddrüsenhormone gebildet, gespeichert, ausgeschüttet und reguliert werden.

Die Schilddrüse gehört zu einem Regelkreis, an dem drei hormonproduzierende Organe beteiligt sind

  • Das Zwischenhirn (Hypothalamus)
  • Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und
  • Die Schilddrüse (Thyroidea)

Dieser Regelkreis hält die Hormonkonzentration in einem Gleichgewicht; produziert auch nur eines der dazugehörigen Organe zu viel oder zu wenig Hormone, führt dies zu manchmal typischen, manchmal aber auch uncharakteristischen Krankheitsbildern. Schilddrüsenhormone regeln das Stoffwechselgeschehen im Körper. Sie sind unter anderem wichtig für den Eiweißaufbau, das Wachstum und die Regulation der Körpertemperatur.

Die Produktion von Schilddrüsenhormonen

  • Im Zwischenhirn entsteht das sogenannte TRH (Thyreotropin Releasing Hormone).
  • Das TRH regt die Hirnanhangdrüse an, TSH (Thyroid Stimulating Hormone) auszuschütten.
  • Unter dem Einfluss von TRH produziert die Schilddrüse die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). T3 und T4 werden ins Blut abgegeben und wirken auf bestimmte Organe.
  • Der Regelkreis schließt sich, indem T3 und T4 auch zurück auf Zwischenhirn und Hirnanhangdrüse wirken.

Hohe T3- beziehungsweise T4-Konzentrationen im Blut hemmen die Ausschüttung von TRH und TSH. Niedrige T3- / T4-Konzentrationen regen diese an.

Hinweis: Deshalb werden bei einer Routineuntersuchung der Schilddrüse immer die Werte von TSH, T3 und T4 im Blut bestimmt.

Schilddrüse und Jod

Jod spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnostik und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen. Der Grund dafür ist die Schlüsselstellung von Jod bei der Produktion von Schilddrüsenhormonen.

Der Körper eines Erwachsenen enthält im Durchschnitt etwa zehn bis 20 Milligramm Jod; in der Schilddrüse befinden sich davon allein ungefähr 15 Milligramm.

Die Schilddrüse benötigt Jod zur Hormonproduktion – es ist ein Hauptbestandteil der beiden Schilddrüsenhormone T3 und T4. Jod wird im Magen-Darm-Trakt aus der Nahrung aufgenommen, gelangt von dort in den Blutkreislauf, aus dem die Schilddrüse dann die erforderliche Menge entnimmt.

Gelingt ihr dies nicht, weil Sie zum Beispiel zu wenig Jod zu sich nehmen, kann die Schilddrüse nicht mehr genug Hormone herstellen. Dann produzieren Zwischenhirn und Hirnanhangdrüse vermehrt TRH und TSH, um die Schilddrüse trotz des Jodmangels zur ausreichenden Produktion der Schilddrüsenhormone anzuregen. Dies wiederum führt dazu, dass die Schilddrüse anschwillt: Es entsteht ein Kropf (Struma), der so groß werden kann, dass er auf die Speise- und Luftröhre sowie auf die Blutgefäße im Halsbereich drückt. Als Folge kann es zu Schluckbeschwerden, Luftnot und Beklemmungsgefühl kommen.

Jod und Ernährung

Jod ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das wir täglich mit der Nahrung aufnehmen müssen. Jugendliche und Erwachsene benötigen täglich 180 bis 200 Mikrogramm (1 Mikrogramm = 1/1000 Milligramm). Früher war Deutschland Jodmangelgebiet. Dies hat sich aber in den letzten Jahren deutlich gebessert. Allerdings besteht in bestimmten Regionen immer noch ein milder Jodmangel mit einer durchschnittlichen Aufnahme von nur 100 bis 150 Mikrogramm pro Tag.

Tipp: Um die tägliche Jodversorgung zu sichern, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, zweimal wöchentlich Seefisch zu essen, jodiertes Speisesalz zu verwenden sowie Produkte zu kaufen, bei deren Herstellung Jodsalz verwendet wurde.

Risikofaktoren für Schilddrüsenkrebs

„Krebs” ist der Überbegriff für bösartige Neubildungen beziehungsweise Tumoren, die aus veränderten Zellverbänden entstehen. Diese Veränderung ist der entscheidende Schritt von einer normalen Zelle zu einer bösartigen Tumorzelle. Sie vermehrt sich dann ungehindert, bis schließlich viele Millionen Zellen eine Geschwulst bilden. Schreitet die Erkrankung weiter fort, können Tumorzellen dann auch in benachbarte Gewebe und Organe wandern und dort Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

Warum Schilddrüsenkrebs entsteht, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die Ihr Risiko, dass Sie an einem Schilddrüsenkarzinom erkranken, erhöhen.

Risikofaktor Röntgenbestrahlung

Zu den Risikofaktoren für Schilddrüsenkrebs gehören zum Beispiel Röntgenbestrahlungen im Halsbereich während des Kindes- und Jugendalters. Haben Sie solche Bestrahlungen erhalten, kann nach meist zehn und mehr Jahren ein Tumor in der Schilddrüse auftreten. Gehen Sie dann regelmäßig zu Ihrem Arzt, damit er Ihren Hals abtasten und Ihre Schilddrüse mit Ultraschall untersuchen kann.

Gutartige Vergrößerungen der Schilddrüse

Eine gutartige Vergrößerung der Schilddrüse (Struma, Kropf) ist zunächst kein Risikofaktor für Schilddrüsenkrebs. Wenn der Arzt Ihren Hals abtastet und dabei feststellt, dass Ihre Schilddrüse vergrößert oder knotig verändert ist, wird er sie mit Ultraschall näher untersuchen. Bei verdächtigen Knoten sind noch weitere Untersuchungen (zum Beispiel Szintigraphie, Feinnadelpunktion) sinnvoll.

Häufigkeit von Schilddrüsenknoten im Alter

Je älter ein Mensch wird, desto häufiger sind in der Schilddrüse Knoten zu finden: Bei den über 55-Jährigen sind etwa 30 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen betroffen. Man unterscheidet zwischen kalten (unterfunktionierenden) Knoten, in denen nur wenig Hormone produziert werden, und heißen (überfunktionierenden) Knoten, in denen zu viele Hormone produziert werden. Heiße Knoten sind fast immer gutartig. Kalte Knoten entarten nur selten zu Schilddrüsenkrebs, sollten aber weiter untersucht werden.

Familiäre Form von Schilddrüsenkrebs

Bei Schilddrüsenkrebs gibt es Tumorformen, die familiär vererbt werden können. Hierzu gehören in seltenen Fällen papilläre Schilddrüsenkarzinome, vor allem aber medulläre Schilddrüsenkarzinome (MTC), bei denen immerhin bei 30 Prozent eine familiäre Veranlagung vorliegt. Bei dieser familiären Form liegt meist zusätzlich das MEN 2-Syndrom vor (MEN = multiple endokrine Neoplasie), bei dem meist zusätzlich gutartige Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) und der Nebenschilddrüsen (primärer Hyperparathyreoidismus) entstehen können.

Formen von Schilddrüsenkrebs

Für die meisten Schilddrüsenkarzinome (abhängig vom Gewebetyp) bestehen ausgesprochen gute Heilungschancen, wenn sie rechtzeitig entdeckt werden. Daher ist es besonders wichtig, die Erscheinungsbilder dieser Erkrankung zu kennen.

Haupttypen von Schilddrüsenkarzinomen

  • Differenzierte Schilddrüsenkarzinome
    • Papilläre Schilddrüsenkarzinome
    • Follikuläre Schilddrüsenkarzinome
    • Onkozytäre Schilddrüsenkarzinome (Hürthle-Zell-Karzinom)
  • Wenig differenzierte Schilddrüsenkarzinome
  • Undifferenzierte / anaplastische Schilddrüsenkarzinome
  • Medulläre Schilddrüsenkarzinome (C-Zell-Karzinome)

Für den weiteren Verlauf und die Behandlung Ihrer Erkrankung ist es wichtig zu wissen, welche Art von Schilddrüsenkrebs bei Ihnen vorliegt.

Differenzierte Schilddrüsenkarzinome

Papilläre Schilddrüsenkarzinome

Die meisten Menschen, die an einem papillären Schilddrüsenkarzinom erkranken, sind 30 bis 50 Jahre alt. Mitunter finden sich bei dieser Form von Schilddrüsenkrebs mehrere Herde in einem oder beiden Schilddrüsenlappen. Falls der Tumor der Schilddrüse metastasiert, so geschieht dies zunächst über die Lymphgefäße (lymphogen) in die umgebenden Lymphknoten; erst später entstehen Fernmetastasen. Bei Kindern mit papillärem Schilddrüsenkarzinom können Tumoren, die über die Schilddrüsenkapsel hinausgehen, bereits frühzeitig zu Lungenmetastasen führen. Diese können jedoch meist durch eine Radiojodtherapie gut behandelt werden.

Follikuläre Schilddrüsenkarzinome

An einem follikulären Schilddrüsenkarzinom erkranken häufig Menschen im Alter von etwa 50 Jahren, besonders wenn diese in Jodmangelgebieten leben. Es handelt sich bei dieser Form von Schilddrüsenkrebs meist um einzelne Knoten. Dieser Tumor der Schilddrüse kann auf dem Blutweg (hämatogen) metastasieren und bildet dann bevorzugt Absiedlungen in Lunge und Knochen. Die Heilungschancen sind bei Tumoren, die auf die Schilddrüse begrenzt sind, nach chirurgischer Behandlung ausgezeichnet. Metastasen lassen sich gut durch eine Radiojodtherapie behandeln.

Hürthle-Zell-Karzinome

Das Hürthle-Zell-Karzinom (onkozytäres Schilddrüsenkarzinom) gehört auch zu den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen, speichert das radioaktive Jod jedoch meist weniger gut.

Wenig differenzierte Schilddrüsenkarzinome

Das wenig differenzierte Schilddrüsenkarzinom spricht oft von Beginn an unzureichend auf eine Radiojodtherapie an. Im Gegensatz zu undifferenzierten Schilddüsenkarzinomen wächst der wenig differenzierte Schilddrüsenkrebs jedoch in der Regel langsamer.

Undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome

Das undifferenzierte oder anaplastische Schilddrüsenkarzinom tritt meist erst bei älteren Menschen auf. Typisches Anzeichen: In einer vergrößerten Schilddrüse nimmt ein Knoten plötzlich innerhalb einiger Wochen erheblich an Größe zu. Dieser Tumor der Schilddrüse schreitet sehr schnell fort, wächst in die Umgebung ein (invasiv) und bildet Metastasen in Lunge, Leber, Knochen und Gehirn. Die Prognose ist dementsprechend ungünstig.

Medulläre Schilddrüsenkarzinome

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom (C-Zell-Karzinom) ist ebenfalls recht selten und leitet sich von den kalzitoninproduzierenden, (nicht [radio-]jodaufnehmenden) C-Zellen ab, die über die Schilddrüse verteilt sind. Medulläre Schilddrüsenkarzinome können bereits frühzeitig in die Lymphknoten des Halses, mitunter auch in die des oberen Brustkorbes metastasieren. Absiedlungen über den Blutweg entwickeln sich bei dieser Form von Schilddrüsenkrebs bevorzugt in Lunge, Leber und Knochen. Nach chirurgischer Behandlung des Tumors der Schilddrüse liegen die Heilungschancen bei 50 bis 60 Prozent, bei früh erkannten Karzinomen – insbesondere bei der erblichen Form und noch fehlender Metastasierung – über 90 Prozent.

Früherkennung bei familiären Formen

Liegt bei Ihnen ein familiäres medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC) oder MEN 2-Syndrom vor, spielt die Früherkennung eine wichtige Rolle. Wird das MTC zu einem Zeitpunkt erkannt und behandelt, zu dem noch keine Krankheitssymptome aufgetreten sind (asymptomatisches Stadium), bestehen bessere Aussichten auf eine Heilung.

Für die Früherkennung dieser Form von Schilddrüsenkrebs stehen mehrere Tests zur Verfügung, darunter auch eine genetische Untersuchung, bei der nach einer Veränderung (Mutation) des sogenannten RET-Protoonkogens gesucht wird. Liegt die Mutation nicht vor, ist keine weitere Kontrolle nötig.

Im Vorstadium des familiären MTC, der C-Zellhyperplasie (CCH), besteht eine hundertprozentige Heilungschance, wenn die Schilddrüse vollständig entfernt wird.

Empfehlungen für die Praxis

  • In Familien mit bekanntem MEN 2-Syndrom sollte allen blutsverwandten Familienmitgliedern (Geschwistern, Eltern, Kindern), bei denen die Erkrankung noch nicht gesichert ist, eine Genanalyse angeboten werden. Das Risiko für die Kinder des betroffenen Elternteils, an einem familiären MTC zu erkranken, beträgt etwa 50 Prozent.
  • Familienmitglieder mit sicher negativem Gentest müssen nicht weiter auf einen Tumor der Schilddrüse kontrolliert werden.
  • Betroffene Familienmitglieder, die bisher nicht behandelt wurden, insbesondere Kinder, sollten frühzeitig operiert werden. Um den besten Zeitpunkt für die Operation zu bestimmen, sollte die Familie Kontakt mit einem spezialisierten Zentrum aufnehmen.
  • Auch Betroffenen mit MTC, bei denen die klinischen Befunde nicht für eine familiäre Erkrankung sprechen, sollte eine Genanalyse angeboten werden. So kann die familiäre Form ausgeschlossen beziehungsweise nachwiesen werden.

Auch bei den extrem seltenen familiären papillären Schilddrüsenkarzinomen sollten sich Betroffene an entsprechend spezialisierte Zentren wenden. Dort gibt es Experten, die mit der Erkennung dieses Krankheitsbildes vertraut sind und gegebenenfalls die entsprechende Therapie des Schilddrüsenkrebs anbieten können.

Andere Malignome

Unter diesem Begriff fasst man bösartige Tumoren der Schilddrüse zusammen, die nicht von den Schilddrüsenzellen ausgehen, wie zum Beispiel die Lymphome und Sarkome. Die Therapie und Heilungschancen richten sich dabei nach dem Ausgangstumor und seiner Ausbreitung.

Schilddrüsenkrebs: Symptome

Zu Beginn sind die Symptome bei Schilddrüsenkrebs so allgemein und uncharakteristisch, dass sie auch eine ganz andere Ursache haben können. Deshalb ist es wichtig, dass Sie bei bestimmten Symptomen frühzeitig zu Ihrem Arzt gehen. Er kann untersuchen, woran es liegt – und gegebenenfalls die nächsten Schritte einleiten.

Ist die Ursache harmlos, können Sie beruhigt sein. Sollte sich aber herausstellen, dass Sie an Schilddrüsenkrebs erkrankt sind, sind Ihre Heilungschancen umso besser, je früher die Erkrankung entdeckt wird. Schieben Sie daher den Arztbesuch nicht vor sich her.

Die Beschwerden, die bei Schilddrüsenkrebs auftreten können, ergeben sich aus der Lage der Schilddrüse und der engen Beziehung zu Luft- und Speiseröhre sowie zu den Nerven der inneren Kehlkopfmuskulatur.

Gehen Sie zu Ihrem Arzt, wenn die folgenden Anzeichen für einen Tumor der Schilddrüse bei Ihnen über Wochen anhalten oder sich in kurzer Zeit deutlich verschlechtern

  • Druckgefühl im Halsbereich
  • Luftnot
  • Schluckbeschwerden
  • Hustenreiz
  • Tastbar und sichtbar vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich
  • Heiserkeit

Seien Sie aufmerksam, wenn

  • Ein Kropf innerhalb weniger Wochen oder Monate neu entsteht
  • Der Kropf sich derb oder hart anfühlt
  • Ein lange bestehender Kropf plötzlich rasch wächst
  • Vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich oder Heiserkeit auftreten

Wichtig: Wenn Sie diese Symptome von Schilddrüsenkrebs an sich bemerken, gehen Sie zum Arzt, denn ein frühzeitig erkanntes Schilddrüsenkarzinom hat sehr gute Heilungschancen.

Diagnose von Schilddrüsenkrebs

Eine frühzeitige Diagnose von Schilddrüsenkrebs ist wichtig, denn je früher eine bösartige Erkrankung erkannt wird, desto besser sind in vielen Fällen die Heilungs- und Überlebenschancen.

Allerdings haben viele Menschen Angst davor, in eine medizinische Mühle zu geraten, wenn sie den Verdacht haben, dass sie an Krebs erkrankt sein könnten. Deshalb schieben sie den Besuch beim Arzt immer weiter hinaus. So verständlich diese Angst auch ist: Es ist wichtig, dass Sie möglichst bald zum Arzt gehen.

Die Untersuchungen im Rahmen der Diagnose von Schilddrüsenkrebs sollen folgende Fragen klären

  • Haben Sie wirklich einen Tumor der Schilddrüse?
  • Ist dieser gut- oder bösartig?
  • Welche Art von Schilddrüsenkarzinom ist es genau?
  • Wo sitzt der Tumor?
  • Wie ist Ihr Allgemeinzustand?
  • Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten? Gibt es Metastasen?
  • Mit welcher Behandlung kann für Sie der beste Erfolg erreicht werden?
  • Welche Behandlung kann Ihnen zugemutet werden?

Hinweis: Eine Behandlung von Schilddrüsenkrebs lässt sich nur dann sinnvoll planen, wenn vorher genau untersucht worden ist, woran Sie leiden.

Dabei haben die einzelnen Untersuchungen zwei Ziele: Sie sollen den Verdacht, dass Sie an einem Schilddrüsenkarzinom erkrankt sind, bestätigen oder ausräumen. Wenn sich der Verdacht bestätigt, müssen Ihre behandelnden Ärzte ganz genau feststellen, wo der Tumor sitzt, wie groß er ist, aus welcher Art von Zellen er besteht und ob er vielleicht schon Tochtergeschwülste gebildet hat.

Ihr Arzt wird Ihnen erklären, welche Untersuchungen notwendig sind, um die Diagnose Schilddrüsenkrebs zu sichern. Meist wird es mehrere Tage oder sogar Wochen dauern, bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind und die Ergebnisse vorliegen. Werden Sie dabei nicht ungeduldig, denn je gründlicher Sie untersucht werden, desto genauer kann die weitere Behandlung des Schilddrüsenkarzinoms für Sie festgelegt werden.

Wenn alle Ergebnisse vorliegen, wird Ihre Behandlung geplant. Ihr Arzt wird Ihnen genau erklären, welche Möglichkeiten es gibt, wie sich die Behandlung auf Ihr Leben auswirkt und mit welchen Nebenwirkungen Sie rechnen müssen. Die endgültige Entscheidung über Ihre Behandlung des Tumors der Schilddrüse werden Sie gemeinsam mit den behandelnden Ärzten treffen. Dabei ist es von Anfang an wichtig, dass sich ein vertrauensvolles Patienten-Arzt-Verhältnis entwickelt./p> Fühlen Sie sich allerdings bei Ihrem behandelnden Arzt nicht gut aufgehoben oder möchten Sie, dass ein anderer Arzt die vorgeschlagene Behandlung bestätigt, dann scheuen Sie sich nicht, eine zweite Meinung bei einem anderen (Fach-)Arzt einzuholen. Diese steht Ihnen unter bestimmten Umständen laut Patientenrechtegesetz zu.

Wichtig: Fühlen Sie sich allerdings bei Ihrem behandelnden Arzt nicht gut aufgehoben oder möchten Sie, dass ein anderer Arzt die vorgeschlagene Behandlung bestätigt, dann scheuen Sie sich nicht, eine zweite Meinung bei einem anderen (Fach-)Arzt einzuholen. Diese steht Ihnen unter bestimmten Umständen laut Patientenrechtegesetz zu.

Ihre Krankengeschichte (Anamnese)

Im Rahmen der Diagnose von Schilddrüsenkrebs wird Ihr Arzt in einem ausführlichen Gespräch nach Ihren aktuellen Beschwerden fragen und wie lange Sie diese schon haben. Er wird sich auch danach erkundigen, welche Krankheiten Sie früher bereits hatten und welche Sie vielleicht im Augenblick gerade haben. Auch Faktoren, die Ihr Risiko für Schilddrüsenkrebs erhöhen, sind für ihn wichtig. Denken Sie daran, dass Sie Ihrem Arzt sagen, welche Medikamente Sie einnehmen, auch ergänzende Mittel, die Ihnen kein Arzt verordnet hat (zum Beispiel Johanniskraut, Ginkgopräparate oder grüner Tee). Denn diese Substanzen können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen.

Hinweis: Vielleicht machen Sie sich vor dem Arztbesuch schon ein paar Notizen, damit Sie in dem Gespräch auch an alles denken.

Beschreiben Sie Ihrem Arzt all Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen. Selbst Einzelheiten, die Ihnen unwichtig erscheinen, können für Ihren Arzt wichtig sein. Dazu gehören auch Informationen darüber, ob Sie vielleicht in Ihrem Beruf Faktoren ausgesetzt sind, die das Risiko für Schilddrüsenkrebs erhöhen können. Der Arzt wird Sie aber auch nach bestimmten Dingen fragen und sich so ein umfassendes Bild machen.

Wichtig: Wenn sich bei Ihnen typische Symptome eines Tumors der Schilddrüse zeigen und der Verdacht besteht, dass Sie Schilddrüsenkrebs haben, sollte Ihr Arzt bald weitere Untersuchungen veranlassen.

Körperliche Untersuchung

Nach dem Gespräch wird Ihr Arzt Sie gründlich körperlich untersuchen. Dazu gehört auch die Tastuntersuchung der Schilddrüse, der Lymphknoten und des gesamten Halses.

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Zur Diagnose von Schilddrüsenkrebs kann Ihr Arzt eine Ultraschalluntersuchung durchführen, bei der er mit einer Ultraschallsonde den Hals abfährt und die Schilddrüse auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes beurteilt. Da die Schilddrüse oberflächlich liegt, lässt sie sich gut mit Ultraschall untersuchen. So erhält der Arzt Informationen über die Lage und Größe der Schilddrüse, über deren Beschaffenheit (Knoten) sowie über Veränderungen in den Lymphknoten des Halses.

Unter anderem kann der Arzt feststellen, wie stark das Gewebe der Schilddrüse durchblutet wird, was aber alleine allerdings noch nichts über die Gut- oder Bösartigkeit eines Knotens aussagt.

Im Ultraschall lassen sich auch Mikroverkalkungen, Fehlen eines Randsaums (Halo-Zeichen), eine unregelmäßige Form, verstärkte Durchblutung (Hypervaskularität), Veränderungen benachbarter Lymphknoten und gegebenenfalls mittels Ultraschall-Elastographie die Härte des Gewebes erkennen.

Ein Merkmal alleine reicht allerdings für den Verdacht auf Schilddrüsenkrebs nicht aus. Stellt der Arzt bei der Untersuchung mehrere Merkmale fest, so wird er in der Regel zur weiteren Abklärung eine Szintigraphie und eine Feinnadelpunktion veranlassen.

Blutuntersuchungen

Ihr Blut ist eine wichtige Informationsquelle: Es gibt zum Beispiel Auskunft über Ihren Allgemeinzustand und über die Funktion einzelner Organe. Diese Informationen braucht der behandelnde Arzt unter anderem, um die Narkose für die Operation vorzubereiten. Außerdem werden hierüber TSH, die Schilddrüsenhormone, Kalzitonin und Kalzium bestimmt.

Szintigraphie

Die Szintigraphie ist ein bildgebendes Verfahren, das Organe mit Hilfe von radioaktiven Stoffen darstellen kann. Schilddrüsengewebe zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, Jod zu speichern. Die Szintigraphie nutzt diesen Umstand aus, indem radioaktives Jod oder – als Ersatz – Technetium intravenös verabreicht wird, das sich fast ausschließlich im Schilddrüsengewebe anreichert. Auf anschließend angefertigten Szintigraphieaufnahmen kann der Arzt Auffälligkeiten feststellen oder ausschließen und auf das Stoffwechselverhalten des Knotens schließen.

Typisch für Schilddrüsenkrebs ist der kalte Knoten, der vermindert Jod einlagert. Allerdings ist die große Mehrzahl der kalten Knoten gutartig. Für eine geplante Feinnadelpunktion ist jedoch wichtig zu wissen, um welche Art Knoten es sich handelt, damit keine heißen Knoten punktiert werden. Dies könnte zu Ergebnissen führen, die weiter diagnostisch abgeklärt werden müssen.

Die Szintigraphie hilft also bei der Vorauswahl eventuell zu punktierender Knoten.

Gewebeentnahme (Feinnadelpunktion)

Im Rahmen der Diagnose von Schilddrüsenkrebs können während der Ultraschalluntersuchung mit einer feinen Nadel Zellen aus einem verdächtigen Schilddrüsenknoten entnommen (Feinnadelpunktion) und dann unter dem Mikroskop untersucht werden (Zytologie). In spezialisierten Zentren können außerdem ergänzende molekulargenetische Analysen durchgeführt werden. So weiß der behandelnde Arzt eventuell schon vor der Operation, um welche Form von Schilddrüsenkrebs es sich genau handelt, und er kann die Operation besser planen. In unklaren Situationen kann manchmal erst die Operation mit Entnahme und Untersuchung des Gewebes endgültige Klarheit bringen.

Wichtig: Die Feinnadelpunktion ist ein wichtiges Untersuchungsverfahren beim Schilddrüsenkarzinom. Die zuweilen geäußerte Befürchtung, bei der Entnahme könnten Tumorzellen verschleppt werden, die dann Metastasen bilden, ist unbegründet. Dies geschieht beim Schilddrüsenkrebs so selten, dass sich hieraus kein Grund ergibt, eine Feinnadelbiopsie abzulehnen.

Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie)

Ziel einer Kehlkopfspiegelung im Rahmen der Diagnose von Schilddrüsenkrebs ist es, die Beschaffenheit beider Stimmlippen zu beurteilen. Eine intakte Stimmlippenfunktion ist Voraussetzung für eine störungsfreie Atmung. Die Kehlkopfspiegelung ist daher unverzichtbar für die Operationsplanung und Nachkontrolle bei einem Schilddrüsenkarzinom.

Ist die Stimmlippenfunktion gestört, kann das Folge einer früheren Schilddrüsenoperation sein. Es kann aber auch ein Hinweis darauf sein, wie weit sich ein Tumor der Schilddrüse bereits ausgedehnt hat. Denn die Nerven, welche die Stimmlippen versorgen, verlaufen hinter den Schilddrüsenlappen entlang bis in den Kehlkopf.

Indirekte oder direkte Kehlkopfspiegelung

Bei der indirekten Kehlkopfspiegelung wird ein kleiner Spiegel in den Mund eingeführt. Über einen zweiten Spiegel, der an der Stirn des Arztes befestigt ist, fällt Licht auf den im Mund befindlichen Spiegel, so dass Rachen und Kehlkopf mit den Stimmbändern gut zu erkennen sind.

Bei der direkten Kehlkopfspiegelung wird die Stimmritze mit Hilfe einer speziellen Technik betrachtet: Der Arzt schiebt einen biegsamen Schlauch, der ein optisches System enthält (Endoskop), in den Rachen des Patienten ein. So kann er die Stimmbänder direkt beurteilen. Diese Untersuchung erfolgt unter örtlicher Betäubung.

Spiegelung der Luft- und Speiseröhre (Tracheoskopie / Ösophagoskopie)

Die Spiegelung von Luft- und Speiseröhre erfolgt wie bei der direkten Kehlkopfspiegelung durch einen biegsamen Schlauch mit einem optischen System (Endoskop). So kann der behandelnde Arzt sehen, ob Luft- und Speiseröhre durch das Schilddrüsenkarzinom in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Zur weiteren Sicherung der Diagnose von Schilddrüsenkrebs kann es erforderlich sein, dabei auch eine Gewebeprobe zu entnehmen. Diese Untersuchung wird in der Regel nur bei einer (lokal) fortgeschrittenen Erkrankung erfolgen.

Weitere bildgebende Verfahren

Um die lokale Ausdehnung des Schilddrüsenkrebs noch besser beurteilen zu können oder Metastasen zu finden, kann es im Einzelfall notwendig sein, weitere bildgebende Verfahren wie zum Beispiel die Kernspintomographie(MRT) oder Computertomographie(CT) durchzuführen. In wenigen Sonderfällen wird der Arzt möglicherweise auch eine Skelettszintigraphie oder eine Positronenemissionstomographie (PET) veranlassen.

Klassifikation und Stadieneinteilung von Schilddrüsenkrebs

Der Körper eines Menschen besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Geweben und Zellen. Dementsprechend unterschiedlich fällt auch das bösartige Wachstum einer Krebsgeschwulst aus. Für die Behandlung von Schilddrüsenkrebs ist es wichtig, den genauen Steckbrief Ihrer Erkrankung zusammenzustellen.

Dazu gehören die Informationen darüber, zu welchem Zelltyp das Schilddrüsenkarzinom gehört, wie bösartig es ist, wie schnell es wächst, ob es bereits die Organgrenzen überschritten oder sich sogar im Körper ausgebreitet hat.

Hinweis: Es ist sehr wichtig, diese Einzelheiten genau zu kennen. Erst dann lässt sich eine Schilddrüsenkrebs-Behandlung zusammenstellen, die für Sie und den Verlauf Ihrer Erkrankung am besten geeignet ist.

Aus den Ergebnissen aller bisher durchgeführten Untersuchungen ermittelt der Arzt das genaue Krankheitsstadium (Staging, Stadieneinteilung). Um dieses so zu beschreiben, dass jeder Arzt es richtig einordnen kann, gibt es international einheitliche Einteilungen (Klassifikationen).

TNM-Klassifikation

  • T (Tumor) beschreibt, wie groß der Primärtumor ist
  • N (Nodi = Knoten) beschreibt, ob Lymphknoten befallen sind, wie viele es sind und wo
  • M (Metastasen) beschreibt, ob Fernmetastasen vorliegen und wo

Kleine Zahlen, die den Buchstaben jeweils zugeordnet sind, geben an, wie weit sich der Schilddrüsenkrebs bereits ausgebreitet hat.

Stadieneinteilung für Tumoren der Schilddrüse
Die Bedeutung für T TX = Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0 = Kein Anhalt für Primärtumor
T1 = Tumor 2 cm oder weniger in größter Ausdehnung, begrenzt auf Schilddrüse
T1a = Tumor 1 cm oder weniger in größter Ausdehnung, begrenzt auf Schilddrüse
T1b = Tumor mehr als 1 cm, aber nicht mehr als 2 cm in größter Ausdehnung
T2 = Tumor mehr als 2 cm, aber nicht mehr als 4 cm in größter Ausdehnung, begrenzt auf die Schilddrüse
T3 = Tumor mehr als 4 cm in größter Ausdehnung, begrenzt auf Schilddrüse oder Tumor mit minimaler Ausbreitung über die Schilddrüse hinaus (extrathyroidal)
T4a = Tumor dehnt sich jenseits der Schilddrüsenkapsel aus und wächst in eine oder mehrere der folgenden Strukturen ein: Weichgewebe unter der Haut (subkutan), Kehlkopf, Luftröhre, Speiseröhre, Rekurrensnerv
T4b = Tumor wächst in tiefste Schicht der Halsfaszie (prävertebrale Faszie) oder in Gefäße des oberen Brustkorbs ein oder umschließt die Halsschlagader
Die Bedeutung für N NX = Regionäre Lymphknoten nicht beurteilbar
N0 = Kein Anhalt für regionäre Lymphknotenmetastasen
N1 = Regionäre Lymphknotenmetastasen
Die Bedeutung für M MX = Vorliegen von Fernmetastasen nicht beurteilbar
M0 = Kein Hinweis auf Fernmetastasen
M1 = Fernmetastasen vorhanden

Ein Schilddrüsenkarzinom im Frühstadium ohne Metastasierung würde damit zum Beispiel als T1N0M0 bezeichnet.

Die Therapie von Schilddrüsenkrebs

Die Behandlung von Schilddrüsenkrebs soll die Erkrankung dauerhaft heilen oder das Schilddrüsenkarzinom zumindest in Schach halten. Wenn Schilddrüsenkrebs nicht behandelt wird, breitet er sich aus, streut im Körper Tochtergeschwülste und führt früher oder später zum Tod.

Jede Behandlung von Schilddrüsenkrebs soll den Tumor – und wenn Tochtergeschwülste vorliegen, möglichst auch diese – vollständig entfernen oder vernichten, so dass der Betroffene dauerhaft geheilt ist. Eine solche Behandlung heißt kurative Therapie. Lässt sich dieses Ziel nicht erreichen, versucht man, den Tumor möglichst lange zu kontrollieren und gleichzeitig die Lebensqualität zu erhalten. Diese Behandlung heißt palliative Medizin.

Wenn der Tumor der Schilddrüse selbst (oder auch Tochtergeschwülste) mit vertretbarem Risiko komplett operativ entfernt werden kann, ist die Operation in der Regel die Therapie der ersten Wahl – unabhängig davon, um welche Form von Schilddrüsenkrebs es sich handelt.

Weitere beziehungsweise ergänzende Therapiemöglichkeiten bei Schilddrüsenkrebs

  • Radiojodbehandlung (Radiojodtherapie) beim follikulären und papillären Schilddrüsenkarzinom
  • Bestrahlung von außen (Radiotherapie) beim anaplastischen Schilddrüsenkarzinom sowie in bestimmten Fällen des fortgeschrittenen papillären, follikulären, gering differenzierten und medullären Schilddrüsenkarzinoms
  • Chemotherapie beim anaplastischen Schilddrüsenkarzinom
  • Tyrosinkinase-Inhibitoren bei fortgeschrittenen nicht operablen Schilddrüsenkarzinomen

Operation

Welche Operation bei Schilddrüsenkrebs für Sie in Frage kommt, richtet sich nach dem feingeweblichen Aufbau und der Größe des Tumors der Schilddrüse. Bei einem kleinen differenzierten (papillären, manchmal auch follikulären) Schilddrüsenkarzinom muss die Schilddrüse nicht unbedingt vollständig entfernt werden. Wenn der Tumor jedoch größer ist oder der Verdacht besteht, dass auch umgebendes Gewebe, der andere Schilddrüsenlappen oder benachbarte Lymphknoten befallen sind, dann wird die gesamte Schilddrüse mit den Lymphknoten entfernt.

Beim medullären papillären Schilddrüsenkarzinom sind häufig die Lymphknoten im Halsbereich der betroffenen Schilddrüsenseite befallen (manchmal auch beide Seiten, selten auch im oberen Brustkorb). Dann wird das gesamte Fettbindegewebe des betroffenen Bereiches entfernt inklusive der eingeschlossenen Lymphknoten. Um Lymphknoten im oberen Brustkorb zu entnehmen, muss der Chirurg das Brustbein öffnen (Sternotomie).

Wichtig: Während der Operation von Schilddrüsenkrebs muss der Hals überstreckt werden. Normalerweise sind durch die Narkose die Muskeln entspannt, so dass dieses Überstrecken keine Beschwerden verursacht. Haben Sie jedoch Probleme mit der Halswirbelsäule, dann weisen Sie Ihre Ärzte bei den Vorbesprechungen des Eingriffs vorsorglich darauf hin.

Nebenwirkungen der Operation von Schilddrüsenkrebs

Wenn die Schilddrüse entfernt wurde, entfällt die körpereigene Produktion der Schilddrüsenhormone. Deshalb müssen Sie diese lebenswichtigen Hormone dauerhaft als Tablette einnehmen, um die entstandene Unterfunktion auszugleichen.

Am besten nehmen Sie die Medikamente morgens mit etwas Wasser auf nüchternen Magen ein. Lassen Sie bis zum Frühstück etwa eine halbe Stunde vergehen, damit Ihr Körper die Schilddrüsenhormone gut aufnehmen kann. Es ist besonders wichtig, dass Sie die Medikamente regelmäßig einnehmen, damit die Schilddrüsenhormone richtig eingestellt sind und so richtig wirken können. Sie können die Tablette auch vor dem Schlafengehen einnehmen. Besprechen Sie dies aber bitte zuvor mit Ihrem Arzt.

Wichtig: Wenn Sie zusätzlich zu den Schilddrüsenhormonen noch Kalzium nehmen müssen, dann muss zwischen der Einnahme der Hormone und des Kalziums ein Zeitraum von mindestens zwei Stunden liegen. Die Hormone werden sonst nicht ausreichend über den Darm aufgenommen.

Regelmäßige Kontrollen gewährleisten, dass Sie korrekt auf die Medikamente eingestellt sind und bleiben.

Wenn Sie nach der Behandlung eines follikulären oder papillären Schilddrüsenkarzinoms deutlich zu wenig vom Schilddrüsenhormon Levothyroxin einnehmen, schüttet die Hirnanhangdrüse vermehrt TSH aus. Das kann eventuell noch vorhandenes Tumorgewebe zum Wachstum anregen. Nehmen Sie allerdings zu viel Schilddrüsenhormon ein, kann das Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen und eine zu geringe Knochendichte (Osteoporose) mit sich bringen.

Auch bei einem erfahrenen Chirurgen und größter Sorgfalt kann es passieren, dass bei der Operation von Schilddrüsenkrebs die Nebenschilddrüsen in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann kann sich daraus eine vorübergehende oder (seltener) dauerhafte Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus) ergeben, so dass sie nicht mehr genügend Kalzium bilden.

Auffälligste Symptome eines Kalziummangels

  • Kribbeln in Armen und Beinen
  • Angstgefühle
  • Atemnot
  • Muskelkrämpfe

Diese Nebenwirkung treffen die Betroffenen oft unvorbereitet und können sie stark beunruhigen. Zudem können sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Hinweis: Ihr Arzt sollte deshalb nach der Operation von Schilddrüsenkrebs Ihren Kalziumwert kontrollieren – auch wenn Sie keine Beschwerden haben – und Ihnen gegebenenfalls Vitamin D und Kalzium verschreiben.

Der Bundesverband Schilddrüsenkrebs e.V. hat zu diesem Thema ein Merkblatt und weiteres Informationsmaterial entwickelt, das sich Interessierte auf www.sd-krebs.de/infomaterial/ herunterladen können.

Wurden bei der Operation des Schilddrüsenkarzinoms die Stimmbandnerven verletzt oder in ihrer Funktion gestört, können Sie vorübergehend oder auch dauerhaft Beschwerden beim Sprechen haben und heiser sein. Ein Sprachtherapeut (Logopäde) kann meist mit entsprechenden Übungen die Stimmbildung verbessern. Korrigierende Operationen sind selten erforderlich, im Einzelfall aber ebenfalls möglich.

Radiojodtherapie

Die Behandlung mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie) soll bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen nach der Operation noch vorhandene Schilddrüsenzellen und auch eventuell vorhandene Metastasen beseitigen. Dabei macht man sich die Tatsache zunutze, dass Metastasen des follikulären und des papillären Schilddrüsenkarzinoms häufig Jod speichern. Ist dies nicht der Fall, wie etwa bei medullären oder undifferenzierten Karzinomen, ist eine Radiojodtherapie nicht sinnvoll.

Wichtig: Voraussetzung für eine gezielte Radiojodbehandlung von Metastasen ist, dass zuvor die Schilddrüse operativ entfernt wurde.

Wie oft bei Ihnen die Radiojoddiagnostik und eventuell die -therapie erfolgt, hängt vom Stadium des Tumors der Schilddrüse ab und davon, welcher Karzinomtyp bei Ihnen festgestellten wurde und wie gut der Tumor auf die Behandlung anspricht. Bei günstigen Formen von Schilddrüsenkrebs (differenziertes Schilddrüsenkarzinom, frühes Tumorstadium) wird eine solche Diagnostik nach Abschluss der ersten Behandlung im Abstand von sechs bis zwölf Monaten durchgeführt. Bei ungünstigen Tumorformen kann die Radiojoddiagnostik gegebenenfalls häufiger eingesetzt werden.

Zur Vorbereitung der Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs sind ein paar Regeln zu beachten.

Vor der Radiojodtherapie

  • Bis zu drei Monate vor der Behandlung dürfen Sie nicht mit jodhaltigem Kontrastmittel (etwa im Rahmen einer Computertomographie) untersucht worden sein.
  • Vier bis sechs Wochen vor der Behandlung dürfen Sie keine jodhaltigen Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel oder Desinfektionsmittel verwenden.
  • Ein bis zwei Wochen vor der Behandlung ist es ratsam, dass Sie jodreiche Nahrung vermeiden. Eine Ernährung ganz ohne das Spurenelement Jod ist nicht möglich und auch nicht notwendig. Verzichten Sie aber auf Seefisch, verwenden Sie kein Jodsalz und achten Sie darauf, dass die von Ihnen verwendeten Lebensmittel nicht zusätzlich mit Jod angereichert wurden. Der Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V. hat hierfür ein Merkblatt entwickelt, das Sie unter www.sd-krebs.de/infomaterial/schilddruesenkrebs/ bestellen können. Nach der Radiojodtherapie können Sie wieder normal essen.

Für die Radiojodtherapie ist ein TSH-Wert von mindestens 30 μU/ml (30 mU/l) sinnvoll. Dann ist gewährleistet, dass das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH aktiviert und das radioaktive Jod optimal aufgenommen wird.

Dieser TSH-Wert lässt sich auf zwei verschiedene Arten erreichen: Sie nehmen entweder nach der Operation für einige Zeit keine Schilddrüsenhormone ein und führen so absichtlich eine Schilddrüsenunterfunktion herbei oder Sie erhalten Spritzen mit gentechnisch hergestelltem TSH, das den benötigten TSH-Spiegel schneller erzeugt.

Besprechen Sie mit dem Arzt, der die Radiojodtherapie durchführt, welche Vor- und Nachteile die beiden Methoden haben.

Wenn Sie zur Vorbereitung der Radiojodtherapie keine Schilddrüsenhormone einnehmen, werden sich typische Beschwerden wie bei einer Schilddrüsenunterfunktion einstellen: Sie werden weniger leistungsfähig sein, leichter müde werden und vielleicht etwas Gewicht zunehmen. Diese Nebenwirkungen empfindet jeder Betroffene unterschiedlich stark.

Die Nebenwirkungen gehen vollständig zurück, wenn Sie die Schilddrüsenhormone nach der Radiojodtherapie wieder in der erforderlichen Dosis einnehmen. Allerdings kann es einige Zeit dauern – das können Wochen, manchmal sogar Monate sein –, bis Sie sich von der absichtlich herbeigeführten Schilddrüsenunterfunktion erholt haben.

Um die beschriebenen Nebenwirkungen der Schilddrüsenunterfunktion zu vermeiden und die Zeit zwischen Operation von Schilddrüsenkrebs und Radiojodtherapie zu verkürzen, können Sie, wie bereits erwähnt, Spritzen mit gentechnisch hergestelltem TSH erhalten.

Wichtig: Fragen Sie bei Nebenwirkungen Ihren Arzt um Rat, was er für Sie tun kann. Auch Mitglieder von Selbsthilfegruppen können hierzu oft wichtige Erfahrungen an Mitbetroffene weitergeben.

Die Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs erfolgt auf einer spezialisierten nuklearmedizinischen Station, die so gebaut ist, dass sie den Strahlenschutzvorschriften entspricht. Dort werden Sie sich mehrere Tage aufhalten. Müssen Sie nur zur Radiojoddiagnostik ins Krankenhaus, bleiben Sie etwa zwei bis vier Tage dort.

Sie erhalten das radioaktive Jod in Form von Kapseln, die sich erst im Magen auflösen. Die Jodmenge in der Kapsel wird Ihrem Bedarf entsprechend zubereitet.

Auf die Station können Sie Ihren persönlichen Bedarf mitnehmen, Angehörige oder Freunde dürfen Sie jedoch hier nicht besuchen.

Tipp: Damit Ihnen die Zeit nicht zu lang wird, nehmen Sie genügend Lesestoff, Hörbücher, Filme, Musik, Rätsel oder andere unterhaltsame Dinge mit. Vergessen Sie auch nicht Fotos Ihrer Familie und etwas zum Schreiben.

Mögliche Nebenwirkungen der Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs

Unter Umständen kann die Radiojodbehandlung die Funktion der Speicheldrüsen stören, so dass (meist vorübergehend) weniger Speichel produziert wird. Diese Nebenwirkung der Radiojodtherapie können Sie vermeiden, indem Sie reichlich trinken, saure Bonbons lutschen oder Kaugummi kauen. Das genaue Vorgehen erläutert Ihnen Ihr Ärzteteam.

Hinweis: Schon ein geringfügig verminderter Speichelfluss kann das Risiko von Karies erhöhen. Pflegen Sie daher Ihre Zähne in Zukunft besonders gründlich. Ihr Zahnarzt kann Ihnen weitere Tipps geben.

Da die Schilddrüsenzellen den größten Teil des Radiojods aufnehmen, werden durch die Therapie selten andere Organe geschädigt. Nach mehrfacher Radiojodtherapie (zum Beispiel zur Behandlung von Fernmetastasen bei Schilddrüsenkrebs) mit einer sehr hohen Gesamtdosis können allerdings Knochenmarkschäden, in sehr seltenen Fällen auch andere bösartige Erkrankungen (Zweitmalignome) auftreten. Ihr Arzt wird dies jedoch durch regelmäßige Untersuchungen im Verlauf der Behandlung sorgfältig kontrollieren und bei entsprechendem Verdacht weitere Schritte veranlassen.

Ist es notwendig, mehrere Radiojodtherapien durchzuführen, wird besonders bei jungen Männern das Risiko erhöht, dass nicht mehr ausreichend Samenzellen gebildet werden (Azoospermie).

Strahlentherapie (Radiotherapie)

Die Strahlentherapie wird selten zur Behandlung von Schilddrüsenkrebs eingesetzt. Ihr Ziel ist es, eventuell im Operationsgebiet verbliebene Tumorzellen oder Metastasen, die nicht operiert oder mit Radiojod behandelt werden können, zu zerstören.

Tyrosinkinasehemmer

Die medikamentöse Therapie der fortgeschrittenen Schilddrüsenkarzinome hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Während klassische Chemotherapien zumindest beim differenzierten sowie beim medullären Schilddrüsenkarzinom kaum noch eingesetzt werden, spielen die sogenannten Tyrosinkinasehemmer (oft abgekürzt mit TKI für den englischen Begriff tyrosin kinase inhibitor) eine immer wichtigere Rolle bei der Therapie von Schilddrüsenkrebs.

Im Körper werden die TKI von den Tumorzellen beziehungsweise von den Zellen der Blutgefäße aufgenommen. In den Krebszellen blockieren sie bestimmte Signalwege, die für das Tumorwachstum wichtig sind. In den Zellen der Blutgefäße versperren sie Signalwege, die für den Erhalt und das Wachstum der Blutgefäße wichtig sind. Auf diese Weise wird der Tumor nicht mehr mit Blut versorgt. In beiden Fällen werden das Zellwachstum und die normale Zellfunktion blockiert. Idealerweise wachsen der Tumor und die Metastasen dann nicht weiter oder bilden sich sogar zurück.

Die aktuell beim Schilddrüsenkarzinom zugelassenen Medikamente hemmen alle mehrere Zielstrukturen in den Tumor- beziehungsweise Gefäßzellen und werden deshalb Multi-Tyrosinkinasehemmer genannt. Im Gegensatz zu vielen der üblichen Chemotherapeutika werden die TKI in Form von Tabletten gegeben, die der Betroffene jeden Tag einnimmt.

Derzeit sind folgende Substanzen (jeweils in alphabetischer Reihenfolge) zugelassen.

Für das radiojodrefraktäre, differenzierte Schilddrüsenkarzinom

  • Lenvatinib
  • Sorafenib

Für das medulläre Schilddrüsenkarzinom

  • Cabozantinib
  • Vandetanib

Wann sollte Schilddrüsenkrebs mit TKI behandelt werden?

Obwohl es gewisse Hinweise darauf gibt, dass die TKI das Überleben beim fortgeschrittenen Schilddrüsenkarzinom verlängern, ist dies noch nicht wirklich bewiesen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man in jedem Einzelfall gut überlegt, wann der richtige Zeitpunkt für eine solche Therapie bei Schilddrüsenkrebs ist.

In der Regel gilt dies nur für Betroffene mit deutlich fortgeschrittener Erkrankung, die durch eine Operation oder Radiojodtherapie nicht mehr zu kontrollieren ist. Aber diese Kriterien allein führen nicht automatisch dazu, dass man mit einem TKI behandelt werden sollte. Zur Therapieentscheidung sollte die sogenannte Tumorlast berücksichtigt werden, das heißt die Menge an Tumorgewebe, die Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors und Beschwerden, die durch den Tumor der Schilddrüse ausgelöst werden.

Am besten wird diese Entscheidung von einem interdisziplinären Team von Experten getroffen, die Erfahrung mit der Behandlung von fortgeschrittenen Schilddrüsenkarzinomen haben. In den letzten Jahren haben sich einige Zentren in Deutschland auf die Behandlung von Schilddrüsenkarzinomen oder allgemein endokrinen Tumoren spezialisiert. Diese Zentren sind meist auch bereit, Betroffene im Rahmen einer Zweitmeinung zu beraten.

Wichtig: Besonders wichtig erscheint gerade auch in Anbetracht der möglichen Nebenwirkungen, dass der Betroffene gut aufgeklärt ist und einen klaren Therapiewunsch hat.

Mit welchen Nebenwirkungen müssen Sie bei einer TKI-Therapie rechnen?

Die Nebenwirkungen der Tyrosinkinasehemmer sind ähnlich, aber keineswegs vergleichbar mit denen einer Chemotherapie. Unter anderem kann es zu tumorbedingter Müdigkeit (Fatigue), Hautausschlag beziehungsweise auch Hautablösungen (Hand-Fuß-Hand-Syndrom), Bluthochdruck, Durchfall, Übelkeit und Appetitlosigkeit kommen. Eventuell muss dann die Dosis der verabreichten Medikamente verringert oder die Behandlung sogar unterbrochen werden. Bei einzelnen Medikamenten wie Vandetanib kann sich auch der Herzrhythmus verändern; deshalb muss vor und während der TKI-Therapie Ihr Herz durch EKG kontrolliert werden.

Um Nebenwirkungen einer TKI-Therapie bei Schilddrüsenkrebs rechtzeitig zu erkennen, wird Ihr Arzt regelmäßige Kontrollen wie beispielsweise Blutabnahmen durchführen. Es ist sinnvoll, dass Sie ein Tagebuch führen, in dem Sie Unregelmäßigkeiten oder Nebenwirkungen aufschreiben können. Diese können Sie dann beim nächsten Termin direkt mit Ihrem Arzt besprechen.

Mit welchem Medikament fängt man an? Was passiert, wenn das Medikament nicht mehr wirkt?

Da es aktuell mehrere Medikamente zur Therapie von Schilddrüsenkrebs gibt, stellt sich natürlich die Frage, mit welchem Medikament die Behandlung am besten anfängt. Bisher gibt es allerdings keine Studien, die diese Frage eindeutig beantworten können. Deswegen ist dies im Augenblick immer eine Einzelfallentscheidung, die gemeinsam mit dem behandelnden Arzt erfolgt.

Chemotherapie

Eine normale Chemotherapie spielt beim Schilddrüsenkarzinom inzwischen eine untergeordnete Rolle. Sie wird derzeit nur noch beim äußerst seltenen anaplastischen Schilddrüsenkarzinom eingesetzt oder in Fällen, bei denen die Tyrosinkinasehemmer nicht geholfen haben. Beim anaplastischen Schilddrüsenkarzinom werden häufig gleich mehrere Therapien (Operation, Bestrahlung und Chemotherapie) kombiniert.

Lindernde (palliativmedizinische) Behandlung

Ist der Schilddrüsenkrebs so weit fortgeschritten, dass er nicht mehr heilbar ist, kann die Palliativmedizin für die Betroffenen noch sehr viel tun, damit es ihnen in der ihnen verbleibenden Lebenszeit gutgeht.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Schilddrüsenkrebs

Neben den schulmedizinischen Methoden werden bei Schilddrüsenkrebs auch komplementäre und alternative Behandlungsmethoden angeboten. Worin sich diese unterscheiden und auf was Sie dabei achten sollten, erfahren Sie im Artikel „Unkonventionelle Behandlungsmöglichkeiten“.

Rehabilitation und Nachsorge

Rehabilitation und Nachsorge sind wesentliche Bestandteile der onkologischen Versorgung nach Schilddrüsenkrebs. Nach der Akutversorgung im Krankenhaus sind Rehabilitationskliniken, Fach- und Hausarzt wichtig für die weitere Betreuung und Begleitung. Viele Betroffene wenden sich zusätzlich auch an eine Selbsthilfegruppe.

Rehabilitation

Wenn Sie die erste Behandlungsphase (Primärbehandlung) des Schilddrüsenkrebs – also Operation und / oder medikamentöse Tumortherapie und / oder Strahlentherapie – geschafft haben, beginnt mit der Rehabilitation die nächste Phase. Diese kann sich als Anschlussrehabilitation (AR) / Anschlussheilbehandlung (AHB) direkt oder zeitnah eine anschließen.

Ausführliche Informationen erhalten Sie im Text „Rehabilitation“.

Nachsorge

Ziel der Nachsorge bei einem Schilddrüsenkarzinom ist es, rechtzeitig erkennen zu können, wenn es zu einem Rückfall der Erkrankung kommt (Tumorrezidiv) oder Begleit- oder Folgeerkrankungen auftreten. Außerdem ist es Aufgabe der Nachsorge, Ihnen bei Ihren körperlichen, seelischen und sozialen Problemen zu helfen. Dazu gehört auch, dass Folgen oder Behinderungen, die durch die Krankheit beziehungsweise Therapie entstanden sind, so weit wie möglich behoben werden und Sie – wenn Sie es wünschen – gegebenenfalls wieder berufstätig sein können.

Ausführliche Informationen erhalten Sie im Text „Nachsorge“.

Selbsthilfegruppen

Die meisten an Schilddrüsenkrebs Erkrankten trifft die Diagnose völlig überraschend. Die Behandlung und alles, was sich daran anschließt, die Befürchtung, dass das Leben früher als erwartet zu Ende sein könnte, die praktischen, alltäglichen Folgen der Krankheit – all das sind neue, unbekannte Probleme.

Für viele ist dann der Kontakt zu anderen Betroffenen, die sie zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe finden, eine große Hilfe. Denn sie kennen die Probleme aus eigener Erfahrung und können Ihnen mit Rat und Tat helfen.

Der Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V. ist die Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Schilddrüsenkrebs sowie deren Angehörige. Er versteht sich als Solidargemeinschaft von Menschen mit Schilddrüsenkrebs und setzt sich bundesweit für deren Interessen ein. Ein Selbsthilfe-Forum auf www.sd-krebs.de hilft dabei, Kontakte zwischen Betroffenen und Angehörigen zu vermitteln, Erfahrungen auszutauschen und Menschen zusammenzubringen, die ohne Schilddrüse insbesondere nach einer Krebsdiagnose leben müssen. Der Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V. vertritt auch die spezifischen Interessen von Betroffenen in der Gesundheits- und Sozialpolitik.

Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V.
Rungestraße 12
10179 Berlin
Info-Telefon: 0 18 05 / 64 63 73 bzw.
0 18 05-OHNE-SD (0,14 € / Min. aus dem deutschen Festnetz)
E-Mail: info@sd-krebs.de
Internet: www.sd-krebs.de

Sie können bereits während der Behandlungszeit Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufnehmen oder aber erst, wenn Ihre Therapie abgeschlossen ist. Wenn Ihnen Ihr Arzt oder das Pflegepersonal im Krankenhaus bei der Suche nach einer Selbsthilfegruppe nicht helfen kann, wenden Sie sich an das INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe.

Merkblatt für Arzt-Patienten-Gespräch

Der Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V. gibt ein Merkblatt zum Arzt-Patienten-Gespräch heraus, dessen Inhalt wir hier in Auszügen vorstellen. Den vollständigen Text sowie weiteres Infomaterial finden Sie unter www.sd-krebs.de.

Ratgeber: Krebs der Schilddrüse

Die Blauen Ratgeber Krebs der Schilddrüse

Unseren blauen Ratgeber Schilddrüsenkrebs können Sie auch als PDF herunterladen oder kostenfrei als Broschüre zu sich nach Hause bestellen.

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Weitere Informationen

Letzte Aktualisierung

  • Wissenschaftliche Überarbeitung Februar 2020
  • Aktualisierung der Fallzahlen Februar 2022

Text und Redaktion

  • Dr. Désirée Maßberg, Stiftung Deutsche Krebshilfe
  • Sandra von dem Hagen, Stiftung Deutsche Krebshilfe
  • Isabell-Annett Beckmann, Stiftung Deutsche Krebshilfe

Medizinische Beratung

Medizinische Beratung

Prof. Dr. med. H. Dralle
Universitätsklinikum Essen
Medizinisches Zentrum
Leiter des Bereiches für Endokrine Chirurgie
Hufelandstraße 55
45147 Essen

Prof. Dr. med. M. Luster
Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Standort Marburg
Direktor der Klinik für Nuklearmedizin
Baldingerstraße
35033 Marburg

Fachliche Beratung

H. Rimmele
Bundesgeschäftsführer Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V.
Rungestraße 12
10179 Berlin

Quellen

Zur Erstellung dieses Textes wurden die nachstehend aufgeführten Informationsquellen herangezogen:

  • Krebs in Deutschland für 2017/2018. 13. Ausgabe. Robert Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg), Berlin, 2021
  • Haugen BR, Alexander EK, Bible KC, Doherty GM, Mandel SJ, Nikiforov YE, Pacini F, Randolph GW, Sawka AM, Schlumberger M, Schuff KG, Sherman SI, Sosa JA, Steward DL, Tuttle RM, Wartofsky L. 2015 American Thyroid Association Management Guidelines for Adult Patients with Thyroid Nodules and Differentiated Thyroid Cancer: The American Thyroid Association Guidelines Task Force on Thyroid Nodules and Differentiated Thyroid Cancer, Thyroid 2016; 26:1-133
  • Perros P, Colley S, Boelaert K, Evans C, Evans RM, Gerrard GE, Gilbert JA, Harrison B, Johnson SJ, Giles TE, Moss L, Lewington V, Newbold KL, Taylor J, Thakker RV, Watkinson J, Williams Guidelines for the management of thyroid cancer, Third edition British Thyroid Association, July 2014
  • Pacini F, Schlumberger M, Dralle H, et al., European consensus for the management of patients with differentiated thyroid carcinoma of the follicular epithelium, Europ J Endocrinol 2006; 154: 787-803
  • Luster M, Clarke SE, Dietlein M, et al., European Association of Nuclear Medicine (EANM). Guidelines for radioiodine therapy of differentiated thyroid cancer. Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2008; 35: 1941-1959
  • Wells, Asa, et al. Revised American Thyroid Association Guidelines for the Management of Medullary Thyroid Carcinoma prepared by the American Thyroid Association Guidelines Task Force on Medullary Thyroid Carcinoma, Thyroid 25(6):, 567–610, 2015
  • Pacini, F. Castagna MG et al. Thyroid cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Annals of Oncology, Volume 23, Issue suppl_7, October 2012, Pages vii110–vii119
  • Paschke R, Lincke T, Müller SP, Kreissl MC, Dralle H, Fassnacht M. 2015 Therapie des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms. Dtsch Arztebl Int. 112(26):452-8

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