FATIGUE (CHRONISCHE MÜDIGKEIT BEI KREBS)

Fatigue ist eine langanhaltende, chronische Müdigkeit, die während und zum Teil noch längere Zeit nach der Behandlung einer Krebserkrankung besteht und auch nach ausreichend Schlaf nicht verschwindet. Für Menschen mit einer anhaltenden Fatigue bei Krebs kann das tägliche Leben schwer zu bewältigen sein.

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Was ist Fagitue?

Das Wort Fatigue bedeutet wörtlich übersetzt: Müdigkeit und Erschöpfung. Was ist Fatigue aber im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung?

Jeder fühlt sich im Laufe seines Lebens immer wieder einmal müde, ausgelaugt und kraftlos. Dafür gibt es ganz verschiedene Gründe – körperliche wie auch seelische –, und dieser Zustand kann kürzer oder auch länger andauern.

Es gibt jedoch eine Art von Müdigkeit und Erschöpfung, die sich vom normalen Maß deutlich unterscheidet. Innerhalb der Medizin kennen wir verschiedene, insbesondere chronische Krankheiten, die mit einer sehr starken Erschöpfung einhergehen können. Diese besonders ausgeprägte Form bezeichnet die Fachsprache als Fatigue (ausgesprochen Fatieg).

Wo aber hört nun Müdigkeit auf, und wo fängt das Fatigue-Syndrom an? Die Abgrenzung ist schwierig, aber im Interesse der Betroffenen ist eine möglichst genaue Definition der Fatigue-Erkrankung wichtig. Da Fatigue bei Krebs viele Ursachen haben kann und die Zusammenhänge nicht in allen Einzelheiten geklärt sind, bieten sie keinen zuverlässigen Anhaltspunkt für eine solche Definition. Hilfreicher ist es dagegen, die Fatigue-Symptome, unter denen der Betroffene leidet, ganz genau zu beschreiben und so zu einer Unterscheidung zu kommen.

In den USA war das Fatigue-Syndrom schon früh ein Schwerpunkt in der Krebsforschung, und deshalb stammt eine erste Definition aus dem Jahr 1995 von David Cella: „Die Tumorerschöpfung, auch Fatigue genannt, bedeutet eine außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven oder massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das absolut unverhältnismäßig zu vorangegangenen Aktivitäten ist.“

Hinweis: Das heißt, Fatigue bei Krebs ist eine krankhafte Ermüdung, die für den Betroffenen mehr als unangenehm ist. Das Besondere daran ist, dass sich die Erschöpfung nicht durch normale Erholungsmechanismen beheben lässt, auch nicht durch Schlaf.

Fatigue: Symptome

Es gibt verschiedene Fatigue-Symptome, über die Betroffene klagen. Zu diesen zählen:

  • Müdigkeit
  • Lustlosigkeit
  • Schwäche
  • Verlust der körperlichen Belastbarkeit
  • Desinteresse, Motivationsverlust
  • Schlafstörungen
  • Traurigkeit, Frust oder Reizbarkeit
  • Seelische Erschöpfung
  • Angst, nicht wieder gesund zu werden
  • Konzentrationsstörungen
  • Verlust des Interesses am Leben
  • Entfremdung von Freunden und Familie

Aber Fatigue bei Krebs ist mehr als die Summe der genannten Beschwerden. Sie ist ein vielschichtiges Leiden, bei dem die Fatigue-Symptome den Betroffenen während der Erkrankung und der Therapie stark einschränken und später daran hindern, ein normales Leben zu führen.

Die Ursachen von Fatigue bei Krebs

Die Ursachen von Fatigue bei Krebs, der extremen Erschöpfung, unter der viele Betroffene leiden, können in der Regel zahlreich sein. Oft liegen sie gleichzeitig vor.

Man spricht in diesem Fall von einem multifaktoriellen oder auch multikausalen Geschehen.

Um zu klären, was Ihnen am ehesten helfen kann, Ihre Beschwerden zu verringern, ist es wichtig, gezielt nach möglichen Ursachen des Fatigue-Syndroms suchen.

Mögliche Ursachen von Fatigue bei Krebs

  • Die Krebserkrankung selbst
  • Auswirkungen der Behandlung (Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, andere Tumormedikamente, Medikamente gegen andere Beschwerden oder Krankheiten neben der Tumortherapie)
  • Hormonmangel (Schilddrüsenhormone, Nebennierenhormone, Geschlechtshormone)
  • Begleiterkrankungen und Organschäden
  • Schmerzen
  • Psychische Folgen der Krebserkrankung (Angst, depressive Verstimmung, Stress)
  • Schlafstörungen
  • Mangelernährung
  • Chronische Infekte
  • Mangel an körperlichem Training (Muskelabbau)

Grundsätzlich können Sie sich durch die Krebserkrankung selbst abgeschlagen fühlen und nicht mehr so leistungsfähig sein. Darüber hinaus kann die Krebserkrankung oder die Krebstherapie auch dazu führen, dass Sie abgenommen haben, unter Blutarmut und Stoffwechselstörungen leiden.

Bei vielen Betroffenen verursacht die Behandlung ihrer Krebserkrankung je nach Intensität eine Fatigue. Bei vier von fünf Patienten ist sie wenige Wochen nach dem Ende der Behandlung, spätestens aber nach einem Jahr wieder abgeklungen.

Häufige Ursache für Fatigue: Blutarmut

Eine Ursache für eine Fatigue ist eine Blutarmut. Die Strahlentherapie und vor allem die Chemotherapie, aber auch andere Tumormedikamente beeinträchtigen die Blutbildung im Knochenmark. Blut nimmt in der Lunge Sauerstoff auf und bringt ihn zu den Organen, die sie benötigen, zum Beispiel dem Gehirn, den Muskeln, den Drüsen. Etwa die Hälfte des gesamten Blutes besteht aus Zellen, den sogenannten Blutkörperchen. Von ihnen gibt es drei Arten: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Blutplättchen (Thrombozyten) und die weißen Blutkörperchen (Leukozyten).

Die wichtigste Aufgabe der roten Blutkörperchen besteht darin, den Sauerstoff, der in den Lungen aufgenommen wird, durch die Blutgefäße in die Gewebe zu transportieren. Dafür benötigen sie den in ihnen enthaltenen roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin (Hb). Die Produktion der roten Blutkörperchen wird durch das Hormon Erythropoetin, das in den Nieren gebildet wird, angeregt. Sowohl der Tumor selbst als auch Tumormedikamente oder eine Strahlentherapie können zu einem Mangel an Erythropoetin oder einer Verminderung der blutbildenden Zellen im Knochenmark führen. Dann kann es zu einem Mangel an roten Blutkörperchen kommen. Es entsteht eine sogenannte Blutarmut (Anämie). Die Folge: Es werden zu wenig Sauerstoff und Kohlendioxid ausgetauscht, der Sauerstoffmangel schwächt den Organismus, und der betroffene Mensch leidet unter Müdigkeit, Schwäche, vielleicht sogar Atemnot oder Kopfschmerzen. Je weniger rote Blutkörperchen vorhanden sind, desto schlechter ist die Sauerstoffversorgung der Organe.

Hinweis: Wenn Sie unter Fatigue leiden und sich herausstellt, dass diese infolge einer Blutarmut als Nebenwirkung der Krebsbehandlung auftritt, lässt sich diese akute Erschöpfung behandeln.

Fatigue durch Medikamente

Eine weitere Ursache für das Fatigue-Syndrom können verschiedene Medikamente sein, die die Aufmerksamkeit beeinträchtigen, müde machen und so die Entstehung einer Fatigue fördern. Dies gilt insbesondere für einige Arten von Schmerzmitteln, insbesondere für die sogenannten Opioide. Allerdings kann eine gezielte Auswahl und Kombination verschiedener Schmerzmedikamente diese Nebenwirkungen verringern. Oft gewöhnt der Körper sich auch an die Schmerzmittel, und nach einigen Tagen verschwindet die Müdigkeit wieder. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.

Fatigue und Depression

Eine Krebserkrankung löst bei vielen Betroffenen Ängste und depressive Verstimmungen aus. Manche Patienten haben eine richtige Depression. All dies beeinträchtigt die Lebensfreude und Lebensqualität. Diesen Betroffenen fehlen im Alltag Elan und Schwung, sie leiden unter Antriebsmangel, sind müde und erschöpft.

Besonders aufmerksam sollten Ärzte und Angehörige darauf achten, ob der Betroffene niedergeschlagen ist. Müdigkeit, Erschöpfung und Niedergeschlagenheit hängen eng miteinander zusammen, und es ist nicht immer einfach herauszufinden, was Ursache und was Wirkung ist. Darüber hinaus haben Depression und Fatigue einige Gemeinsamkeiten.

Eine Krebserkrankung ist eine lebensbedrohende Krankheit, und viele Betroffene haben große Angst. Eine ausgeprägte Angsterkrankung oder eine richtige Depression sollte durch einen Fachmann behandelt werden.

Wichtig: Es muss genau unterschieden werden, ob die depressive Verstimmung die Folge der Erschöpfung ist oder ob eine massive Erschöpfung ein Symptom einer echten Depression ist.

Nicht immer gelingt es, klar zwischen Depression und einem Fatigue-Syndrom zu unterscheiden. Ein paar Anhaltspunkte können aber wichtige Hinweise in die eine oder andere Richtung geben.

Klären Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt zum Beispiel die folgenden Fragen

  • Gab es in Ihrem bisherigen Leben schon früher Episoden einer Depression?
  • Denken Sie häufig ans Sterben?
  • Haben Sie die Lebenslust verloren oder wollen Sie eigentlich mehr machen, können aber nicht?
  • Leiden Sie erst seit Ihrer Krebserkrankung an dieser Art von Müdigkeit?

Wenn Sie eine dieser Fragen oder mehrere mit ja beantworten, dann spricht dies dafür, dass Ihre Müdigkeit auf eine Depression zurückzuführen ist. Empfinden Sie Ihre Erschöpfung, Schwäche und Müdigkeit aber mehr körperlich, geistig und gefühlsmäßig, deutet dies eher auf Fatigue hin.

Diagnose von Fatigue bei Krebs

Für die Diagnose eines Fatigue-Syndroms ist es wichtig, Ihre Müdigkeit genauer zu klassifizieren. Denn die Aussage „Ich bin müde“ kann bedeuten, dass Sie lediglich ein bisschen müde sind oder auch vollkommen erschöpft sind. Gibt es eine Möglichkeit, die Stufen von Müdigkeit allgemeingültig zu beschreiben?

Um zuverlässig zu erfassen, ob Sie unter Fatigue leiden, müssen Sie Ihr Befinden möglichst genau beschreiben und eingrenzen.

Diese Einschätzung von Müdigkeit / Fatigue muss auf mehreren Ebenen erfolgen: Es geht um die körperliche Leistungsfähigkeit (Erschöpfung, Schwäche), um das emotionale Befinden (Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Energieverlust), um die geistige Leistungsfähigkeit (Konzentrationsschwierigkeiten, Schläfrigkeit, verlangsamtes Denkvermögen) und um die Frage, wie lange dieser Zustand schon besteht (akut, chronisch). Manchen Experten genügen auch die ersten drei Bereiche zur Diagnose der Fatigue.

Fragebogen zur Diagnose von Fatigue

Um Fatigue zu erfassen, wurden mittlerweile verschiedene Fragebögen entwickelt. Manche enthalten das Fatigue-Syndrom als Unterpunkt und fragen Müdigkeit allgemein ab. Bei anderen, die gesondert für Fatigue bei Krebserkrankungen erstellt wurden, geht es ausschließlich darum.

Hinweis: Nach internationaler Definition leiden Sie an Fatigue, wenn die folgenden Symptome im vergangenen Monat täglich oder fast täglich in zwei aufeinander folgenden Wochen aufgetreten sind.

  • Sie leiden unter erheblicher Erschöpfung.
  • Sie haben niedrigere Energiereserven.
  • Sie haben ein erhöhtes Bedürfnis zum Ausruhen, obwohl Sie nicht aktiver sind als zuvor.

Zusätzlich fünf oder mehr der folgenden Punkte

  • Sie leiden unter allgemeiner Schwäche und / oder Schweregefühl in den Gliedern.
  • Ihre Konzentration oder Aufmerksamkeit lässt nach.
  • Sie sind weniger motiviert oder haben weniger Interesse daran, normale Tätigkeiten zu erledigen.
  • Sie haben Probleme bei der Erledigung Ihrer täglichen Aufgaben infolge der Fatigue.
  • Sie leiden unter Schlafstörungen oder haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis.
  • Sie fühlen sich auch nach dem Schlafen noch müde und unausgeruht.
  • Sie haben große Mühe, Ihre Untätigkeit zu überwinden.
  • Sie bemerken seelische Schwankungen aufgrund der Fatigue (Sie sind zum Beispiel traurig, frustriert oder reizbar).
  • Sie haben Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis.
  • Nach Anstrengungen sind Sie besonders erschöpft, und dieser Zustand hält oft mehrere Stunden lang an.

Fatigue-Syndrom: Therapie

Da über Fatigue bei Krebs und ihre Ursachen noch wenig bekannt ist, gibt es bislang auch nur wenige gesicherte und erfolgversprechende Therapieansätze. Wie sehen diese aus?

Beim Fatigue-Syndrom kann die Therapie sowohl aus medikamentösen als auch aus nicht-medikamentösen Maßnahmen bestehen. Darüber hinaus soll jeder Betroffene persönlich beraten werden und dabei Hilfe bekommen, mit den verschiedenen Einschränkungen im täglichen Leben besser umgehen zu können.

Solange Sie noch in der akuten Behandlungsphase sind, ist es wichtig, dass diese scheinbar unabwendbare Nebenwirkung Erschöpfung genau überprüft wird. Lässt sich nämlich bei einem akuten Fatigue-Syndrom eine Therapie erfolgreich durchführen, verbessert das zum einen Ihre Lebensqualität deutlich. Zum anderen trägt es auch dazu bei, dass Sie die Therapie besser vertragen und sich diese besser durchführen lässt. Experten vermuten sogar, dass eine erfolgreiche Behandlung der tumorbedingten Fatigue den Therapieerfolg insgesamt günstig beeinflussen kann. Denn ein leistungsfähiger Patient kann den gemeinsam erarbeiteten Behandlungsplan gegen das Fatigue-Syndrom besser verfolgen und einhalten.

Wichtig: Informieren Sie daher Ihre behandelnden Ärzte immer genau über Ihr Befinden, denn jede Änderung kann wichtig sein. Ihr Arzt kann nur behandeln, was er weiß und (er-)kennt.

Über die Ursachen von Fatigue ist bisher sehr wenig bekannt. Diese wenigen Informationen sollte der Arzt allerdings nutzen und überprüfen, ob eine oder mehrere der bekannten Ursachen bei Ihnen vorliegen. Diese kann er dann gezielt behandeln.

Therapie bei Fatigue durch Blutarmut

Die häufigste Ursache für eine akute Fatigue ist die Blutarmut. In diesem Fall gibt es für das Fatigue-Syndrom für zwei Therapie-Möglichkeiten. Entweder werden dem Körper rote Blutkörperchen übertragen. Eine solche Blutübertragung verbessert zwar die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff sehr rasch, hat allerdings sehr selten das Risiko einer Infektion oder Unverträglichkeit.

Oder die körpereigene Produktion roter Butkörperchen wird angekurbelt, indem der Betroffene das Hormon Erythropoetin bekommt. Diese Behandlung ist zwar risikoärmer, darf aber nur parallel zu einer Chemotherapie oder Strahlentherapie eingesetzt werden. Es kann allerdings einige Wochen dauern, bis sich der gewünschte Erfolg einstellt, und die Methode wirkt auch nicht bei allen Betroffenen mit Fatigue.

Unabhängig davon, wie eine Blutarmut behoben wird: Wenn der Körper wieder mehr roten Blutfarbstoff hat, bessert sich fast immer die Leistungsfähigkeit und damit die Lebensqualität der Betroffenen.

In jedem Fall muss Blutarmut aber nach den entsprechenden Leitlinien behandelt werden. Eine andere Behandlung kann den Betroffenen gefährden.

Therapie bei Fatigue durch Stoffwechselstörungen

Auch Stoffwechselstörungen können eine Ursache von Fatigue sein. Dazu gehören zum Beispiel Hormonstörungen – etwa der Schilddrüse oder der Nebennieren – oder auch eine Zuckerkrankheit, die als Folge einer Kortisonbehandlung auftreten kann. Diese sogenannten organischen Ursachen eines Fatigue-Syndroms können in der Regel medikamentös behandelt werden.

Therapie bei Fatigue durch Krebserkrankung oder Medikamente

Darüber hinaus kann die Krebserkrankung selbst beziehungsweise deren Behandlung zu Mangelernährung und Muskelschwäche führen. Auch dies können Ursachen für Fatigue sein, die sich jedoch gezielt und erfolgreich behandeln lassen. Ihr Arzt wird Ihnen Einzelheiten dazu erläutern. Letztendlich können auch Medikamente selbst – zum Beispiel Schmerzmittel – Müdigkeit und Abgeschlagenheit hervorrufen und eine bestehende Fatigue verstärken. In diesen Fällen kann Ihr Arzt ebenfalls helfen.

Hinweis: Lässt sich keine der zuvor genannten bekannten Ursachen für das Fatigue-Syndrom eindeutig feststellen, muss sich die Behandlung danach richten, in welchem Bereich Ihres täglichen Lebens Sie sich am meisten beeinträchtigt fühlen: in Ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit, in Ihrem seelischen Befinden oder in Ihrer geistigen Leistungsfähigkeit. Häufig ist allerdings nicht nur ein einziger Bereich betroffen, sondern die drei sind miteinander kombiniert.

Seelisches Befinden verbessern

Im gefühlsmäßigen Bereich wirkt sich Fatigue besonders auf Stimmung, Motivation und Antrieb negativ aus. Es hat sich gezeigt, dass sich diese Stimmungen nicht mit entsprechenden Medikamenten (Antidepressiva) behandeln lassen. Antidepressiva dürfen nur eingesetzt werden, wenn eine Depression gesichert ist. Bei der tumorbedingten Erschöpfung sind sie wirkungslos.

Zuvor sollten auf jeden Fall andere Behandlungsansätze erprobt worden sein. Dazu gehören vor allem psychotherapeutische Verfahren, die das seelische Empfinden positiv beeinflussen. In Einzel- oder Gruppengesprächen wird versucht, Verhaltens- und Erlebensmuster so zu verändern, dass Fatigue vermindert und nicht noch zusätzlich verstärkt wird.

Hinweis: Betroffene mit einem Fatigue-Syndrom sollten auf jeden Fall qualifizierte professionelle Therapeuten in Anspruch nehmen, die auch mit dem speziellen Krankheitsbild von Fatigue bei Krebs vertraut sind.

Denn tumorbedingte Fatigue darf nicht mit dem Chronic Fatigue Syndrome (CFS) verwechselt werden, für das andere Ursachen angenommen werden und das dementsprechend anders behandelt wird.

Geistige Leistungsfähigkeit steigern

Wirkt sich Fatigue bei Ihnen besonders auf Ihre geistige Leistungsfähigkeit aus, dann beeinflusst das vor allem Ihre Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit: dass Sie beispielsweise einen Zeitungstext lesen, verstehen und eine angemessene Zeit lang im Gedächtnis behalten oder auch einer Fernsehsendung über die gesamte Zeit folgen können. Auch diese Beeinträchtigungen können einzeln oder kombiniert auftreten.

Es gibt noch keine gesicherten Behandlungsansätze oder ausreichenden Studienergebnisse, wie sich diese Auswirkungen von Fatigue behandeln lassen. Spezielle Medikamente gegen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen (Psychostimulantien, zum Beispiel Methylphenidat) werden erprobt. Zurzeit darf eine solche Behandlung des Fatigue-Syndroms aber nur im Rahmen wissenschaftlicher Studien erfolgen und kann nicht allgemein empfohlen werden.

Inwieweit sich die geistige Leistungsfähigkeit durch verhaltenstherapeutische Behandlungsprogramme steigern lässt, bleibt ebenfalls abzuwarten. Die ersten Ergebnisse von Studien deuten darauf hin, dass Langzeitfatigue sich möglicherweise wirksam damit behandeln lassen könnte.

Bewegung und Sport bei Fatigue

Lange hielt man die Kombination Bewegung und Sport bei Krebs (PDF) für risikoreich. Inzwischen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Bewegung und Sport den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, zu viel Ruhe dagegen zu Folgeerkrankungen führt: Sie schwächt zum Beispiel den gesamten Bewegungsapparat und das Herz-Kreislauf-System und schadet somit mehr, als sie nützt.

Die Behandlung einer Krebserkrankung dauert oft Wochen oder sogar Monate, und häufig bewegt sich der Betroffene kaum oder gar nicht. Die Folge: Sein Zustand verschlechtert sich weiter.

Die Folgen von Bewegungsmangel

Auch wenn Beispiele oft hinken – lassen Sie uns Ihre Energie mit Geld vergleichen: Wenn Sie für jeden Tag nur fünf Euro haben, aber regelmäßig sieben Euro ausgeben, werden Sie sich irgendwann hoffnungslos verschuldet haben. Mehr noch: Sie überziehen Ihr Konto nicht nur jeden Tag um zwei Euro, Sie müssen für das geliehene Geld auch noch Zinsen bezahlen, und Ihr Finanzloch wird immer größer. Ähnlich verhält es sich mit der Energie.

Wenn Sie zu aktiv sind, zu viel unternehmen und sich an einem Tag vollständig verausgaben, zahlen Sie am nächsten Tag mit Zinsen zurück: Sie sind so erschöpft, dass Sie gar nichts mehr machen können. Haushalten Sie jedoch mit dem Geld und legen sich immer ein bisschen zur Seite, dann können Sie sich irgendwann eine größere Anschaffung leisten. Und genau hier hört die Parallele zur Energie auf, denn Kraft lässt sich nicht auf einem Konto ansparen.

Wenn Sie sich einen oder mehrere Tage vollständige Ruhe gönnen, können Sie nicht darauf hoffen, dass die gesparte Kraft Ihre Energiemenge für die folgenden Tage erhöht. Ganz im Gegenteil: Die unterforderte Struktur (zum Beispiel Muskelfasern) wird sich abbauen.

Hinweis: Das bedeutet: Je weniger Sie verrichten, desto mehr wird Ihre Kraft abnehmen. Dann können Sie noch weniger erledigen, Ihre Reserven nehmen noch mehr ab und so weiter. Ein Teufelskreis!

Die Folge dieses Teufelskreises: Der Betroffene nimmt immer weniger am Familienleben teil, und auch berufliche und soziale Kontakte gehen nach und nach verloren.

Körperliches Training unter medizinischer Kontrolle

Eine Bewegungstherapie sollte für jeden Betroffenen maßgeschneidert sein und schon während der akuten Behandlungsphase beginnen, unabhängig davon, ob diese stationär oder ambulant stattfindet. In der Rehaklinik wird sie dann fortgeführt und kann vermehrt sportliche Elemente beinhalten. Dabei trainieren Sie unter medizinischer Kontrolle dauerhaft und gleichmäßig gerade so viel, dass Sie Ihren Körper nicht überbeanspruchen.

Wenn Sie wieder zu Hause sind, können diese Elemente als regelmäßige Bewegung in den Alltag eingebaut werden. Dafür bieten sich spezielle Gruppen im Sportverein im Rahmen des Rehabilitationssports an; Sie können sich natürlich auch für ein individuelles Training entscheiden.

Was können Sie mit Bewegung und Sport erreichen?

Sport tut dem Menschen gut. Das gilt auch für Krebsbetroffene und besonders für die diejenigen, die an chronischer Erschöpfung leiden. Die positiven Einflüsse von Bewegung wirken sich auf das körperliche, seelische und soziale Befinden aus. Die Liste, wie sich Bewegung im Verlauf und nach einer Krebserkrankung auswirkt, ist mittlerweile lang.

Was können Sie mit Bewegung und Sport für den Körper erreichen?

  • Das Herz-Kreislauf-System verbessern
  • Die allgemeine Fitness verbessern
  • Die Beweglichkeit fördern und verbessern
  • Alltagsbewegungen und die Fähigkeit, sich fortzubewegen, fördern
  • Beweglichkeit und Gewandtheit verfeinern
  • Die Körperzusammensetzung verändern (weniger Fett- / mehr Muskelanteil)
  • Bei Bedarf Übergewicht verringern
  • Die Merk- und Gedächtnisfähigkeit verbessern

Was können Sie mit Bewegung und Sport für die Seele erreichen?

  • Den eigenen Körper neu oder wieder kennenlernen
  • Den eigenen (veränderten) Körper annehmen
  • Situationen mit niedergeschlagener Stimmung verringern
  • Angst und Stress abbauen
  • Die Schlafqualität verbessern
  • Selbstvertrauen in sich und den eigenen Körper aufbauen
  • Mut machen, wieder unter Menschen zu gehen
  • Einen eigenen Beitrag zur Genesung leisten
  • Die Lebensqualität verbessern

Was können Sie mit Bewegung und Sport auf sozialer Ebene erreichen?

  • Den Kontakt zu anderen fördern
  • Die Lust, etwas zu tun (Motivation), verbessern
  • Erfahrungen und Informationen mit anderen austauschen
  • Soziale Abgeschiedenheit abbauen
  • Kommunikation fördern
  • Spaß und Freude erleben
  • Gruppenzusammengehörigkeit erleben

Tipp: Bevor Sie mit Ihrem Sportprogramm anfangen, empfehlen wir Ihnen, sich untersuchen zu lassen, damit Sie wissen, wie Ihre augenblickliche körperliche Leistungsfähigkeit und Ihre Sporttauglichkeit aussehen.

Möglicherweise lassen sich aus den Ergebnissen schon individuelle Trainingsempfehlungen ableiten. Grundsätzlich sollen Bewegung und Sport Ausdauer, Kraft, Koordination und Beweglichkeit verbessern.

 

Was ist das richtige Training bei Fatigue?

Hinweis: Spezielle Programme, um Fatigue zu behandeln, gibt es derzeit nicht. Ihr Bewegungsprogramm muss sich nach Ihrem persönlichen Leistungsstand richten: Sind Sie zum Beispiel sehr wenig leistungsfähig, sind zunächst Übungen mit geringer Intensität zu empfehlen, etwa zur Mobilisierung. Im Laufe der Zeit können Sie Ihr Trainingsprogramm erweitern.

Für ein Ausdauertraining werden drei bis fünf Trainingseinheiten pro Woche empfohlen, die je nach Intensität zwischen 15 und 30 Minuten dauern können. Wenn Sie das nicht schaffen, ist natürlich auch eine kürzere Zeit möglich. Zusätzlich kann ein sanftes Krafttraining dazu beitragen, dass Sie durch die Krankheit nicht so viel Muskelmasse verlieren.

Körperliche Aktivitäten beeinflussen darüber hinaus auch das Gesamtbefinden und die subjektive Lebensqualität positiv. Bewegung ist zudem ein wichtiger Therapieansatz bei Depression und Schmerzen. Über die Deutsche Fatigue Gesellschaft können Sie ein Trainingstagebuch – Fitness trotz Fatigue bestellen.

Jeder Krebsbetroffene hat das Anrecht auf Rehabilitationssport. Die Krankenkassen unterstützen die Teilnahme an einer Rehasportgruppe für 18 Monate. Jedem betroffenen Kassenpatienten stehen 50 Übungsstunden (mindestens jeweils 45 Minuten) Rehabilitationssport in einem vom Landessportbund oder vom Behindertensportverband zertifizierten Sportverein zu.

Ratgeber: Bewegung und Sport bei Krebs

Weitere Informationen Bewegung und Sport bei Krebs

Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es in der Broschüre „Bewegung und Sport bei Krebs – Die blauen Ratgeber 48“.

ZUM RATGEBER

Fatigue und Beruf

Je nachdem, wie stark Sie von der Fatigue betroffen sind, kann dies Ihre allgemeine Lebensqualität beeinträchtigen und sich ebenso auf Ihren Beruf auswirken. Wie können Sie den Einstieg wieder schaffen?

Wenn Sie wieder berufstätig sein möchten, können sich Probleme ergeben, weil Sie körperlich (noch) nicht so leistungsfähig sind. Sie können aber auch im sogenannten kognitiven Bereich beeinträchtigt sein; das bedeutet dann meist, dass Sie sich nicht so stark und lange auf eine Sache konzentrieren können, dass Sie sich Dinge schlechter merken können und Ihr Denken auch insgesamt langsamer ist. Diese Einschränkungen erschweren und verzögern Ihren beruflichen Wiedereinstieg, da Sie sich sehr häufig nicht in der Lage sehen werden, Ihre Arbeit in vollem Umfang wieder zu schaffen.

Rehabilitation bei Fatigue

Eine Rehabilitation kann Betroffenen mit Fatigue helfen, wieder berufstätig zu sein. Leider wird aber Fatigue als eigenständige Diagnose oder als gesondertes Symptom bisher noch nicht bei der sozialmedizinischen Begutachtung der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt, auch wenn das tumorbedingte Fatigue-Syndrom heute zunehmend beachtet wird. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass Betroffene Probleme haben, Genehmigungen zum Beispiel für Kuren oder andere Rehabilitationsmaßnahmen zu bekommen. Sprechen Sie darüber ausführlich mit Ihrem Arzt, den Rehabilitationsberatern, den Psychologen des Arbeitsamtes oder Ihrer Rentenversicherung. Auch die Hauptfürsorgestelle kann Sie beraten.

In diesem Zusammenhang ist sehr wichtig, dass Sie alle Probleme, die Sie aufgrund des Fatigue-Syndroms haben, genau abklären. Dazu können zum Beispiel die Verarbeitung Ihrer Erkrankung gehören, verminderte geistige Fähigkeiten sowie die verschiedenen körperlichen Beeinträchtigungen. Denn alle Beschwerden beeinflussen sich gegenseitig und wirken sich wiederum auf die Fatigue-Problematik aus.

Liegt ein ärztliches Gutachten vor, das besagt, dass Sie durch die Fatigue in ihrer Erwerbsfähigkeit erheblich gefährdet oder gemindert sind, und beziehen Sie noch Krankengeld, kann Ihnen die Krankenkasse eine Frist von zehn Wochen setzen, innerhalb derer Sie einen Antrag auf Maßnahmen zur Rehabilitation stellen müssen. Das gilt auch, wenn Sie die Voraussetzung für den Rentenbezug erfüllen.

Wichtig: Stellen Sie innerhalb dieser Zeit den Antrag nicht, entfällt der Anspruch auf Krankengeld mit Ablauf der Frist. Dadurch wird sichergestellt, dass rechtzeitig Rehabilitationsmaßnahmen beziehungsweise Rentenantragsverfahren eingeleitet werden.

In der Rehabilitation gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten, um genau festzustellen, in welchen Bereichen Sie Unterstützung benötigen. Daraus lässt sich ein auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittener Rehabilitationsplan erstellen, damit Ihre berufliche Wiedereingliederung gelingen kann.

Weitere Informationen erhalten Sie im Text „Rehabilitation".

Berufliche Wiedereingliederung

Für viele Betroffene mit Fatigue ist es wichtig, möglichst bald wieder berufstätig sein zu können. Hier können Sie Unterstützung durch die sogenannten Leitungsten zur Teilhabe am Arbeitsleben erhalten. Mehr Informationen zum Hamburger Modell für die berufliche Wiedereingliederung oder Möglichkeiten zur Umschulung erhalten Sie im Text „Sozialleistungen bei Krebs“.

Wichtig: Überfordern Sie sich nicht beim Wiedereinstieg in den Beruf, damit Sie von diesem Schritt nicht enttäuscht sind. Lassen Sie es langsam angehen, achten Sie auf die Signale, die Ihr Körper Ihnen gibt, und freuen Sie sich über jeden kleinen Erfolg.

Ein erheblicher Teil der Krebsbetroffenen im berufsfähigen Alter schafft den Wiedereinstieg. Dennoch kann es trotz aller Bemühungen sein, dass Sie den Anforderungen des Berufslebens nicht mehr gewachsen sind. Dann sieht unser Sozialsystem verschiedene Möglichkeiten vor, wie es für Sie – auch finanziell – weitergehen kann. Eine dieser finanziellen Unterstützungen ist die Erwerbsminderungsrente.

Tipp: Informieren Sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten und Angebote, die es gibt. Dann fällt es Ihnen leichter, Ihre Zukunft zu planen und zu gestalten. Nehmen Sie die Hilfen, die Ihnen angeboten werden, in Anspruch.

Dazu gehören auch verschiedene finanzielle Unterstützungen.

Weitere Informationen Sozialleistungen bei Krebs

Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es im blauen Ratgeber „Sozialleistungen bei Krebs“.

ZUM RATGEBER

Fatigue im täglichen Leben

Für die meisten Betroffenen mit Fatigue ist es schwierig, ihre Erschöpfung, ihren Mangel an Kraft für sich und andere begreifbar zu machen. Wir möchten Ihnen mit Tipps für den Alltag dabei helfen.

Wichtig: So unterschiedlich die Beeinträchtigungen sind, die jeder von Fatigue Betroffene erlebt, so unterschiedlich muss auch die Behandlung ausfallen. Beraten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, was Ihnen am besten helfen kann.

Entwickeln Sie zudem eine Tages- und Wochengestaltung, die Sie bewältigen können, und beziehen Sie dabei auch Ihre Angehörigen und Freunde ein.

Da es keine Maßeinheit zum Abwägen der Kraft gibt, die Sie für Ihre alltäglichen Aufgaben haben, wird es Ihnen oft schwerfallen, anderen den Grad Ihrer Erschöpfung zu vermitteln. Und Angehörige können sich nur schwer in Ihren Zustand hineinversetzen.

Zum Vergleich, wie sich das Fatigue-Syndrom auf das tägliche Leben auswirken kann und was Sie dagegen unternehmen können, kommen wir noch einmal auf den Vergleich von Energie mit Geld zurück.

Mit der Energie haushalten

Lassen Sie uns die Kraft, die Ihnen für einen Tag zur Verfügung steht, mit einer bestimmten Summe Geldes gleichsetzen. Nehmen Sie an, Sie haben pro Tag zehn Euro für Ihren täglichen Bedarf. Damit bezahlen Sie Lebensmittel, Getränke, Kosmetika, Zeitungen, Kleidung, einen Kinobesuch – kurz alles, was Sie benötigen. Nun schrumpft die Summe, die Sie täglich ausgeben können, auf fünf Euro. Damit können Sie selbstverständlich deutlich weniger kaufen oder mit anderen Worten: Sie müssen sparen und auf Dinge verzichten, die Sie nicht unbedingt brauchen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit Ihrer Energie: Sie benötigen Ihre Kraft zum Aufräumen, Einkaufen, Kochen, Auto fahren oder Lesen. Aber Sie fahren auch in die Stadt, gehen Essen, ins Theater oder zu einer Sportveranstaltung.

Wenn Sie unter Fatigue leiden, fehlt Ihnen ein erheblicher Teil Ihrer Kraft, und Sie werden zunächst einmal auf diejenigen Tätigkeiten verzichten, die nicht unbedingt erforderlich sind. Dennoch wird es Ihnen immer noch schwerfallen, mit der Ihnen zur Verfügung stehenden Energie selbst die alltäglichsten Aufgaben zu erfüllen. Jeder Handgriff, ja selbst die eigene Körperhygiene ist anstrengend und kann zur Last werden.

Deshalb müssen Sie mit Ihrer Energie genauso haushalten, wie Sie es mit weniger Geld tun. Wie können Sie das schaffen? Finden Sie das richtige Maß zwischen Unter- und Überforderung. Tun Sie weder zu viel noch zu wenig, damit Sie sich weder übermäßig erschöpfen noch Ihre Kondition verringern.

Das richtige Maß finden

Aber wie können Sie das rechte Maß treffen? Wie erkennen Sie, dass Sie mit Ihren Kraftreserven vernünftig haushalten? Die folgenden Hinweise können Ihnen hoffentlich dabei helfen, mit der bei einer Krebserkrankung auftretenden Erschöpfung richtig umzugehen.

Der wichtigste Rat lautet: Hören Sie auf Ihren Körper. Er sagt Ihnen zuverlässig, ob Sie Ihr Energiekonto überzogen haben oder nicht.

Vielleicht führen Sie ein „Energietagebuch“: Schreiben Sie auf, was Sie den Tag über erledigt haben. Am besten legen Sie die Liste an einen zentralen Platz, etwa in die Küche, auf den Esstisch oder ins Wohnzimmer, damit Sie nicht schon durch die Lauferei zur Liste unnötig Energie verbrauchen. Noch besser: Tragen Sie Zettel und Stift bei sich.

Am nächsten Tag bewerten Sie den vorhergehenden. Sind Sie vollständig erschöpft, sind Sie sicherlich über das Ziel hinausgeschossen und haben zu viel gemacht. Ist dies nicht der Fall, versuchen Sie, Ihre Aktivitäten vorsichtig zu steigern, und nähern Sie sich schrittweise dem Maß, das Ihnen guttut, bei dem Sie sich weder vollständig verausgaben noch selbst unterfordern. Sie werden sehen: Auf diese Weise können Sie Ihre Reserven langsam aber stetig steigern.

Tipps für Ihren Alltag mit Fatigue

Tipps für den Tagesablauf

  • Gestalten Sie Ihren Tagesablauf bewusst. Vielleicht überlegen Sie schon abends, was Sie am nächsten Tag erledigen möchten. Das bewahrt vor planlosem Aktionismus.
  • Überlegen Sie dabei, welche Dinge wirklich wichtig sind und welche nicht unbedingt erledigt werden müssen.
  • Teilen Sie Ihre Kraft ein. Achten Sie darauf, dass einer anstrengenden Tätigkeit eine leichtere folgt.
  • Versuchen Sie, Ihre Kräfte bei dem, was Sie tun, zu schonen – bügeln Sie zum Beispiel im Sitzen.
  • Gönnen Sie sich auch tagsüber Ruhepausen. Planen Sie diese Pausen bewusst ein und machen Sie Ihrem Umfeld klar, dass Sie in dieser Zeit nicht gestört werden möchten.
  • Räumen Sie schönen Dingen bewusst Zeit ein. Überlegen Sie, was Ihr Wohlbefinden fördert, und nehmen Sie solche Dinge in Ihren Tagesplan auf. Denken Sie dabei auch daran, was Ihrer Psyche guttut.

Tipps für einen erholsamen Schlaf

  • Sorgen Sie für einen angenehmen und entspannenden Schlaf. Dazu gehören vor allem ein gut belüftetes Schlafzimmer und eine gute Matratze.
  • Gehen Sie beizeiten schlafen.
  • Wenn Sie trotz Ihrer Erschöpfung Probleme beim Einschlafen haben: Gönnen Sie Ihrem Körper vor dem Schlafengehen eine Extraportion Sauerstoff. Wenn Ihnen die Kraft für einen kleinen Spaziergang fehlt, schnappen Sie ein paar Minuten frische Luft am offenen Fenster oder auf dem Balkon.

Ernährungstipps

  • Achten Sie auf Ihre Ernährung. Sorgen Sie vor allem dafür, dass Sie genügend Vitamine bekommen. Wählen Sie Speisen und Getränke, auf die Sie Appetit haben.
  • Wenn Ihr Arzt es gestattet und Sie mögen, regen Sie Ihren Appetit vor dem Essen mit einem Aperitif an.
  • Essen Sie häufiger, aber dafür kleine Portionen.
  • Denken Sie daran: Das Auge isst mit. Decken Sie den Tisch nicht aufwändig, aber hübsch, und machen Sie das Essen zu etwas Besonderem.
  • In Gesellschaft schmeckt es oft besser als allein. Achten Sie allerdings darauf, dass die Unterhaltungen während der Mahlzeiten Sie nicht zu sehr anstrengen.
Informieren - Infothek Guten Appetit

Weitere Informationen Gesunden Appetit!

Ausführliche Informationen zum Thema Ernährung finden Sie auch in der Broschüre „Gesunden Appetit! – Vielseitig essen – Gesund leben“.

ZUM RATGEBER

Seelische Begleitung bei Fatigue

An Krebs erkrankt nicht nur der Körper, auch die Seele kann aus dem Gleichgewicht geraten. Deshalb brauchen Krebsbetroffene seelische Begleitung, damit sie in ihrem Leben mit Krebs wieder Halt finden können.

Viele Betroffene verstummen durch die Krankheit und auch Angehörige und Freunde werden immer wieder einmal vor der Frage stehen: Soll ich ihn auf die Krankheit ansprechen? Soll ich so tun, als wüsste ich nichts? Verletze ich ihn, wenn ich frage? Die Erfahrung vieler Betroffener zeigt, dass es anfangs nicht leicht ist, ein offenes Gespräch miteinander zu führen.

Wichtig: Trotzdem möchten wir Sie und alle, die Sie begleiten, ermutigen: Reden Sie offen und ehrlich miteinander, damit Sie die Ängste gemeinsam überwinden können.

Die Therapie Ihrer Krebserkrankung kann vorübergehende oder bleibende Nebenwirkungen mit sich bringen. Ein heikles Thema ist sicher, wenn die Behandlung Ihr Sexualleben beeinflusst. Dann ist es besonders wichtig, dass Sie mit Ihrem Partner offen darüber reden, wie er diese Veränderung empfindet. Vielleicht wird es einige Zeit dauern, bis Sie beide Ihre Scheu, darüber zu sprechen, überwunden haben, aber dann werden Ihnen die Gespräche darüber guttun. Hilft Ihnen allerdings die Aussprache mit dem Partner nicht weiter oder schaffen Sie es nicht, darüber zu reden, holen Sie sich gemeinsam und vertrauensvoll fachliche Hilfe – etwa bei einer Paarberatungsstelle oder bei einem Psychoonkologen.

Wir möchten Sie ausdrücklich ermutigen, mit erfahrenen Psychoonkologen, Psychotherapeuten oder Seelsorgern zu sprechen. Vielen fällt es Ihnen leichter, einem Fremden alle Sorgen und Nöte zu schildern und dem Rat eines Menschen zu vertrauen, der die Probleme Krebsbetroffener aus seiner Arbeit kennt. Sie brauchen nicht zu befürchten, dass Sie psychisch krank sind, wenn Sie diese Hilfe in Anspruch nehmen. Sie nutzen lediglich die Chance, Ihre Krankheit aktiv zu verarbeiten.

Tipps für das zwischenmenschliche Miteinander

  • Seien Sie Ihren Angehörigen, Verwandten, Freunden und Bekannten, aber auch Ihrem Arzt gegenüber offen. Schildern Sie ihnen die Schwierigkeiten, die Sie haben. Denn Ihr Umfeld kann nur Verständnis für Probleme aufbringen, die es kennt.
  • Sprechen Sie mit anderen Menschen auch über Ihre Gefühle und Ängste. Wenn Sie dies nicht mit Angehörigen oder Freunden tun können oder wollen, nehmen Sie Kontakt zu ebenfalls Betroffenen auf – beispielsweise in Selbsthilfegruppen. Kapseln Sie sich nicht ab.
  • Haben Sie auch ein offenes Ohr für die Schwierigkeiten, die Ihre Familie und Ihre Freunde mit Ihrer Krankheit haben.
  • Denken Sie an die Menschen und Dinge, die Ihnen in der Vergangenheit Kraft und Hoffnung gegeben haben. Versuchen Sie, Ihre Zeit mit diesen Menschen oder Dingen zu verbringen.
  • Nehmen Sie Hilfe an, wenn Sie merken, dass Sie bestimmte Dinge nicht allein erledigen können.
  • Akzeptieren Sie Ihre Grenzen, aber unterfordern Sie sich nicht.
  • Nehmen Sie Ihre Erfolge bewusst wahr, auch wenn es nur in kleinen Schritten vorwärts geht.
  • Berichten Sie Angehörigen und Freunden davon. Das spornt Sie an weiterzumachen, und Ihrer Familie tun Erfolgsmeldungen auch gut.
  • Denken Sie trotz allem positiv an die Zukunft. Lassen Sie sich von kleinen Rückschlägen nicht entmutigen.
  • Wenn sich durch die Behandlung Ihr Aussehen verändert, denken Sie daran: Das Wichtigste an Ihnen ist Ihr inneres Wesen. Die Menschen, die Sie lieben und von denen Sie geliebt werden, wissen das.
  • Ihre Erkrankung verlangt Zeit zu heilen, körperlich und seelisch. Nehmen Sie sich viel Zeit für sich selbst.
  • Wenn Sie mit Ihren psychischen Belastungen nicht allein fertig werden, nehmen Sie die Hilfe eines erfahrenen Psychoonkologen in Anspruch.
Patientenleitlinie: Psychoonkologie

Weitere Informationen Psychoonkologie

Ausführliche Informationen über Angebote und Möglichkeiten der Psychoonkologie enthält die Patientenleitlinie „Psychoonkologie“.

ZUM RATGEBER

Selbsthilfegruppen bei Fatigue

Die meisten Krebskranken trifft die Diagnose völlig überraschend. Die Behandlung und alles, was sich daran anschließt, die Befürchtung, dass das Leben früher als erwartet zu Ende sein könnte, die praktischen, alltäglichen Folgen der Krankheit – all das sind neue, unbekannte Probleme.

Für viele ist dann der Kontakt zu anderen Betroffenen, die sie zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe finden, eine große Hilfe. Denn sie kennen die Probleme aus eigener Erfahrung und können Ihnen mit Rat und Tat helfen.

Sie können bereits während der Behandlungszeit Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufnehmen oder aber erst, wenn Ihre Therapie abgeschlossen ist. Wenn Ihnen Ihr Arzt oder das Pflegepersonal im Krankenhaus bei der Suche nach einer Selbsthilfegruppe nicht helfen kann, wenden Sie sich an das INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe. Ein erheblicher Teil der Krebs-Selbsthilfeverbände hat sich im Haus der Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband e. V. (HKSH) zusammengeschlossen. Auf der Website finden Sie auch eine Übersicht der Mitgliedsverbände und ihre Kontaktadressen.

Auswirkungen von Fatigue auf das soziale Umfeld

Die Erschöpfung durch das Fatigue-Syndrom in ihren unterschiedlichen Ausprägungen ist für den Betroffenen selbst und für seinen Partner, seine Familie und Freunde eine große Herausforderung. Was können Sie tun, um gemeinsam damit fertigzuwerden?

Die Phase der Therapie hat bereits viel Kraft gekostet; Familie und Freunde haben Rücksicht auf den Kranken genommen und ihn so gut wie möglich unterstützt. Deshalb ist es verständlich, wenn jetzt der Wunsch, möglichst wieder in einen normalen Alltag zu finden, an erster Stelle steht. Der Betroffene und auch seine Angehörigen (PDF) sind froh, die Krankheit und Behandlung erst einmal überwunden zu haben, und versuchen jetzt, zu ihren alten Gewohnheiten zurückzukehren.

Aber die Fatigue, das heißt die Erschöpfung in ihrer chronischen Form – ein für die meisten Menschen unbekanntes Phänomen – erschwert eben diesen Prozess der Rückkehr in die Normalität. Partner und Freunde müssen erkennen, dass sich gemeinsame Aktivitäten gerade jetzt nicht einfach umsetzen lassen, weil dem Erkrankten die Energie fehlt.

Vielleicht hat sich durch die Krankheit sogar die bisherige Rollenverteilung innerhalb der Familie verändert. Die massive Lebensbedrohung kann die Partnerschaft und die Beziehungen neu definieren und dazu führen, dass sich die sozialen Strukturen verändern. Freunde bewähren sich in dieser Krise oder ziehen sich zurück, weil die neue Situation sie überfordert. Eine solche Reaktion von vertrauten Bezugspersonen ist für die Betroffenen selbst natürlich eine Enttäuschung; allerdings werden immer wieder Enttäuschungen und Rückschläge zu den allmählichen Veränderungen im persönlichen und sozialen Leben gehören, die Betroffene früher oder später erleben.

Wichtig für den Umgang miteinander ist es, dass alle Beteiligten offen über die Einschränkungen sprechen, die die Fatigue mit sich bringt. Äußern Sie als Betroffener ihre eigenen Bedürfnisse und Erwartungen gegenüber dem Partner, den Angehörigen oder den Freunden. Erklären Sie ebenso, wie und wo Sie sich eingeschränkt fühlen. Je offener Sie miteinander umgehen, desto leichter lassen sich Missverständnisse vermeiden und desto besser können Sie die Belastungen gemeinsam bewältigen.

Ihr Energietagebuch

Schreiben Sie über den Tag hinweg auf, was Sie erledigt haben. Vergessen Sie dabei nicht, auch Ihre Pausen zu notieren.

Bewerten Sie die Energie, die Sie die Erledigung jeder Aufgabe gekostet hat, mit einer Zahl zwischen 1 und 10:

  • 1 = sehr wenig Energie
  • 10 = sehr viel Energie, an der Grenze des Machbaren

Danach bewerten Sie, wie erschöpft Sie sich nach dieser Tätigkeit gefühlt haben:

  • 1 = so gut wie gar nicht erschöpft
  • 10 = vollkommen erschöpft

Das Energietagebuch wird Ihnen dabei helfen, Ihre Aktivitäten im richtigen Maß zusammenzustellen und vorsichtig zu steigern. Am besten tragen Sie die Liste und einen Stift eine Zeitlang immer bei sich. Laden Sie sich dazu die Vorlage des Energietagebuchs herunter und drucken Sie es aus.

Blauer Ratgeber Fatigue Chronische Müdigkeit bei Krebs

Die Blauen Ratgeber Fatigue – Chronische Müdigkeit bei Krebs

Unseren blauen Ratgeber Fatigue können Sie auch als PDF herunterladen oder kostenfrei als Broschüre zu sich nach Hause bestellen.

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Weitere Informationen

Letzte Aktualisierung

  • Wissenschaftliche Überarbeitung Juli 2021

Text und Redaktion

  • Dr. Désirée Maßberg, Stiftung Deutsche Krebshilfe
  • Sandra von dem Hagen, Stiftung Deutsche Krebshilfe

Fachliche Beratung

Dr. Jens-Ulrich Rüffer
Deutsche Fatigue Gesellschaft e.V.
Maria-Hilf-Str. 15
50677 Köln

Prof. Dr. Jutta Hübner
Universitätsklinikum Jena
Klinik für Innere Medizin II
Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie
Am Klinkum 1
07747 Jena

Dr. Thorsten Schmidt, M.A.
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Kiel
Universitäres Cancer Center Schleswig-Holstein
Leiter Supportivangebote Sport- und Bewegungstherapie
Arnold-Heller-Straße 3, Haus 24
24105 Kiel

Quellen

Zur Erstellung dieser Broschüre wurden die nachstehend aufgeführten Informationsquellen herangezogen:

  • Whooley MA, Avins AL, Miranda J, Browner WS: Case-finding instruments for depression. Two questions are as good as many. In: J Gen Intern Med. Band 12, Nr. 7, 1997, S. 439–445.
  • Wagner LI, Cella D.: Fatigue and cancer: causes, prevalence and treatment approaches. Br J Cancer. 2004 Aug 31;91(5):822-8.
  • Rüffer JU, Flechtner H , Josting A et al.: Fatigue in Patients with Hodgkin‘s Disease: A report from the GHSG. Eur J Cancer 39 (2003) 2179
  • Kreissl S et al.: Cancer-related fatigue in patients with and survivors of Hodgkin‘s lymphoma: a longitudinal study of the German Hodgkin Study Group. Lancet Oncol. 2016 Oct;17(10):1453-1462.
  • Weis J, Wirtz MA, Tomaszewski KA, Hammerlid E, et al.: Sensitivity to change of the EORTC quality of life module measuring cancer-related fatigue: Results from the international psychometric validation. Psychooncology. 2019 Aug;28(8):1753-1761. doi: 10.1002/pon.5151. Epub 2019 Jul 9.
  • Mustian KM et al.: Comparison of Pharmaceutical, Psychological, and Exercise Treatments for Cancer-Related Fatigue: A Meta-analysis. JAMA Oncol. 2017 Jul 1;3(7):961-968. doi: 10.1001/jamaoncol.2016.6914.
  • Juvet LK, Thune I, Elvsaas et al.: The effect of exercise on fatigue and physical functioning in breast cancer patients during and after treatment and at 6 months follow-up: A meta-analysis. Breast. 2017 Jun;33:166-177. doi: 10.1016/j.breast.2017.04.003. Epub 2017 Apr 14.

Benötigen Sie Hilfe?

Das INFONETZ KREBS steht Betroffenen nach einer Krebsdiagnose bei! Eine persönliche, kostenfreie Krebsberatung erhalten Sie montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0800 / 80 70 88 77 oder per E-Mail: krebshilfe@infonetz-krebs.de.