Brustkrebs (Mammakarzinom)
Jedes Jahr erkranken laut Robert Koch-Institut 75.090 Frauen an Brustkrebs. Damit ist das Mammakarzinom die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Frauen, auch jüngere Frauen sind betroffen. Der Gesetzgeber bietet Frauen kostenlose Krebsfrüherkennungsuntersuchungen für Brustkrebs an.
Hilfe für Sie
Das INFONETZ KREBS steht Betroffenen nach einer Krebsdiagnose bei! Eine persönliche, kostenfreie Krebsberatung erhalten Sie montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0800 / 80 70 88 77 oder per E-Mail: krebshilfe@infonetz-krebs.de.

Ursachen von Brustkrebs (Mammakarzinom)
Warum eine Frau an Brustkrebs erkrankt, ist nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber einige Faktoren nachweisen können, die das Erkrankungsrisiko für ein Mammakarzinom erhöhen. Dazu gehören beispielsweise Übergewicht, zu wenig Bewegung, der übermäßige Konsum von Tabak und Alkohol, eine Behandlung mit bestimmten Hormonersatztherapien und eine familiäre Vorbelastung.
Krebs ist der Überbegriff für bösartige Gewebeneubildungen (Tumoren), die aus entarteten Zellverbänden entstehen. Diese Veränderungen entstehen am Erbgut der Zelle und sind der entscheidende Schritt von einer normalen Zelle zu einer bösartigen Tumorzelle. Eine so entstandene Tumorzelle vermehrt sich dann ungehindert, bis schließlich viele Millionen Zellen eine Geschwulst bilden. Schreitet die Erkrankung weiter fort, können Tumorzellen auch in benachbarte Gewebe und Organe einwachsen und Tochtergeschwülste (Metastasen) an anderen Stellen des Körpers bilden.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland 177,7 von 100.000 Frauen und 1,9 von 100.000 Männern an Brustkrebs. Mit 75.090 Neuerkrankungen insgesamt ist Brustkrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter beim Mammakarzinom liegt für Frauen bei 65 Jahren und für Männer bei 71 Jahren.
Übrigens: Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Da für Männer die Vorstellung, an Brustkrebs erkrankt zu sein, nicht naheliegend ist, werden Brustkrebs-Symptome häufig falsch eingeschätzt und die Krankheit wird deshalb oft erst relativ spät erkannt.
Besonders gefährdet sind Männer aus familiär vorbelasteten Familien. Im Vergleich zu der Zahl der betroffenen Frauen sind die Erkrankungszahlen zwar sehr gering, aber nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts erkranken jährlich etwa 770 Männer neu daran.
Aufbau und Funktion der weiblichen Brust
Die weibliche Brust ist für viele vor allem ein Symbol der Weiblichkeit. Rein anatomisch gehört sie zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen und produziert nach der Geburt eines Kindes Muttermilch zur Ernährung des Neugeborenen. Wie funktioniert dieses Organ? Wie ist es aufgebaut?
Aussehen, Größe und Beschaffenheit der Brust sind bei Frauen sehr unterschiedlich. Sie besteht aus dem Brustgewebe, aus der Brustwarze (Mamille) mit dem Warzenhof (Areola) und aus Talgdrüsen (Montgomery-Drüsen), die manchmal wie Pickel aussehen.

Lage und Umgebung der weiblichen Brust
Die gesunde Brust einer erwachsenen Frau besteht zum größten Teil aus Fett- und Drüsengewebe. Ihre Hauptaufgabe ist es, nach der Geburt eines Kindes Muttermilch zu produzieren, um das Baby zu ernähren. Dafür gibt es in der Brust ein ganzes System von Zellen, das vom Aufbau her an ein Bündel Trauben erinnert. Die milchausscheidenden Drüsenläppchen (Lobuli) wären dabei die Trauben, die gruppenweise vorhanden sind. Die tragenden Zweige sind die sogenannten Milchgänge (Ductuli), die Milch von den Drüsen zur Brustwarze transportieren. Drüsen und Milchgänge sind von Fettgewebe umgeben. Die Menge an Fettgewebe bestimmt, wie groß die Brust ist, und ist von Frau zu Frau verschieden. Mit zunehmendem Alter verändert sich die Größe.
Die Brust liegt auf dem großen Brustmuskel (Musculus pectoralis major), der vom Brust- und Schlüsselbein bis zu den Schulterknochen reicht.

Aufbau der weiblichen Brust
Veränderungen in der Brust
Zahlreiche Blutgefäße versorgen das Brustgewebe mit Hormonen und Nährstoffen. Während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft und sexueller Erregung sind diese Gefäße prall gefüllt. Die Veränderungen während des monatlichen Zyklus hängen mit wechselnden Hormonspiegeln zusammen. Östrogen und später auch Gestagen sorgen dafür, dass die Brust vermehrt Wasser einlagert, stärker durchblutet ist und sich dadurch etwas verfestigt. Die Brustdrüsen schwellen dabei an und vermehren die Zahl ihrer Zellen. Durch diese Veränderungen bereitet sich der Körper auf eine eventuelle Schwangerschaft und die dann folgende Milchproduktion vor. Wird die Frau aber nicht schwanger, bildet sich die Brust in ihren Ausgangszustand zurück.
Knoten in der Brust
Im Laufe der Jahre können die Brüste durch diese Veränderungen knotig werden. Diese Knoten in der Brust bestehen aus Bindegewebe und kleinen Zysten, daher werden sie auch als fibrozystische Brustveränderungen (fibrozystische Mastopathie) bezeichnet. Kurz vor der Monatsblutung sind die Knoten in der Brust am stärksten ausgeprägt, und viele Frauen haben dann in der Brust ein erhebliches Spannungsgefühl. Die Veränderungen verschwinden meist mit Eintritt der Wechseljahre.
Lymphknoten als Filterstationen
Kleine Gefäße (Lymphbahnen) zwischen den Lymphknoten transportieren das Gewebewasser aus der Brust ab. Diese Lymphbahnen verlaufen zwischen Brustwarzen und Schultern und führen zu den Lymphknoten in der Achselhöhle sowie zwischen den beiden Brustwarzen. Letztere gehen zu den Lymphknoten an den Seiten des Brustbeins, die unter den Rippen liegen.
Lymphbahnen und -knoten bilden zusammen das lymphatische System, das ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems unseres Körpers ist. Die Lymphknoten enthalten einen besonders hohen Anteil von weißen Blutkörperchen und filtern körperfremde Substanzen und Organismen wie Bakterien, Viren und Tumorzellen heraus.
Risikofaktoren für Brustkrebs
Einige Risikofaktoren für Brustkrebs sind bereits bekannt: zum Beispiel die Einnahme der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron, die als Verhütungsmittel oder zur Hormonersatztherapie eingesetzt werden und die Entstehung eines Mammakarzinoms langfristig begünstigen können.
Aber auch viele weitere Risikofaktoren wie z. B. individuelle Lebensstilfaktoren und Umwelteinflüsse (beispielsweise Luftverschmutzung) können die Entstehung von Brustkrebs beeinflussen.
Risikofaktoren für Brustkrebs bei Männern
Die Risikofaktoren für Brustkrebs beim Mann sind genauso vielfältig wie bei Frauen: Es gibt das allgemeine Altersrisiko; weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, zu wenig Bewegung und Alkoholkonsum. Hormonelle Einflüsse, genauer ein deutlich erhöhter Östrogenspiegel, der besonders bei Männern mit starkem Übergewicht vorliegen kann, scheinen auch eine Rolle zu spielen. Inwieweit Hormone, die Bodybuilder einnehmen, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, das Brustkrebsrisiko erhöhen, ist noch unklar.
Besonders aufmerksam sollten Männer aus einer Familie mit erblichem Brustkrebsrisiko sein.
Ernährung und Übergewicht
Darunter fällt zum Beispiel was Sie essen, wie viel Sie essen und wie Sie die Nahrung zubereiten. Experten sprechen vom sogenannten Ernährungsmuster. Kritisch wird hier vor allem der Verzehr von Fleischwaren, also etwa von Wurst und Schinken, gesehen. Gut ist dagegen eine Ernährung mit viel Ballaststoffen; sie sind in (Vollkorn-)Getreideprodukten oder Hülsenfrüchten enthalten, in geringerem Umfang auch in Gemüse und Obst. Übergewicht und zu wenig Bewegung – besonders nach den Wechseljahren – erhöhen das Risiko für Brustkrebs ebenfalls.
Alkohol
Alkohol ist ein weiterer Risikofaktor für Brustkrebs: Je mehr Alkohol eine Frau trinkt, desto mehr steigt ihr Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken. Experten empfehlen daher, grundsätzlich wenig beziehungsweise gar keinen und nicht täglich Alkohol zu trinken. Ursache für die krebsfördernde Wirkung ist vermutlich das Acetaldehyd, eine durch den Stoffwechsel entstandene und nachweislich krebserzeugende (kanzerogene) Verbindung aus dem reinen Alkohol, dem Äthanol.
Für die krebserzeugende Wirkung ist aber vermutlich nicht nur der Alkohol selbst verantwortlich. Er beeinflusst außerdem auch den weiblichen Hormonhaushalt und führt zu erhöhten Östrogenspiegeln.
Was sind weitere Risikofaktoren für Brustkrebs?
Auch Rauchen, ein dichtes Brustgewebe, hormonelles Ungleichgewicht beziehungsweise bestimmte Hormontherapien und Bestrahlungen des Brustkorbes in der Kindheit sind weitere Risikofaktoren für Brustkrebs. Ob eine Frau Kinder bekommen hat und wie viele, ob und wie lang diese gestillt wurden und wann eine Frau die erste und letzte Menstruation hatte, all das spielt ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung eines Mammakarzinoms.
Für Sie besteht ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken
- Wenn Sie älter als 50 Jahre sind (allgemeines Altersrisiko: Im Alter steigt das Risiko an Krebs zu erkranken)
- Wenn nahe Verwandte (Mutter / Schwestern) bereits Brustkrebs hatten (familiäre Vorbelastung)
- Wenn Sie selbst schon früher an Brustkrebs erkrankt waren
- Wenn Sie eine bestimmte Art der Veränderung des Drüsengewebes haben (atypisch proliferierende Mastopathie). Dies ist anzunehmen, wenn
- Beim Abtasten eine besonders knotige Brustdrüsenveränderung festgestellt wurde
- In der Mammographie zahlreiche Mikroverkalkungen gefunden worden sind oder
- Eine operative Gewebeprobe mikroskopische Zeichen für ein erhöhtes Entartungsrisiko ergeben hat
- Wenn Sie mit einer Hormontherapie behandelt werden / wurden oder Sie hormonelle Verhütungsmittel einnehmen / eingenommen haben.
- Wenn Sie nach den Wechseljahren übergewichtig sind und sich zu wenig bewegen
- Wenn Sie Alkohol trinken. Alkohol kann den Östrogenspiegel erhöhen. Dadurch steigt das Brustkrebsrisiko – und das bereits bei geringem Konsum.
- Wenn Sie aktiv oder passiv rauchen
Erbliche Vorbelastung
In wenigen Fällen kann eine erbliche Belastung für Brustkrebs vorliegen. Frauen, auf die das zutrifft, haben ein deutlich höheres Risiko an einem Mammakarzinom zu erkranken; sie sind jünger, wenn die Krankheit ausbricht, und / oder es sind mehrere Familienmitglieder betroffen. Etwa fünf bis zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen liegt eine solche erbliche Belastung zugrunde.
Wenn es in Ihrer Familie bereits Fälle von Brustkrebs gibt, bleiben Sie ruhig! Es bedeutet nicht, dass auch Sie zwangsläufig erkranken werden. Aber: Ihr persönliches Brustkrebsrisiko könnte erhöht sein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt über die Krebsfrüherkennung informieren und beraten!
Brustkrebs wird auch an männliche Verwandte vererbt.
Wichtig zu wissen: Auch Männer sind gefährdet. Denn Veränderungen (Mutationen) in den Genen BRCA 1 oder BRCA 2 können auch an männliche Verwandte vererbt und von diesen wiederum an ihre Kinder weitergegeben werden. Männer mit verändertem BRCA 1-Gen haben ein leicht erhöhtes Risiko, an Darm- und Prostatakrebs zu erkranken. Bei einer BRCA 2-Mutation besteht zusätzlich ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs.
Deshalb sollten sich in Hochrisikofamilien auch die männlichen Familienmitglieder untersuchen lassen.
Hinweis: Wenn einer oder mehrere dieser Risikofaktoren auf Sie zutreffen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass Sie erkranken werden. Aber Ihr persönliches Risiko ist erhöht. Wenn Sie überlegen, ob Sie an Früherkennungssuchungen für Brustkrebs teilnehmen möchten oder nicht, können Sie dies berücksichtigen.
Früherkennung von Brustkrebs
Die Früherkennung spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Brustkrebs. Damit ist gemeint, dass das Mammakarzinom entdeckt und behandelt wird, bevor es Beschwerden verursacht. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen Frauen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen für Brustkrebs ab 30 Jahren.
Eine gesunde Lebensweise ist die beste Möglichkeit, Krebs und auch anderen Krankheiten vorzubeugen. Besonders wichtig sind dabei Nichtrauchen, regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und wenig bis gar kein Alkohol. Experten schätzen, dass rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden könnten.
Dennoch kann auch eine gesunde Lebensweise nicht garantieren, dass Sie nicht irgendwann einmal erkranken, etwa an Krebs. Je früher eine Krebserkrankung dann entdeckt und behandelt wird, desto größer sind meistens die Heilungschancen.
Krebsfrüherkennungsuntersuchungen haben genau dieses Ziel: Krebserkrankungen möglichst in frühen Stadien ihrer Entwicklung aufzuspüren. Frühe Stadien lassen sich meist erfolgreicher und auch schonender behandeln als späte Stadien, in denen möglicherweise sogar schon Absiedelungen im Körper (Metastasen) entstanden sind.
Dieses Prinzip leuchtet ein. Trotzdem werden Früherkennungsuntersuchungen auch kritisch diskutiert, denn sie haben nicht nur Vorteile. Daher ist es sinnvoll, für jede Untersuchung die Vorteile den Nachteilen gegenüberzustellen und gegeneinander abzuwägen. Am Ende einer solchen Nutzen-Risiko-Abwägung können Sie dann entscheiden, ob Sie an dieser Krebsfrüherkennungsuntersuchung teilnehmen möchten oder nicht. In diesem Kapitel finden Sie die wichtigsten Informationen, die Sie benötigen, um zu Ihrer informierten Entscheidung zu kommen. Ihr Arzt kann Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung ebenfalls unterstützen. Wichtigstes Ziel bei der Früherkennung von Brustkrebs ist es, die Zahl der Todesfälle durch diese Krebsart zu senken. Außerdem können früh entdeckte und daher kleinere Tumoren weniger ausgedehnt (zum Beispiel brusterhaltend) operiert und insgesamt schonender behandelt werden.
Gut zu wissen: Wichtigstes Ziel bei der Früherkennung von Brustkrebs ist es, die Zahl der Todesfälle durch diese Krebsart zu senken. Außerdem können früh entdeckte und daher kleinere Tumoren weniger ausgedehnt (zum Beispiel brusterhaltend) operiert und insgesamt schonender behandelt werden.
Früherkennung erblicher Brustkrebserkrankungen
Experten schätzen, dass etwa fünf bis zehn Prozent aller Betroffenen die Anlage, an Krebs zu erkranken, von Mutter oder Vater geerbt haben. Sie selbst können diese Veranlagung wiederum an ihre Kinder weitergeben. Diese Familien werden als Hochrisikofamilien bezeichnet. Auch Brustkrebs gehört zu den Krebsarten, die in Familien gehäuft vorkommen können.
Bei etwa 30 Prozent aller Frauen mit Brustkrebs und familiärer Vorbelastung ist eine Genmutation nachweisbar. Circa 5 Prozent zeigen eine Mutation in den sogenannten Hochrisikogenen BRCA 1 und BRCA 2 (BReast-CAncer-Gene 1 und 2). Betroffene Frauen haben ein stark erhöhtes Risiko im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs aber auch an Eierstockkrebs zu erkranken. Eine weitere Mutation, die zu den Hochrisikogenen gehört und das Risiko für ein Mammakarzinom erhöht, ist eine Mutation im PALB2-Gen. Darüber hinaus kennt man heute weitere betroffene Gene, die das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, erhöhen wie zum Beispiel ATM, BARD1, CHEK2 oder RAD51D, TP53.
Wer glaubt, zu einer Risikofamilie für Brustkrebs zu gehören, braucht Beratung und Hilfe. Die Deutsche Krebshilfe hat deshalb bereits in den Neunzigerjahren bundesweit durch umfangreiche finanzielle Förderungen die Zentren „Familiärer Brust- und Eierstockkrebs“ auf den Weg gebracht. Heute beraten und betreuen in zahlreichen Zentren interdisziplinäre Ärzteteams und Wissenschaftler die ratsuchenden Familien; sie ermitteln das individuelle Krebsrisiko durch eine interdisziplinäre Beratung und legen es durch gendiagnostische Maßnahmen genauer fest. Bei der gynäkologischen Beratung besprechen sie die verschiedenen vorbeugenden und therapeutischen Möglichkeiten mit den Familienmitgliedern. Dazu gehört bei Bedarf auch eine psychoonkologische Beratung.
Begleitende Forschungsprojekte werten präventive und therapeutische Maßnahmen aus. Diese Forschungsprojekte haben vor allem zum Ziel, geeignete risikoangepasste Präventionsmaßnahmen zu entwickeln und zu überprüfen sowie neue Risikogene zu identifizieren und deren klinisches Erscheinungsbild zu ermitteln.
Die universitären Zentren für Familiären Brust- und Eierstockkrebs arbeiten eng mit regionalen, ausgewiesenen Brust- und Krebszentren zusammen.
Wichtig: Wenn Sie glauben, zu einer Hochrisikofamilie zu gehören, weil Ihre Großmutter, Mutter, Tante und / oder Schwester(n) schon an Brustkrebs erkrankt sind, wenden Sie sich an ein Brustzentrum in Ihrer Nähe. Die Adresse erfahren Sie vom INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe.
Brustkrebs: Symptome
Zu Beginn einer Brustkrebserkrankung sind die Beschwerden so allgemein und uncharakteristisch, dass sie auch eine ganz andere Ursache haben können. Deshalb ist es wichtig, dass Sie bei bestimmten Brustkrebs-Symptomen frühzeitig zu Ihrem Arzt gehen. Er kann untersuchen, woran es liegt – und die nächsten Schritte einleiten.
Wie bei vielen Krebserkrankungen sind die Brustkrebs-Symptome zu Beginn der Erkrankung häufig uncharakteristisch und können auch eine völlig andere Ursache haben. Das erste Hinweiszeichen, dass ein Mammakarzinom vorliegen könnte, ist in der Regel ein Knoten in der Brust. In vielen Fällen ertasten die Frauen diesen sogar selbst.
Allerdings zögern viele Menschen den Besuch beim Arzt aus Angst vor der befürchteten Diagnose hinaus.
Gehen Sie bei diesen Anzeichen von Brustkrebs zu Ihrem Arzt
- Eine Brust hat sich im Umfang, in der Form und in der Lage verändert.
- Die Haut einer Brust hat sich verändert oder es besteht eine unklare Rötung.
- Eine Brust weist Einziehungen oder Vorwölbungen auf.
- Eine Brustwarze zieht sich ein.
- Aus der Brustwarze sondert sich Flüssigkeit ab.
- Sie ertasten in einer Brust, um den Warzenhof oder in den Achselhöhlen Knoten.
- Sie verlieren aus unerklärlichen Gründen an Gewicht.
Diese Warnzeichen können natürlich auch bei anderen gutartigen oder bösartigen Erkrankungen auftreten. Die Ursache für Ihre Beschwerden kann nur ein Arzt feststellen. Wenn dieser einen harmlosen Grund findet, können Sie beruhigt sein. Sollte aber Brustkrebs festgestellt werden, sind die Heilungschancen größer, je früher die Erkrankung erkannt wird.
Brustkrebs: Symptome bei Männern
Die Brustkrebs-Symptome, mit denen sich die Erkrankung beim Mann bemerkbar macht, sind ähnlich wie bei Frauen.
Gehen Sie bei diesen Anzeichen zu Ihrem Arzt
- Sie ertasten in einer Brust, um den Warzenhof oder in den Achselhöhlen Knoten.
- Die Haut einer Brust hat sich verändert oder es besteht eine unklare Rötung.
- Eine Brust weist Einziehungen oder Vorwölbungen auf.
- Eine Brustwarze zieht sich ein.
- Aus der Brustwarze sondert sich Flüssigkeit ab.
- Sie verlieren aus unerklärlichen Gründen an Gewicht.
Diagnose von Brustkrebs
Eine frühzeitige Diagnose von Brustkrebs ist wichtig, denn je früher eine bösartige Erkrankung erkannt wird, desto besser sind in vielen Fällen die Heilungs- und Überlebenschancen. Allerdings haben viele Menschen Angst davor, in eine medizinische Mühle zu geraten, wenn sie den Verdacht haben, dass sie an Krebs erkrankt sein könnten. Deshalb schieben sie den Besuch beim Arzt immer weiter hinaus. So verständlich diese Angst auch ist: Es ist wichtig, dass Sie möglichst bald zum Arzt gehen.
Die Untersuchungen im Rahmen der Diagnose von Brustkrebs sollen folgende Fragen klären
- Haben Sie wirklich einen Tumor?
- Ist dieser gut- oder bösartig?
- Wenn es ein bösartiger Tumor ist: Welche Krebsart ist es genau?
- Wo sitzt der Tumor?
- Wie ist Ihr Allgemeinzustand?
- Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten? Gibt es Metastasen?
- Mit welcher Behandlung von Brustkrebs kann für Sie der beste Erfolg erreicht werden?
- Wie ist Ihr Allgemeinzustand?
- Welche Behandlung von Brustkrebs kann Ihnen zugemutet werden?
Wichtig: Eine Behandlung von Brustkrebs lässt sich nur dann sinnvoll planen, wenn vorher genau untersucht worden ist, woran Sie leiden.
Hierfür ist eine Reihe von Untersuchungen erforderlich, die alle das Ziel haben, den Verdacht, dass Sie an einem Mammakarzinom erkrankt sind, zu bestätigen oder ausräumen. Wenn sich der Verdacht auf Brustkrebs bestätigt, müssen Ihre behandelnden Ärzte feststellen, wo genau der Tumor sitzt, wie groß er ist, aus welcher Art von Zellen er besteht und ob er vielleicht schon Tochtergeschwülste gebildet hat.
Ihr Arzt wird Ihnen erklären, welche Untersuchungen notwendig sind, um die Diagnose Brustkrebs zu sichern. Die Untersuchungen sollten in einem zertifizierten Brustzentrum durchgeführt werden. Meist wird es mehrere Tage oder sogar Wochen dauern, bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind und die Ergebnisse vorliegen. Werden Sie dabei nicht ungeduldig, denn je gründlicher Sie untersucht werden, desto genauer kann die weitere Behandlung von Brustkrebs für Sie festgelegt werden.
Tastbefund
Oftmals ergibt sich der erste Verdacht auf Brustkrebs, weil die Frau selbst einen Knoten in der Brust ertastet hat. Es kann auch sein, dass der Frauenarzt bei der Tastuntersuchung eine verdächtige Stelle entdeckt hat. Dann gibt es eine Reihe von Untersuchungsverfahren, die den Verdacht, dass Sie an Brustkrebs erkrankt sind, ausräumen oder bestätigen sollen.
Untersuchungen bei auffälligem Tastbefund
- Erfragen Ihrer Krankengeschichte (Anamnese)
- Körperliche Untersuchung
- Röntgenuntersuchung der Brust (Mammographie)
- Eventuell ergänzend Ultraschalluntersuchung der Brust (Mammasonographie)
- Eventuell ergänzend Magnetresonanztomographie der Brust
- Gewebeentnahme (Biopsie)
Unklares Mammographie-Screening
Hat sich beim Mammographie-Screening ein unklarer Befund ergeben, wird dieser mittels Gewebeentnahme weiter abgeklärt.
Wurde bei Ihnen Brustkrebs festgestellt, schließen sich weitere Untersuchungen an, denn Ihre behandelnden Ärzte müssen ganz genau feststellen, wo der Tumor sitzt, wie groß er ist, aus welcher Art von Zellen er besteht und ob er vielleicht schon Tochtergeschwülste gebildet hat.
Wenn alle Ergebnisse vorliegen, wird Ihre Behandlung des Mammakarzinoms geplant. Ihr Arzt wird Ihnen genau erklären, welche Möglichkeiten es gibt, wie sich die Behandlung von Brustkrebs auf Ihr Leben auswirkt und mit welchen Nebenwirkungen Sie rechnen müssen. Die endgültige Entscheidung über Ihre Behandlung werden Sie gemeinsam mit den behandelnden Ärzten treffen. Dabei ist es von Anfang an wichtig, dass sich ein vertrauensvolles Patienten-Arzt-Verhältnis entwickelt.
Hinweis: Fühlen Sie sich bei Ihrem behandelnden Arzt nicht gut aufgeho¬ben? Oder möchten Sie, dass ein anderer Arzt die vorgeschlagene Behandlung bestätigt? Dann scheuen Sie sich nicht, eine zweite Meinung bei einem anderen (Fach-)Arzt einzuholen.
Diagnose von Brustkrebs bei Männern
Auch die Diagnose von Brustkrebs bei Männern ist der bei Frauen vergleichbar. Eine wichtige Rolle spielen bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchung und Mammographie. Allerdings sind beide Verfahren weniger aussagekräftiger als bei Frauen, weil bei den meisten Männern das Brustgewebe wesentlich dichter ist. Von daher kommt der Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) aus der Brust die entscheidende Rolle zu. Dieses Gewebe wird anschließend feingeweblich untersucht, um die genauen Eigenschaften der Tumorzellen festzustellen.
Ihre Krankengeschichte (Anamnese)
Im Rahmen der Diagnose von Brustkrebs wird der Arzt in einem ausführlichen Gespräch nach Ihren aktuellen Beschwerden fragen und wie lange Sie diese schon haben. Er wird sich auch danach erkundigen, welche Krankheiten Sie in der Vergangenheit bereits hatten und welche Sie vielleicht gerade haben. Auch Faktoren, die Ihr Brustkrebsrisiko erhöhen, sind für ihn wichtig. Denken Sie daran, dass Sie Ihrem Arzt sagen, welche Medikamente Sie einnehmen, auch ergänzende Mittel, die Ihnen kein Arzt verordnet hat (zum Beispiel Johanniskraut, Ginkgopräparate oder grüner Tee). Denn diese Substanzen können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen.
Vielleicht machen Sie sich vor dem Arztbesuch schon ein paar Notizen, damit Sie in dem Gespräch auch an alles denken.
Beschreiben Sie Ihrem Arzt all Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen. Selbst Einzelheiten, die Ihnen unwichtig erscheinen, können für Ihren Arzt wichtig sein. Dazu gehören auch Informationen darüber, ob Sie vielleicht in Ihrem Beruf Faktoren ausgesetzt sind, die das Krebsrisiko erhöhen können. Der Arzt wird Sie aber auch nach bestimmten Dingen fragen und sich so ein umfassendes Bild machen.
Hinweis: Auch wenn Brustkrebs kein medizinischer Notfall ist: Falls Sie typische Brustkrebs-Symptome haben und deshalb der Verdacht besteht, dass Sie Brustkrebs haben, wird Ihr Arzt umgehend weitere Untersuchungen veranlassen, damit die Behandlung von Brustkrebs beginnen kann.
Körperliche Untersuchung/Tastuntersuchung
Um den Tumor beurteilen zu können, gehört zur klinischen Untersuchung bei Brustkrebs vor allem die gründliche Tastuntersuchung der Brüste. Auch Ihre Achselhöhlen werden auf möglicherweise vorhandene Lymphknotenmetastasen hin abgetastet.

Röntgenuntersuchung der Brust (Mammographie)
Die Mammographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung der Brust. Sie soll dem Arzt Klarheit darüber verschaffen, ob es sich bei verdächtigen Tastbefunden tatsächlich um ein Mammakarzinom handelt. Darüber hinaus gibt die Mammographie Aufschluss über die genaue Lage und Größe des Knotens in der Brust. Die Strahlenbelastung ist bei den modernen Mammographiegeräten für die Frau sehr gering.
Für die Untersuchung müssen Sie den Oberkörper freimachen. Fachleute empfehlen, dass Sie sich vor der Untersuchung im Brust- und Achselbereich nicht eincremen und auch kein Deo benutzen. Denn diese Stoffe können eventuell die Röntgenaufnahmen beeinträchtigen.
Bei der Aufnahme stehen Sie vor dem Mammographie-Gerät. Die Brust wird auf eine Plexiglasscheibe gelegt, eine zweite Scheibe nähert sich von oben beziehungsweise von der Seite und drückt die Brust zusammen. Manche Frauen empfinden dies als unangenehm oder sogar schmerzhaft. Je fester die Brust allerdings zusammengedrückt wird, desto besser ist die Qualität der Aufnahmen. Von jeder Brust werden zwei Röntgenaufnahmen gemacht: von oben nach unten und von der Mitte zur Seite. Der Arzt vergleicht die beiden Bilder und kann daraus mögliche Veränderungen und auch deren Lage in der Brust beurteilen. Insgesamt dauert die Mammographie etwa zehn bis 15 Minuten.

Ultraschalluntersuchung der Brust (Mammosonographie)
Ergänzend zur Mammographie kann im Rahmen der Diagnose von Brustkrebs die Ultraschalluntersuchung der Brust (Mammosonographie) erfolgen. Die unterschiedlich dichten Gewebe der Brust werfen (reflektieren) die Ultraschallwellen unterschiedlich zurück; so lassen sich Veränderungen von normalem Brustgewebe abgrenzen. Diese Methode kann wichtige Hinweise über Lage, Größe und Beschaffenheit des Tumors geben und die Frage klären, ob möglicherweise Lymphknoten befallen sind.
Die Ultraschalluntersuchung der Brust kann die Mammographie ergänzen, wenn diese kein endgültiges Ergebnis erbracht hat. Bei Frauen unter 40 Jahren, die noch ein relativ dichtes Brustgewebe haben, wird sie sogar bevorzugt vor der Mammographie eingesetzt.

Kernspintomographie der Brust (MRT)
Die Kernspintomographie (auch Magnetresonanztomographie oder kurz MRT genannt) der Brust ergänzt Mammographie und Ultraschall, wenn diese beiden bildgebenden Verfahren keine eindeutigen Ergebnisse im Rahmen der Diagnose von Brustkrebs bringen konnten. Sie ersetzt diese Untersuchungen nicht. Die MRT ist aufgrund ihrer hohen räumlichen Auflösung in der Lage, schon sehr kleine Herde in der Brust sichtbar zu machen.
Sie ist ein Bestandteil der intensivierten Früherkennung bei Frauen mit erhöhtem genetischen Brustkrebsrisiko (vor allem Trägerinnen des BRCA-Gens).
Auch wenn Tumormetastasen unklaren Ursprungs vorliegen, ein Rückfall ausgeschlossen werden soll oder nach einem Wiederaufbau der Brust das Implantat untersucht werden soll, kommt die MRT-Untersuchung zum Einsatz.
Gewebeentnahme (Biopsie)
Nicht jede Auffälligkeit und jeder Knoten in der Brust ist automatisch ein Brustkrebs. Um die Diagnose endgültig zu sichern, ist daher immer eine Biopsie notwendig.
Die Biopsie muss immer erfolgen, bevor mit der Behandlung eines Mammakarzinoms begonnen wird. Denn die Informationen zu den Tumormerkmalen, die sich aus einer Gewebeprobe ergeben, sind für die weitere individuelle Therapieplanung sehr wichtig.
Dazu werden Gewebezylinder oder seltener Zellen aus dem verdächtigen Gewebe entnommen. Dieser Eingriff ist einfach, belastet die betroffene Frau wenig und kann in der Regel ohne Krankenhausaufenthalt erfolgen.
Es gibt verschiedene Biopsieverfahren. Welches davon bei Ihnen zum Einsatz kommt, hängt unter anderem davon ab, ob bereits ein Knoten in der Brust tastbar ist, ob dieser sich durch Ultraschall gut darstellen lässt oder ob (Mikro-)Verkalkungen untersucht werden sollen, die noch nicht tastbar sind und zum Beispiel bei einer Mammographie entdeckt wurden.
Stanzbiopsie
Kann ein Tumor getastet werden oder ist er in der Ultraschalluntersuchung sichtbar, ist die Stanzbiopsie heute die Standardmethode. Dazu wird eine etwa 1,5 Millimeter dicke Hohlnadel mit einem Stanzgerät mit hoher Geschwindigkeit in die Brust „geschossen“. Das klingt dramatisch, ist jedoch zumeist durch eine örtliche Betäubung völlig schmerzlos.
Der Arzt entnimmt dann drei bis fünf kleine zylinderförmige Gewebeproben aus unterschiedlichen Stellen des verdächtigen Gebietes. Die Haut muss dazu jedoch nur einmal durchstochen werden. Gelegentlich, etwa um einen Befall von Lymphknoten zu untersuchen, wird der Arzt Zellen mit einer Spezialspritze und einer hauchdünnen Nadel (Feinnadelpunktion) entnehmen. Dass er mit der Nadel das verdächtige Gebiet auch wirklich trifft, kontrolliert er durch Ultraschall.
Vakuumbiopsie
Veränderungen, die nur in der Mammographie sichtbar sind, biopsiert der Arzt unter Röntgenkontrolle mit einer sogenannten Vakuumbiopsie. Der verdächtige Herd wird dabei durch Schrägaufnahmen aus verschiedenen Richtungen angepeilt, und ein Computer berechnet genau den Weg der Biopsienadel. Anschließend wird das verdächtige Gewebe durch ein Vakuum in die Hohlnadel eingesaugt und schrittweise möglichst vollständig entfernt. Trotzdem muss bei einem fraglichen oder bösartigen Befund anschließend eine offene Operation erfolgen. Um dabei die entsprechende Stelle in der Brust auch sicher wiederaufzufinden, wird am Ende der Biopsie eine kleine Metallmarkierung (Clip) in der Brust platziert, die später vor der Operation wiederum mit einem Draht markiert werden kann. Sollte sich herausstellen, dass die Veränderung gutartig ist, kann der Clip in der Brust verbleiben, ohne später Probleme zu bereiten.
Auch bei Veränderungen, die in der Kernspintomographie (MRT) sichtbar wurden, lässt sich das gleiche Verfahren der Biopsie anwenden.
Die Biopsie ist ein wichtiges Untersuchungsverfahren. Sie brauchen keine Angst vor Schmerzen haben, in der Regel ist diese Untersuchung nach örtlicher Betäubung gut auszuhalten. Auch brauchen Sie sich keine Sorgen machen, dass bei der Entnahme Tumorzellen „ausgeschwemmt“ werden, die dann Metastasen bilden. Bisher gibt es dafür keinen wissenschaftlichen Beleg.
B-Klassifikation der Biopsie bei Brustkrebs
Das Gewebe, das bei der Biopsie entnommen wird, untersucht und begutachtet der Arzt anschließend unter dem Mikroskop genau (Histologie / Zytologie) und ordnet das Ergebnis der sogenannten B-Klassifikation zu. Diese Zuordnung ist noch keine endgültige Diagnose von Brustkrebs, auch wenn diese meistens schon möglich ist. Die B-Klassifikation hat aber entscheidenden Einfluss darauf, wie es nach der Biopsie bei einem Mammakarzinom weitergeht.
Unter den Kategorien B1 bis B5 ist die Gruppe B3 besonders wichtig: Ihr werden gutartige Veränderungen zugeordnet, von denen sich nicht sicher vorhersagen lässt, wie sie sich weiterentwickeln werden. Daher müssen sie zur Sicherheit meist operativ entfernt werden.
| B1a | Nicht verwertbar |
|---|---|
| B1b | Ausschließlich Normalgewebe |
| B2 | Gutartig |
| B3 | Gutartig, aber mit unsicherem biologischem Verhalten |
| B4 | Verdacht auf bösartige Veränderung, aber nicht sicher |
| B5 | Behandlungsbedürftiger beziehungsweise bösartiger (invasiv wachsender) Tumor |
| B5a | Duktales Carcinoma in situ |
| B5b | Invasives Karzinom |
| B5c | Invasionsstatus nicht beurteilbar |
| B5d | Andere maligne Tumoren, z.B. Lymphom, Sarkom |
Ergibt die Biopsie einen gutartigen Befund, richtet sich das weitere Vorgehen danach, welche Beschwerden Sie haben. Wenn der Knoten in der Brust Sie stört, kann er operativ entfernt werden. Ist die Operation nicht notwendig, sollen regelmäßige Kontrolluntersuchungen gewährleisten, dass etwaige Veränderungen frühzeitig erkannt werden. Besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrem Arzt.
Bestimmung des Hormonrezeptor und HER2-Status
Anhand der Biopsieproben werden wichtige biologische Eigenschaften, sogenannte Tumor- oder Biomarker des Tumors, untersucht. Überprüft wird beispielsweise, ob der Brustkrebs sensibel für den Einfluss der Geschlechtshormone (Östrogen und Progesteron) ist. Mammakarzinome, die durch Hormone schneller wachsen, werden als Hormonrezeptor-positive Tumore bezeichnet. Sie können mit einer sogenannten antihormonellen Therapie behandelt werden. Zudem wird untersucht, ob die Tumorzellen Andockstellen für einen bestimmten Wachstumsfaktor – HER2 – an der Oberfläche aufweisen. Sie werden dann als HER2-positive oder HER2-negative Tumore bezeichnet.
Bestimmung des Markers Ki-67
Des Weiteren wird die Probe auf das Auftreten des Markers Ki-67 geprüft. Dieser Zellteilungsmarker findet sich in der Wachstumsphase auf Zelloberflächen und gibt Auskunft über die Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors. Findet sich das Eiweiß Ki-67 in großen Mengen in der Biopsieprobe, kann das auf ein schnelles und aggressives Wachstum der Tumorzellen hindeuten.
Genexpressionstest
Mithilfe von Genexpressionstests lässt sich die Aktivität von verschiedenen Krebsgenen bestimmen, die mit Brustkrebs im Zusammenhang stehen. Gemessen werden hierzu verschiedene biologische Eigenschaften (Tumor- oder Biomarker) des Tumors. Der Test hilft zu beurteilen, wie hoch die Gefahr für einen Rückfall (Rezidiv) der Erkrankung ist und ob eine zusätzliche Chemotherapie empfohlen werden muss. Die Therapie kann somit genauer auf die Betroffenen zugeschnitten werden.
Die Kosten für einen Genexpressionstest werden bei einem Mammakarzinom nicht in allen Fällen von der Krankenkasse übernommen. Informieren Sie sich daher im Vorfeld bei Ihrem Arzt, ob die Kosten von Ihrer Krankenkasse übernommen werden.
Hat die Biopsie eindeutig festgestellt, dass Sie Brustkrebs haben, schließen sich weitere Untersuchungen an.
Blutuntersuchungen
Ihr Blut ist im Rahmen der Diagnose von Brustkrebs eine wichtige Informationsquelle: Es gibt zum Beispiel Auskunft über Ihren Allgemeinzustand und über die Funktion einzelner Organe. Diese Informationen braucht der behandelnde Arzt unter anderem, um die Narkose für die Operation bei Brustkrebs vorzubereiten.
Bestimmung von Tumormarkern
Außerdem lassen sich im Blut sogenannte Tumormarker bestimmen. Sie können eine wichtige Information sein, wenn es darum geht, einen bösartigen Tumor zu entlarven. Tumormarker sind Stoffe, welche die Tumorzellen selbst bilden. Aber – und das ist das Problem – nicht alle Krebspatienten haben erhöhte Tumormarker. Umgekehrt haben manchmal auch Menschen ohne Tumorerkrankung erhöhte Werte. Um eine sichere Diagnose zu stellen, reicht es also nicht aus, nur die Tumormarker zu untersuchen.
Die wichtigsten Tumormarker sind bei Brustkrebs CEA und CA 15-3. Der Einsatz von Tumormarkern bei Brustkrebs ist jedoch umstritten, da sie nicht verlässlich sind und die Aussagekraft begrenzt ist. Sie können jedoch unter Umständen Hinweise auf den Verlauf der Erkrankung geben.
Ultraschalluntersuchung anderer Organe (Sonographie)
Bei der Ultraschalltechnik werden Schallwellen in den Körper gesendet. Das von den Geweben zurückgeworfene Echo wird aufgefangen und in ein Bild dieser Gewebe umgerechnet. Innere Strukturen im Bereich des Halses und Mundbodens sowie bei Bedarf auch Organe wie Leber, Nieren, Nebennieren, Milz und (Hals-)Lymphknoten können so betrachten werden.
Computertomographie
Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die innere Organe im Bauch- und Brustraum, das Schädelinnere und auch vergrößerte Lymphknoten darstellen kann. Diese Bilder zeigen den Körper im Querschnitt und informieren darüber, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist. Auch die Organe und deren Lage zueinander sind gut zu erkennen, ebenso mögliche Tochtergeschwülste.
Skelettszintigramm
Das Skelettszintigramm kann Tumorabsiedlungen in den Knochen (Knochenmetastasen) darstellen. Dafür wird Ihnen ein Kontrastmittel gespritzt, das schwach radioaktive Stoffe enthält, die sich auf charakteristische Weise in den Knochen anreichern. Mithilfe einer sogenannten Gammakamera können diese Bereiche dann im Bild erkannt werden. Die Bilder können zeigen, ob sich Metastasen in Knochen oder in anderen Bereichen des Körpers gebildet haben.
Statt eines einfachen Skelettszintigramms wird bei einem Mammakarzinom gewöhnlich eine Kombination aus Skelettszintigraphie und Computertomogramm (SPECT-CT) eingesetzt. Dabei werden die Bilder der Anreicherungen mit den Schnittbildern des CT kombiniert. Diese Technik liefert dem Arzt noch deutlich mehr Informationen.
Positronenemissionstomographie (PET)
Die Positronenemissionstomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das Orte mit erhöhter Stoffwechselaktivität im Körper sichtbar macht. Da Krebszellen schnell wachsen, benötigen sie meist viel Energie und nehmen zum Beispiel Traubenzucker oder Sauerstoff oft viel rascher auf als gesundes Gewebe. Mithilfe eines Kontrastmittels, das geringe Mengen schwach radioaktiven Zuckers enthält, können diese Zellen markiert werden. Ähnlich wie beim Szintigramm können dadurch Bereiche im Körper erkannt werden, die verdächtig sind auf die Existenz eines bösartigen Tumors oder seiner Tochtergeschwülste (Metastasen).
Manche Tumoren zeigen jedoch keine erhöhte Stoffwechselaktivität und auch entzündetes Gewebe kann eine erhöhte Stoffwechselaktivität haben und somit vermehrt anreichern. Eine PET allein reicht daher nicht aus, um Krebs festzustellen. Wie beim SPECT-CT wird auch die PET-Untersuchung in der Regel mit der Computertomographie (CT) kombiniert zur PET-CT, um eine bessere räumliche Zuordnung der verdächtigen Bereiche zu den Strukturen des Körpers zu bekommen.
Stadieneinteilung (Staging oder Ausbreitungsdiagnostik)
Eine zielgerichtete, wissenschaftlich gesicherte Therapie von Brustkrebs kann nur erfolgen, wenn genau bekannt ist, wie weit sich das Mammakarzinom ausgebreitet hat. Nachdem Ihr Arzt durch die Untersuchungen weiß, wie groß der Tumor ist, wo er sitzt und ob Metastasen entstanden sind, kann er einschätzen, in welchem Stadium sich Ihre Erkrankung befindet. Dieser Prozess heißt Staging. Die Einteilung in die verschiedenen Stadien erfolgt nach einem international gültigen System für Ärzte, der TNM-Klassifikation.
Klassifikation und Stadieneinteilung von Brustkrebs
Der Körper eines Menschen besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Geweben und Zellen. Dementsprechend unterschiedlich ist auch das bösartige Wachstum eines Tumors. Für die Behandlung von Brustkrebs ist es wichtig, den genauen Steckbrief Ihrer Erkrankung zusammenzustellen.
Dazu gehören die Informationen darüber, zu welchem Zelltyp der Krebs gehört, welche Eigenschaften die Zellen tragen und ob sich der Tumor im Körper ausgebreitet hat.
Die meisten Brusttumoren entstehen in den Milchgängen (duktaler Zelltyp) oder in den Drüsenläppchen (lobulärer Zelltyp). Für die Entscheidung über Ihre individuelle Therapie sind verschiedene Aspekte wichtig: etwa die Hormonempfindlichkeit, das Wachstumsverhalten, die Empfindlichkeit für Wachstumsfaktoren (HER2) und die Zellteilungsrate (Ki-67).
Hormonrezeptorstatus
Die Zellen des Brustgewebes reagieren normalerweise auf die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen (E) und Progesteron (P). Auch die Zellen eines Mammakarzinoms tragen häufig diese Eigenschaft. Da die betreffenden Frauen dann mit antihormonellen Medikamenten behandelt werden können, wird diese Eigenschaft, der sogenannte Östrogen- und Progesteron-Rezeptorstatus (ER, PR) immer bestimmt. Ein Tumor gilt als hormonempfindlich, wenn sich wenigstens ein Prozent der Zellen mit speziellen Verfahren anfärben lässt.
Wachstumsverhalten
Um das Wachstumsverhalten des Mammakarzinoms besser abzuschätzen, werden heute vor allem zwei Faktoren verwendet:
- Der Differenzierungsgrad (Grading) wird anhand der Grade G1 bis G3 eingeteilt. Dabei bedeutet G1: gut differenziert (low grade) und G3: schlecht differenziert (high-grade). Das Grading beschreibt, in welchem Ausmaß die Tumorzellen vom normalen Gewebebild abweichen.
- Zum anderen wird der sogenannte Proliferationsmarker Ki-67 durch spezielle Färbeverfahren im Labor bestimmt. Er beschreibt die Rate der sich teilenden Zellen unter dem Mikroskop und gibt Auskunft über die Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors.
Wachstumsfaktor HER2
Bei Brustkrebs können die Zellen außerdem Rezeptoren für den Wachstumsfaktor HER2-tragen. An diese Bindungsstellen docken sich Wachstumsfaktoren an, die die Tumorzelle zur Teilung anregen. Mit einem gezielten Antikörper lassen sich diese Bindungsstellen bei den betreffenden Frauen blockieren. Deshalb wird der HER2-Rezeptorstatus immer bestimmt.
Mithilfe dieser Eigenschaften und Merkmale eines Tumors kann der Brustkrebs in verschiedene molekulare Untergruppen eingeteilt werden. Diese Untergruppen sind neben anderen Faktoren, wie beispielsweise dem Alter oder Begleiterkrankungen, entscheidend für den Behandlungsplan.
Untergruppen von Brustkrebs
- Luminal A (HR-positiv, HER2-negativ, Ki-67 niedrig)
Der Tumor hat Hormonrezeptoren und wächst langsam. Häufig sind eine Operation und eine Antihormontherapie ausreichend. - Luminal B (HR-positiv, HER2-negativ, Ki-67 hoch)
Der Tumor hat Hormonrezeptoren und wächst tendenziell schneller. Zusätzlich zur Operation und einer Antihormontherapie kann eine Chemotherapie erforderlich sein. Ob eine Chemotherapie erfolgt, hängt vom individuellen Risiko der Patientin ab. - Luminal B (HR-positiv, HER2-positiv, jedes Ki-67)
Der Tumor ist Hormonrezeptor-positiv und hat HER2 übermäßig ausgebildet. Die Patientinnen bekommen in der Regel eine Chemotherapie, eine Anti-HER2-Therapie und eine Antihormontherapie. - HER2-positiv (nicht-luminal, HR-negativ, HER2-positiv)
Der Tumor hat HER2 übermäßig ausgebildet, ist jedoch Hormonrezeptor-negativ. Zusätzlich zur Operation wird er mit einer Chemotherapie und einer Anti-HER2-Therapie behandelt. Der Tumor gilt als sehr aggressiv. - Triple negativ (HER2-negativ, HR-negativ)
Der Tumor hat keine Östrogen-, Progesteron- oder HER2-Rezeptoren. Zusätzlich zur Operation wird er mit Chemotherapie behandelt. Der Tumor gilt als sehr aggressiv.
Hinweis: Es ist für die behandelnden Ärzte daher sehr wichtig, diese Einzelheiten genau zu kennen. Erst dann lässt sich eine individuelle Behandlung von Brustkrebs zusammenstellen, die für Sie und den Verlauf Ihrer Erkrankung am besten geeignet ist.
TNM-Klassifikation von Brustkrebs (Mammakarzinom)
Aus den Ergebnissen aller bisher durchgeführten Untersuchungen ermittelt der Arzt das genaue Krankheitsstadium (Staging, Stadieneinteilung) des Brustkrebses. Um dieses so zu beschreiben, dass jeder Arzt es richtig einordnen kann, gibt es eine international einheitliche Einteilungen (Klassifikationen). Bei bösartigen Tumorerkrankungen ist die die TNM-Klassifikation.
TNM-Klassifikation
- T (Tumor) beschreibt, wie groß der Primärtumor ist
- N (Nodi = Knoten) beschreibt, ob Lymphknoten befallen sind, wie viele es sind und wo
- M (Metastasen) beschreibt, ob Fernmetastasen vorliegen
- R steht für eventuell zurückgebliebene Tumorzellen nach einer Operation (Tumorrest)
- L steht für einen Einbruch in Lymphgefäße
- V steht für einen Einbruch in Blutgefäße
Kleine Zahlen, die den Buchstaben jeweils zugeordnet sind, geben an, wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet hat.
| Die Bedeutungen für T | |
| T0 | Kein Nachweis von Primärtumor |
| Tis | Carcinoma in situ, nicht invasiv |
| T1mic | Microinvasion bis 0,1 cm |
| T1 | Tumorgröße bis 2 cm
|
| T2 | Tumorgröße >2 cm bis 5 cm |
| T3 | Tumorgröße > 5 cm |
| T4 | Tumor jeder Größe mit Ausdehnung auf die Brustwand oder die Haut
|
| Die Bedeutungen für N | |
| N0 | Keine regionären Lymphknoten befallen |
| N1 | Verschiebliche Metastasen in Lymphknoten der Achselhöhle Leverl I-II |
| N2 | Nicht-verschiebliche Metastasen in Lymphknoten der Achselhöhle Level I-II oder isolierte Metastasen in Lymphknoten entlang der inneren Brustkorbarterie
|
| N3 | Metastasen in Lymphknoten unterhalb oder oberhalb des Schlüsselbeins (Level III) und gleichzeitiger Befall von Lymphknoten der Achselhöhle und entlang der inneren Brustkorbarterie.
|
| Die Bedeutungen für M | |
| Mx | Das Vorliegen von Fernmetastasen kann nicht beurteilt werden |
| M0 | Kein Anhalt für Fernmetastasen |
| M1 | Fernmetastasen nachweisbar. Fernmetastasen sind entsprechend benannt: PUL-Lunge, MAR-Knochenmark, OSS-Knochen, PLE-Pleura, HEP-Leber, PER-Peritoneum, BRA-Gehirn, SKI-Haut, LYM-Lymphknoten, OTH-andere Organe. Metastasen in Lymphknoten auf der anderen Seite des Brusttumors gelten ebenfalls als Fernmetastasen. |
| Die Bedeutungen für R | |
| R0 | Vollständige Entfernung des Tumors bis ins gesunde Gewebe |
| R1 | Tumor wurde nicht im gesunden Gewebe entfernt, d. h. Tumor findet sich mikroskopisch am Rand des entfernten Gewebes |
| R2 | Tumor wurde nicht vollständig entfernt, mit bloßem Auge sichtbare Tumorreste sind im Körper verblieben |
| Die Bedeutungen für L (Einbruch in Lymphgefäße) | |
| L0 | Nein |
| L1 | Ja |
| Die Bedeutungen für V (Einbruch in Blutgefäße) | |
| V0 | Nicht nachweisbar |
| V1 | Mikroskopisch |
| V2 | Makroskopisch erkennbar |
Ein Karzinom im Frühstadium ohne Metastasierung würde damit zum Beispiel folgendermaßen bezeichnet:
cT1 N0 M0 R0 L0 V0 ERpos PRpos HER2neg
Wenn die Tumorgröße oder der Lymphknotenstatus durch eine histologische Untersuchung bestimmt worden ist, findet sich ein p vor dem T und / oder N:
pT1 pN0 M0 R0 L0 V0 ERpos PRpos HERneg
Falls die betroffene Frau vor der Operation eine medikamentöse Therapie bekommen hat, wird dieses mit einem y kenntlich gemacht. Dann heißt es zum Beispiel:
ypT1 ypN0 M0 R0 L0 V0 ERpos PRpos HERneg
Nach der Biopsie untersucht der Pathologe, wie ähnlich die ent¬nommenen Tumorzellen den gesunden Zellen sind. Je nach Ähnlichkeit werden die Zellen dann eingeteilt in G1 (gut differenziert) bis G3 (schlecht differenziert). Diese Einteilung wird Grading genannt und gibt an, wie aggressiv der Tumor voraussichtlich wächst.
Behandlung von Brustkrebs
Die Behandlung von Brustkrebs soll die Erkrankung dauerhaft heilen oder den Tumor zumindest am Wachstum hindern. Wenn Brustkrebs nicht behandelt wird, breitet er sich aus, streut im Körper Tochtergeschwülste und führt wahrscheinlich früher oder später zum Tod.
Jede Behandlung soll den Tumor – und wenn Tochtergeschwülste vorliegen, möglichst auch diese – vollständig abtöten, sodass der Betroffene dauerhaft geheilt ist. Eine solche Behandlung heißt kurative Therapie. Lässt sich eine Heilung nicht mehr erreichen, versucht man, den Tumor möglichst lange zu kontrollieren und gleichzeitig die Lebensqualität zu erhalten. Diese Behandlung heißt palliative Medizin.
Der Körper des Menschen besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Geweben und Zellen. Dementsprechend unterschiedlich fällt auch das bösartige Wachstum einer Krebsgeschwulst aus. Es gibt nicht nur eine Form von Brustkrebs, sondern ganz verschiedene Arten. Nach Abschluss der Diagnostik stellen Ihre Ärzte sozusagen den Steckbrief Ihres Tumors zusammen: zu welchem Zelltyp der Krebs gehört, welche biologischen Eigenschaften er hat, wie schnell er wächst und wie weit er sich im Körper ausgebreitet hat.
Je mehr der Arzt darüber weiß, um welche ganz spezielle Art von Brustkrebs es sich bei Ihnen handelt, desto besser kann er die Behandlungsstrategie darauf abstimmen.
Prinzipiell gibt es neben einer Brustkrebserkrankung auch Brustkrebsvorstufen:
| Brustkrebsvorstufen (nicht-invasive Tumore, aus denen Brustkrebs entstehen kann) |
|
| Bösartige Tumoren (invasive Karzinome) | Verschiedene Typen
|
Sonderformen sind unter anderem entzündliche Brustkrebs-Tumore (inflammatorisches Mammakarzinom) oder der Morbus Paget der Brustwarze.
Solange sich der Brustkrebs auf das Gebiet eines Drüsenläppchens beschränkt und noch nicht in das umgebende Gewebe eingedrungen ist, spricht man von einem Carcinoma in situ – ein zu diesem Zeitpunkt nicht-invasives Frühstadium, das unter Umständen über Jahre ruhen kann, bevor es Metastasen bildet. In diesem ruhenden Stadium ist die Erkrankung zu nahezu 90 Prozent heilbar, indem der Tumor operativ entfernt wird (eventuell ergänzt um eine Strahlen- und / oder Hormontherapie).
Bei jeder fünften Frau, die die Diagnose Brustkrebs erstmalig erhält, handelt es sich um ein DCIS. Bisher gibt es keine Möglichkeiten vorauszusagen, in welchem Fall eine solche Zellveränderung zu einem späteren Zeitpunkt bösartig wird und in welchem nicht.
Weil dies noch nicht möglich ist, wird allen Frauen mit DCIS empfohlen, sich behandeln zu lassen – auch wenn das für einige wenige Frauen möglicherweise bedeutet, dass die Behandlung nicht notwendig gewesen wäre.
Die große Klasse der sogenannten bösartigen invasiven Tumoren untergliedert sich in verschiedene Typen. Bei diesen Tumoren haben die Tumorzellen die Wand der Drüsenläppchen oder der Milchgänge durchbrochen und wachsen – je nach Zelltyp mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit – in das umgebende Fettgewebe der Brust ein.
Die Zuordnung zu einer Gruppe erfolgt mithilfe einer mikroskopischen Analyse. Ausschlaggebend für die Einteilung sind die vorherrschenden (dominierenden) Anteile bestimmter Zellen im Tumorgewebe. Einige Gruppen gehen dabei mit einer besseren bzw. schlechteren Vorhersage des Krankheitsverlaufs (Prognose) einher als andere.
Therapiemöglichkeiten von Brustkrebs
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Brustkrebs zu behandeln. Dazu zählen eine Operation, Strahlentherapie, systemische Therapien (Antihormontherapie oder Chemotherapie) oder auch zielgerichtete Therapien.
Möglichkeiten der Behandlung
Therapie von Brustkrebs bei Männern
Die Behandlung von Männern mit Brustkrebs sollte zum Beispiel in sogenannten zertifizierten Brustzentren erfolgen. Zwar sind diese Zentren auf erkrankte Frauen spezialisiert, aber die Therapie von betroffenen Männern unterscheidet sich kaum von der bei Frauen und richtet sich nach den entsprechenden Leitlinien. Hier ist an erster Stelle die Operation zu nennen, bei der je nach Tumorstadium der Tumor selbst und benachbarte Lymphknoten entfernt werden.
Inwieweit sich danach eine weiterführende Therapie anschließt, hängt vom Tumorstadium und vom Befund nach der Operation ab. Infrage kommen Strahlentherapie und / oder Chemotherapie und / oder zielgerichtete Therapien sowie möglicherweise eine Antihormontherapie, wenn die Tumorzellen hormonabhängig wachsen.
Wer Rat und Hilfe von gleichbetroffenen Männern sucht, kann sich an das Netzwerk für Männer mit Brustkrebs wenden, das die Frauenselbsthilfe Krebs e. V. initiiert hat und von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird.
An Brustkrebs erkrankte Männer können sich über die Behandlung in den für betroffene Frauen vorgesehenen Patientinnenleitlinien „Brustkrebs im frühen Stadium“ und „Metastasierter Brustkrebs“ informieren.
Operation bei Brustkrebs
Die operative Entfernung der Brust war weltweit für Jahrzehnte die Standardbehandlung bei Brustkrebs. Meist entfernte der Chirurg dabei die gesamte Brust (radikale Mastektomie) und weitgehend die Lymphknoten der Achselhöhle.
Gut zu wissen: Heute kann auf die Amputation der Brust häufig verzichtet werden, und es wird brusterhaltend operiert. Große Untersuchungen haben ergeben, dass die Ergebnisse bei diesem schonenden Operationsverfahren – kombiniert mit einer anschließenden Strahlentherapie – auf die Dauer gesehen denen nach einer Entfernung der Brust vergleichbar sind. Für die meisten betroffenen Frauen ist dies eine sehr große, vor allem psychische, Erleichterung.
Sollte sich herausstellen, dass in Ihrem Fall eine brusterhaltende Operation nicht möglich ist, bedenken Sie, dass Sie nach einer Amputation die Brust wiederaufbauen lassen können. Lassen Sie sich vor der Operation über die verschiedenen Möglichkeiten der Brustwiederherstellung aufklären. Manchmal kann dies sogar schon in derselben Operation erfolgen.
Sie können sich selbstverständlich auch gegen den Wiederaufbau Ihrer Brust entscheiden. Besprechen Sie Ihre Wünsche dazu vor der anstehenden Operation mit Ihrem Ärzteteam.
Mehr zum Thema finden Sie im Text „Wiederaufbau der Brust nach Brustkrebs“.
Brusterhaltende Operation
Bei vielen operierten Frauen mit einem Mammakarzinom kann mittlerweile die Brust erhalten bleiben. Nut der Tumor und seine unmittelbare Umgebung werden entfernt. Sinn und Zweck dieser Operationsmethode ist es, so viel gesundes Brustgewebe wie möglich zu erhalten.
Bei dem operativen Eingriff bestehen folgende Möglichkeiten
- Das den Tumor tragende Viertel der Brust wird entfernt (Quadrantenresektion).
- Nur das von Brustkrebs befallene Segment wird entfernt (Segmentresektion).
Voraussetzungen für eine brusterhaltende Operation
Damit eine brusterhaltende Operation bei Brustkrebs möglich ist, darf der Durchmesser des Tumors nicht zu groß sein. Außerdem dürfen weder größere Anteile der Haut noch die Brustwand befallen sein. In Ausnahmefällen können auch Tumoren mit einem größeren Durchmesser brusterhaltend entfernt werden. Wichtig ist, dass der Tumor im gesunden Gewebe herausoperiert wird.
Entfernung von Lymphknoten
Wenn Brustkrebszellen metastasieren, das heißt, wenn sie sich von der Brust aus im Körper ausbreiten, geschieht dies zunächst meist über das Lymphsystem. Die Lymphbahnen aus der Brust münden zuerst in die Lymphknoten der Achselhöhle. Früher wurden immer alle diese Lymphknoten bei der Operation mit entfernt.
Hat der Arzt die Lymphknoten in der Achselhöhle bei der Voruntersuchung als unauffällig eingestuft, entnimmt man heute in der Regel nur den Lymphknoten, der dem Tumor am nächsten gelegen ist, den sogenannten Wächter- oder Sentinellymphknoten. Dieser wird daraufhin untersucht, ob sich Tumorzellen darin befinden. Um diesen Lymphknoten zu finden, wird eine schwach radioaktive Substanz und / oder ein blauer Farbstoff in den Bereich der Brustwarze gespritzt. Diese Substanz verteilt sich mit dem Lymphstrom und gelangt so auch in den Wächterlymphknoten. Der so markierte Lymphknoten lässt sich mit einem Messgerät oder aufgrund seiner Blaufärbung entdecken und gezielt entfernen. Finden sich darin keine Krebszellen, werden keine weiteren Lymphknoten entnommen. Sind die Wächterlymphknoten jedoch befallen, muss der Arzt in einigen Fällen noch weitere Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernen. Neue Studiendaten haben jedoch gezeigt, dass unter bestimmten Bedingungen auf eine Entfernung von Lymphknoten in der Achselhöhle verzichtet werden kann.
Wird nur der Wächterlymphknoten herausoperiert, ist die entstandene Narbe kleiner, und die Nebenwirkungen fallen insgesamt geringer aus, als wenn alle Lymphknoten entnommen werden müssen. Die betroffene Frau kann den Arm besser bewegen, und es entstehen auch seltener Lymphödeme.
Wenn Achsellymphknoten entfernt werden, kann es sein, dass auch kleinere Nerven durchtrennt werden. Dann können Empfindungsstörungen im operierten Bereich oder in der Brust entstehen. Zusätzlich kann es zu Schmerzen kommen, und die Beweglichkeit des Armes kann eingeschränkt sein.
Strahlentherapie
Nach der brusterhaltenden Operation erfolgt bei Brustkrebs eine begleitende Strahlentherapie (adjuvante Bestrahlung). Bestrahlt wird die gesamte Brust sowie die angrenzende Brustwand. In einigen Fällen kann auch die Bestrahlung der Lymphabflussgebiete notwendig sein. Ist das Risiko für einen Rückfall gering, kann auch eine Teilbestrahlung oder aber eine Bestrahlung während der Operation erfolgen (intraoperative Radiotherapie, IORT).
Hinweis: Natürlich werden sich die meisten Frauen mit Brustkrebs wünschen, dass sie brusterhaltend operiert werden können. Lassen Sie sich aber auf jeden Fall eingehend von Ihrem Arzt beraten. Neben der medizinischen Notwendigkeit sind auch Ihre ganz persönlichen Vorstellungen bei der Planung der Operation wichtig.
Brustentfernung
Bei einigen Frauen mit Brustkrebs ist aufgrund verschiedener Tumoreigenschaften eine brusterhaltende Operation nicht möglich. Auch wenn Tumor und Brustgewebe ein ungünstiges Größenverhältnis haben, wenn also der Tumor groß und die Brust klein ist, gibt es Grenzen für einen brusterhaltenden Eingriff. Weitere Gründe, die gegen eine brusterhaltende Operation sprechen, sind:
- ein entzündlicher (inflammatorischer) Brustkrebs
- wenn nach dem Eingriff keine Bestrahlung erfolgen kann
- wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden kann
Hier empfiehlt der Arzt auch heute noch im Interesse der Betroffenen, die Brust vollständig zu entfernen (Amputation, Mastektomie oder Ablatio).
Sollte nach einer brusterhaltenden Operation eines DCIS oder eines invasiven Tumors erneut Brustkrebs auftreten, muss die Restbrust entfernt werden. Dadurch wird die bestmögliche Kontrolle des Tumors erreicht. Nach der Operation muss geprüft werden, ob eine (erneute) Bestrahlung möglich ist.
Nach der Operation werden in die Wundhöhle Saugschläuche (Drainagen) eingelegt, die Blut oder Gewebewasser ableiten sollen. Diese können in der Regel nach einigen Tagen wieder entfernt werden. Für die Naht werden selbstauflösende Fäden verwendet, sodass später keine Fäden gezogen werden müssen. Nach sieben Wochen ist die Wunde verheilt, aber schon nach zwei Wochen bestehen in der Regel keine Schmerzen mehr. Damit die Wunde gut abheilt und Sie später keine Probleme an der Wirbelsäule haben, erhalten Sie nach einer Brustentfernung einen maßgefertigten Spezialbüstenhalter, in den eine Silikoneinlage eingepasst wird. Ihr Arzt wird Ihnen diesen BH verschreiben.
Eventuell ist eine hautsparende Entfernung der Brustdrüse (skin-sparing-Mastektomie oder nipple-sparing-Mastektomie) möglich. Bei dieser Operationsmethode bleiben die Haut und manchmal auch der Warzenhof erhalten. Mithilfe beispielsweise einer Silikonprothese kann die Brust sofort wieder rekonstruiert werden.
Liegt der Tumor weit genug weg von der Brustwarze, kann diese zusammen mit dem Warzenvorhof erhalten werden. Wichtig dabei ist, dass das Gewebe hinter der Brustwarze auch tumorfrei ist.
Training der Muskulatur nach einer Brustkrebs-Operation
Nach der Operation empfinden viele Frauen ein Spannungsgefühl am Brustkorb, weil ein Teil der Haut, die die Brust bedeckt hat, mit entfernt werden musste. Außerdem wird Ihre Schulter auf der operierten Seite zunächst etwas weniger beweglich sein.
Wichtig ist daher ein gezieltes Training der Arm- und Schultermuskulatur, das in den meisten Kliniken bereits am Tag nach der Operation beginnt.
Ausführlichere Informationen dazu finden Sie im Kapitel „Gymnastik – So werden Sie wieder fit”.
Fragen an Ihren Arzt vor einer Brustkrebs-Operation
Stellen Sie Ihrem Arzt vor der Operation von Brustkrebs ausführliche Fragen, damit Sie genau wissen, was mit Ihnen geschieht.
- Welche Art der Operation wird bei mir durchgeführt?
- Muss die Operation sofort stattfinden oder habe ich noch ein bisschen Bedenkzeit?
- Wenn nicht brusterhaltend operiert werden kann: Welche Möglichkeiten für einen Wiederaufbau der Brust nach der Operation gibt es?
- Wie wird es mir nach der Operation gehen?
- Werde ich Schmerzen haben? Wie werden sie behandelt?
- Brauche ich außer der Operation noch weitere Brustkrebs-Behandlungen? Welche?
- Welche Komplikationen können während und nach der Operation auftreten?
- Wie sind die Langzeitwirkungen?
- Wann kann ich meinem gewohnten Tagesablauf wieder nachgehen?
- Wie oft und in welchen Abständen muss ich zur Nachkontrolle?
- Wie sieht diese Nachkontrolle aus? Was wird gemacht?
- Kann ich nach der Operation nach Hause oder brauche ich eine Rehabilitation?
Strahlentherapie (Radiotherapie) bei Brustkrebs
Die Strahlentherapie gehört neben der Operation und der medikamentösen Therapie zur Standardbehandlung bei Brustkrebs. In den letzten Jahren hat die Strahlentherapie große Fortschritte gemacht. Neue Bestrahlungsgeräte ermöglichen es, diese Therapie wirksam und trotzdem schonend einzusetzen.
Die Strahlentherapie bei Brustkrebs ist notwendig
- Nach brusterhaltender Therapie
- Wenn Tumorgewebe operativ nicht vollständig entfernt werden konnte, sodass damit gerechnet werden muss, dass an dieser Stelle erneut ein Tumor wächst
- Wenn mehrere Lymphknoten in der Achselhöhle befallen sind
- Wenn die Brust entfernt wurde und wenn ein besonders großer Tumor vorliegt
- Bei Schmerzen durch bestimmte Metastasen, zum Beispiel Knochenmetastasen in der Wirbelsäule
Hinweis: Nach einer brusterhaltenden Operation ist die Bestrahlung der operierten Brust unbedingt erforderlich. Nach einer Brustamputation erfolgt sie in individuellen Fällen, beispielsweise bei Patientinnen mit einem hohem Rückfallrisiko.
Da in den letzten Jahren immer häufiger brusterhaltend operiert wird und sich daran immer eine Strahlenbehandlung anschließt, wird die Strahlentherapie heute hauptsächlich unterstützend (adjuvant) eingesetzt. Aber auch die heilende (kurative) und lindernde (palliative) Wirkung der Strahlen – zum Beispiel bei schwer beeinflussbaren Schmerzen – wird genutzt.
Die adjuvante Strahlentherapie soll vor allem das Risiko verringern, dass sich im unmittelbaren Bereich der operierten Brust ein neuer Tumor (Lokalrezidiv) bildet. Im Allgemeinen beginnen die Bestrahlungen frühestens drei Wochen nach dem chirurgischen Eingriff. Maßgeblich für den Zeitpunkt, wann die Behandlung beginnt, ist vor allem, wie weit die Operationswunde abgeheilt ist. Der Heilungsprozess sollte weitgehend abgeschlossen sein, bevor das Gewebe durch die Strahlen erneut belastet wird. Im Übrigen kommt es auch darauf an, wie der Allgemeinzustand der betroffenen Frau ist, wie radikal der Eingriff war und welche Zielsetzung die Bestrahlung hat.
Mittlerweile wird auch bereits während der Operation eine spezielle Form der Strahlentherapie eingesetzt, die sogenannte IORT (intraoperative Bestrahlung). Bis auf wenige Ausnahmen beziehungsweise im Rahmen von klinischen Studien ergänzt sie die Bestrahlung nach der Operation und verkürzt deren Zeit, ersetzt diese aber nicht. Die intraoperative Strahlentherapie erfolgt direkt nach der Entfernung des Tumors und vor dem Verschließen der Wunde. Die Strahlenquelle wird direkt in das verbliebene Tumorbett gebracht, das mit einer sehr hohen Dosis (Boost) bestrahlt wird. Nach der Wundheilung schließt sich die Bestrahlung der gesamten Brust an.
Bevor bei Ihnen eine Strahlentherapie durchgeführt wird, fragen Sie Ihren Arzt alles, was für Sie in dieser Situation wichtig ist.
Einige Beispiele
- Warum brauche ich eine Bestrahlung?
- Wann beginnt die Therapie, wann endet sie?
- Wie werde ich mich dabei fühlen?
- Welche Nebenwirkungen kann die Bestrahlung haben?
- Hat die Bestrahlung Spätfolgen für mich?
- Was kann ich während der Therapie tun, um mich besser zu fühlen?
- Was muss ich vermeiden?
- Wie werde ich wissen, ob die Therapie wirkt?
- Kann ich während der Bestrahlung meinem gewohnten Lebensalltag nachgehen?
Trotz sorgfältiger Therapieplanung und -durchführung müssen Sie dabei mit eventuell auftretenden, unerwünschten Begleitreaktionen rechnen. Dies hängt zum Beispiel von der Größe der Brust ab.
Die akuten Reaktionen gehen im Allgemeinen innerhalb der ersten drei Monate nach Abschluss der Strahlentherapie zurück.
Bei den unerwünschten Nebenwirkungen spielen unter anderem auch Ihre Lebensgewohnheiten eine große Rolle, ob Sie zum Beispiel rauchen oder Alkohol trinken. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt.
Wie läuft die Strahlentherapie ab?
- In der Regel an fünf Tagen in der Woche (montags bis freitags).
- Bis Sie richtig liegen und die eigentliche Bestrahlung vorbei ist, dauert es nur wenige Minuten.
- Insgesamt erhalten Sie etwa 15 bis 16 Bestrahlungen mit einer Strahlendosis von 40 bis 43,5 Gy; die gesamte Behandlung dauert etwa drei Wochen.
- Die Bestrahlung startet in der Regel vier bis acht Wochen nach der Operation.
- Wird die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert, kann diese vor, während oder auch nach der Strahlentherapie stattfinden. Ihr Arzt wird dies mit Ihnen besprechen.
- Soll neben der Bestrahlung eine Antihormontherapie erfolgen, kann diese jederzeit unabhängig von der Bestrahlung stattfinden.
- Ist eine Antikörpertherapie geplant, kann diese bereits während der Bestrahlung erfolgen. Wenn auch Lymphknoten entlang des Brustbeins bestrahlt werden, legt das behandelnde Ärzteteam die genaue Reihenfolge individuell für Sie fest.
Die Therapie kann überwiegend ambulant erfolgen, das heißt Sie brauchen nur zur Bestrahlung in die Klinik zu kommen und können anschließend wieder nach Hause gehen. Wird die Strahlentherapie bei metastasiertem Brustkrebs mit einer Chemotherapie kombiniert oder treten stärkere Nebenwirkungen auf, kann es aber sein, dass ein Teil der Behandlung stationär erfolgt. Der behandelnde Arzt wird dies individuell mit Ihnen absprechen.
Weitere ausführliche Informationen zur Strahlentherapie finden Sie hier.
Systemische Therapien bei Brustkrebs
Da im Körper noch Tumorzellen zurückbleiben können, werden diese bei Brustkrebs – ergänzend zu Operation und Strahlentherapie – eventuell auch durch Medikamente bekämpft, die sich im gesamten Körper verteilen (systemisch wirken). Welche Behandlung gewählt wird, hängt unter anderem davon ab, ob es sich um eine vorbeugende Therapie handelt, ob nachgewiesene Metastasen erreicht werden sollen oder ob der Tumor hormonempfindlich ist.
Bei großen Tumoren oder wenn Lymphknoten in der Achselhöhle befallen sind (axillärer Lymphknotenbefall), wird meist bereits vor der Operation eine Chemotherapie (neoadjuvant) eingesetzt. Bei ursprünglich großen Geschwülsten lässt sich mithilfe dieser neoadjuvanten Chemotherapie zum Teil die Rate an brusterhaltenden Operationen erhöhen und das Ausmaß der Achselhöhlenoperation reduzieren. Wird der Tumor unter dem Einfluss der systemischen Therapie kleiner, zeigt das außerdem, dass die Tumorzellen auf die Behandlung ansprechen. Dies ist auch ein Zeichen für einen günstigen Verlauf. Daher wird in den meisten Brustzentren, wenn eine Chemotherapie verabreicht werden soll, diese bereits vor einer Operation gegeben. Sie haben auf diese Weise auch mehr Zeit, sich mit der anschließenden Operation und eventuell notwendigen Entscheidungen zu beschäftigen.
Auch vor einer systemischen Therapie eines Mammakarzinoms stellen sich Ihnen viele Fragen. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, damit Sie vor der Behandlung wissen, was mit Ihnen passiert.
Fragen vor der systemischen Behandlung
- Welche systemische Therapie werde ich erhalten (Chemo-, Hormon-, Immun- und / oder Antikörpertherapie)?
- Warum brauche ich diese Behandlung?
- Wie wird sie durchgeführt?
- Welche Medikamente werde ich erhalten und wie?
- Werde ich stationär behandelt oder erfolgt die Therapie ambulant?
- Wie wird es mir mit dieser Behandlung gehen?
- Welche Nebenwirkungen können auftreten?
- Was kann ich gegen Nebenwirkungen tun?
- Wie lange dauert die Behandlung?
- Welche Langzeitwirkungen können auftreten?
- Gibt es Alternativen zur vorgeschlagenen Therapie?
- Wäre in meinem Fall die Teilnahme an einer klinischen Studie sinnvoll?
Antihormontherapie (endokrine Therapie)
Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die Mammakarzinome bei Frauen hormonabhängig sind, das heißt, dass bei diesen Tumoren das Wachstum durch Hormone und Antihormone beeinflusst werden kann.
Ob ein Tumor wirklich hormonabhängig ist, lässt sich dadurch ermitteln, wie viele Hormonrezeptoren auf der Tumorzelle vorhanden sind. Trifft dies auf zehn Prozent oder mehr der Brustkrebszellen zu, wird der Tumor als hormonempfindlich eingestuft. Das bedeutet einerseits, dass die Krebszellen durch Hormone zum Wachstum angeregt werden, andererseits lässt sich ihr Wachstum stoppen oder verlangsamen, wenn ihnen diese Hormone entzogen werden.
Als Antihormontherapien (endokrine Therapien) stehen heute verschiedene Medikamente bei Brustkrebs zur Verfügung.
Formen der Antihormontherapie bei Brustkrebs
- Ausschaltung der Eierstockfunktion: Dazu können die Eierstöcke operativ entfernt (Ovarektomie) werden. Alternativ gibt es zu diesem Zweck Medikamente, sogenannte GnRH-Analoga (GnRH = Gonadotropin-Releasing-Hormon). Darunter versteht man künstlich hergestellte Wirkstoffe, die dem Hormon gleichen, das die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) produziert und das die Östrogenproduktion der Eierstöcke steuert. Die Medikamente führen dazu, dass die Funktion der Eierstöcke unterdrückt wird und so keine Hormone mehr gebildet werden. Die Unterdrückung der Eierstockfunktion oder die operative Entfernung der Eierstöcke wird in der Regel nicht als alleinige endokrine Therapie genutzt, sondern meist in Kombination mit Tamoxifen oder einem Aromatasehemmer (siehe nachfolgend).
- Antiöstrogenbehandlung: Bestimmte Tumorzellen haben Empfangszellen (Rezeptoren), die auf Östrogen reagieren und die Zelle zum Wachstum anregen. Antiöstrogene blockieren diese Funktion.
- Mit Tamoxifen: Dieser Östrogenrezeptormodulator blockiert die Bindungsstellen für Östrogen auf den Tumorzellen. Dadurch wird das Tumorwachstum verlangsamt oder vollständig gehemmt.
- Mit Fulvestrant: Bindet an den Bindungsstellen für Östrogen, sodass die Wirkung des Östrogens vermindert wird. Gleichzeitig wird der Komplex aus Fulvestrant und Östrogenrezeptor abgebaut. Dadurch sinkt die Anzahl und Dichte an Östrogenrezeptoren auf der Tumoroberfläche. Fulvestrant wird als Spritze verabreicht.
- Mit Elacestrant: Auch dieser Wirkstoff ist ein sogenannter Östrogenrezeptor-Abbauer (SERD). Er blockiert und baut den Östrogenrezeptor in den Krebszellen ab. Dadurch wird verhindert, dass Östrogen das Tumorwachstum weiter fördert. Im Gegensatz zu Fulvestrant wird es als Tablette eingenommen.
- Sowohl Fulvestrant als auch Elacestrant werden bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Brutkrebs eingesetzt.
- Gabe von Aromatasehemmern: Vor Eintritt der Wechseljahre werden Östrogene vor allem in den Eierstöcken produziert. Nach Ende der Wechseljahre (Postmenopause), also nach dem Ausfall der Eierstockfunktion, bewirkt das Enzym Aromatase die körpereigene (endogene) Bildung von Östrogenen vor allem im Fettgewebe. Aromatasehemmer blockieren dieses Enzym und damit die körpereigene Bildung von Östrogen. Aromatasehemmer sind für Frauen in der Postmenopause (siehe unten) geeignet. Vor Beginn der Wechseljahre (Prämenopause) dürfen diese nur dann gegeben werden, wenn die Eierstöcke durch eine Operation entfernt wurden oder ihre Funktion medikamentös mit einem GnRH-Analogon unterdrückt wird. Dies ist vor allem eine Option für Frauen mit einem hohen Risiko für einen Rückfall.
Welche Behandlung für Sie infrage kommt, hängt von Ihren ganz persönlichen Voraussetzungen ab, zum Beispiel davon, ob Sie vor oder nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkrankt sind. Vor Eintritt der Wechseljahre werden in der Regel die Hormonrezeptoren blockiert, und zwar mit Tamoxifen. Häufig wird zusätzlich die Eierstockfunktion mit einem GnRH-Analogon unterdrückt. Bei hohem Rückfallrisiko wird statt Tamoxifen ein Aromatasehemmer in Kombination mit GnRH eingesetzt. Nach Ende der Wechseljahre können sowohl Aromatasehemmer als auch Antiöstrogene, die den Hormonrezeptor blockieren, gegeben werden. Ihr Arzt legt die Art und Dauer der Therapie des Mammakarzinoms individuell fest. Es kann eine Substanz gegeben werden oder es werden beide Substanzen nacheinander verabreicht.
Was sind mögliche Nebenwirkungen einer Antihormontherapie?
Unter den endokrinen Therapien bei Brustkrebs kann es zu Nebenwirkungen kommen:
- Typische Beschwerden der Wechseljahre, wie beispielsweise Hitzewallungen und Schlafstörungen, da die eingesetzten Medikamente die Wirkung der körpereigenen Geschlechtshormone beeinflussen.
- Bei Tamoxifen können zusätzlich Blutgerinnungsstörungen (Thrombosen) und Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut bis hin zum Gebärmutterschleimhautkrebs auftreten.
- Durch Fulvestrant kann es unter anderem zu Schwäche, Übelkeit und Hitzewallungen kommen.
- Bei Aromatasehemmern können zum Beispiel Gelenkbeschwerden auftreten, auch die Knochendichte kann abnehmen.
Hinweis: Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, was unter der jeweiligen Therapie zu beachten ist, wie Sie Nebenwirkungen vorbeugen können und welche Kontrolluntersuchungen erforderlich sind.
Die Hormontherapie ist im Vergleich zur Chemotherapie verhältnismäßig nebenwirkungsarm. Für Frauen, bei denen die Wechseljahre noch nicht eingetreten sind, kann die Therapie jedoch dazu führen, dass sie von heute auf morgen mit den für die Wechseljahre typischen Erscheinungen konfrontiert werden, also mit aufsteigender Hitze (Hitzewallungen) und Schweißausbrüchen, trockenen Schleimhäuten – auch im Genitalbereich – und einem verringerten sexuellen Verlangen (Libidoverlust). Das hängt hauptsächlich damit zusammen, dass die Östrogene fehlen. Wenden Sie sich mit allen Fragen und Problemen in diesem Zusammenhang vertrauensvoll an Ihren Arzt, er wird Sie beraten und wissen, wie er Ihnen helfen kann.
Wichtig: Unter einer endokrinen Therapie von Brustkrebs ist für Frauen, die noch schwanger werden können, eine sichere Verhütung notwendig. Hormonell wirkende Mittel (Pille, Dreimonatsspritze, Gestagenimplantate, Hormonspirale) sind nicht geeignet. Prinzipiell kann eine nicht-hormonelle Spirale (IUD) eingesetzt werden. Besprechen Sie die verschiedenen Möglichkeiten der Empfängnisverhütung mit Ihrem Frauenarzt.
Chemotherapie
Es kann sein, dass mit der Operation nicht alle Krebszellen entfernt werden konnten – entweder, weil bereits einige Zellen über die Lymph- oder Blutbahn im Körper verstreut sind oder weil sich bereits Tochtergeschwülste in entfernten Organen gebildet haben. Dann kann eine Chemotherapie notwendig sein. Sofern eine Heilung der Erkrankung möglich ist und es sich um eine vorsorgliche Chemotherapie handelt, spricht man von einer (neo-)adjuvanten Therapie. Falls Metastasen vorliegen und eine Heilung nicht möglich ist, bezeichnet man diese als palliative Chemotherapie. In diesen Fällen kann eine Chemotherapie die fortgeschrittene Erkrankung stabilisieren, die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung erhöhen.
Hinweis: Heute wird eine Chemotherapie meistens schon vor der Operation (neoadjuvant) gegeben; denn im Vergleich zur adjuvanten Gabe lässt sich mit der neoadjuvanten Behandlung auch direkt beurteilen, ob der Tumor auf die Medikamente anspricht.
Größere Brusttumoren können auf diese Weise verkleinert werden, sodass sie dann möglichst auch brusterhaltend operiert werden können. Das Ansprechen auf eine neoadjuvante Chemotherapie kann für die Wahl der weiteren medikamentösen Behandlung und für die Prognose der Erkrankung wichtig sein. Sie brauchen nicht zu befürchten, dass die verzögerte Operation Ihre Heilungschancen negativ beeinflusst. Während einer neoadjuvanten Therapie wird der Tumor in der Brust in regelmäßigen Abständen – meist mit Ultraschall – untersucht und vermessen, um das Ansprechen zu beurteilen.
Zielgerichtete (targeted) und mutationsbasierte Therapie
Während die meisten Chemotherapeutika unspezifisch auf alle Körperzellen wirken, greifen neuere Substanzen ganz gezielt nur die Krebszellen an. Sie richten sich gegen Merkmale oder genetische Veränderungen, die sich nur in Tumorzellen finden oder die bei ihrem Wachstum von Bedeutung sind.
Zielgerichtete Therapien (englisch targeted therapies) wirken gegen Botenstoffe von bösartigen Zellen, blockieren Rezeptoren für diese Botenstoffe auf der Zelloberfläche oder hemmen Signalwege innerhalb der Zellen.
Meist werden zielgerichtete Therapien mit einer endokrinen Behandlung oder einer Therapie mit Zellgiften (zytotoxische Substanzen) kombiniert. Damit zielgerichtete Therapien eingesetzt werden können, muss vor Beginn der Therapie meist geprüft werden, ob die jeweiligen Zielstrukturen auf der Zelloberfläche oder im Zellinneren vorhanden sind. Dazu werden die Krebszellen genau untersucht und deren Merkmale bestimmt.
Die mutationsbasierten Therapien werden nur dann eingesetzt, wenn spezifische genetische Veränderungen im Tumor oder Blut nachgewiesen werden. Hierzu sind molekulargenetische Untersuchungen notwendig. Meist werden mutationsbasierte Behandlungen mit einer endokrinen Therapie kombiniert.
Zielgerichtete und mutationsbasierte Therapien sind insgesamt oft verträglicher, haben dafür aber manchmal spezifische Nebenwirkungen, wie beispielsweise Veränderungen des Blutzuckers. Ihr Behandlungsteam wird sie mit Ihnen besprechen.
Alt & Title: Zielgerichtete Therapien bei Brustkrebs
HER2-zielgerichtete Antikörpertherapie bei Brustkrebs
Bei 60 bis 80 Prozent aller Brustkrebserkrankungen kann auf den Tumorzellen ein Oberflächenmarker, der HER2-Rezeptor (HER2), nachgewiesen werden. Je nachdem wie häufig sich der Rezeptor auf der Tumorzelle findet, unterscheidet man unterschiedliche Kategorien. HER2-0-Patientinnen zeigen keine Oberflächenmarker. Dies bedeutet, dass der Brustkrebs nicht zielgerichtet behandelt werden kann.
Im Falle von Patientinnen mit HER2 1+ oder 2+ mit FISH negativ spricht man von HER2-low. Betroffene Patientinnen haben wenige ausgebildete HER2-Oberflächenmarker. Beim langsam verlaufenden (chronischen) Brustkrebs können hier sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate eingesetzt werden, die gegen HER2 gerichtet sind (siehe unten). Mit der sogenannten FISH‑Methode wird untersucht, ob das HER2‑Gen im Tumor vermehrt vorhanden ist. Ist der FISH‑Test negativ, liegen keine zusätzlichen Kopien des HER2‑Gens vor. Der Tumor produziert deshalb nicht dauerhaft viel HER2.
Wenn nur sehr wenige Krebszellen (weniger als 10 Prozent) den Oberflächenmarker HER2 auf ihrer Oberfläche tragen, spricht man von HER2-ultralow. Formal werden Patientinnen weiterhin als HER2 0 eingeordnet (klassifiziert).
Wird HER2 stark ausgebildet (exprimiert), bezeichnet man die Patientinnen als HER2-positiv. In diesen Fällen ergibt sich in der heilbaren (kurativen) Situation die Möglichkeit, zusätzlich zur Chemotherapie eine gezielte Antikörpertherapie einzuleiten. Hierzu erhält die Betroffene bestimmte Antikörper über die Vene. Durch die Bindung des Antikörpers an bestimmten Oberflächenrezeptoren des Tumors, wird dessen Wachstum gehemmt. Gleichzeitig wird das körpereigene Immunsystem aktiviert, die Brustkrebszellen anzugreifen.
Ist der Brustkrebs heilbar, kann die Kombination mit einer Chemotherapie das Risiko eines Rückfalls senken. Sie kann vor oder nach einer Operation eingesetzt werden. Ist der Brustkrebs weiter fortgeschritten und hat bereits Metastasen im Körper gebildet, können Antikörper in Kombination mit einer palliativen Chemotherapie zur Lebensverlängerung beitragen. Auch besteht in diesem Fall die Möglichkeit, sogenannte Antikörper-Wirkstoff- Konjugate einzusetzen, die gegen HER2 gerichtet sind.
Die meisten Frauen mit einem Mammakarzinom vertragen diese besondere Therapieform im Allgemeinen recht gut. Mit den ersten Infusionen können grippeähnliche Symptome auftreten, da das körpereigene Abwehrsystem angeregt wird. Die Herzfunktion muss besonders beobachtet werden, denn die Kombination der Immuntherapie mit bestimmten Chemotherapeutika kann dazu führen, dass der Herzmuskel geschwächt wird. Deshalb ist es notwendig, das Herz vor und während der Therapie regelmäßig zu untersuchen.
In der Therapie von HER2-positivem Brustkrebs werden vor allem die beiden HER2-Antikörper Trastuzumab und Pertuzumab eingesetzt. Trastuzumab kann allein oder aber in Kombination mit Pertuzumab eingesetzt werden, während Pertuzumab immer in Kombination mit einem weiteren Antikörper verabreicht wird.
Antikörper-Wirkstoff-Konjugat
Neu in der Therapie von Brustkrebs sind die Antikörper-Wirkstoff- Konjugate. Der Antikörper wird mit Chemotherapiemolekülen beladen und transportiert das Medikament direkt an die Tumorzelle des Mammakarzinoms, die den entsprechenden Rezeptor auf der Oberfläche trägt. Dadurch kann der Wirkstoff in die Krebszelle gelangen und dort seine Wirkung entfalten.
Derzeit werden Trastuzumab-Emtansin (T-DM1; bei HER2-positiv), Trastuzumab-Deruxtecan (bei HER2-positiv und HER2-low) sowie Sacituzumab-Govitecan (bei hormonrezeptorpositiv und tripel-negativ) eingesetzt. Ebenfalls eingesetzt wird Datopotamab‑Deruxtecan (bei hormonrezeptorpositiv oder HER2 negativ). Die Nebenwirkungen dieser Therapien sind geringer als bei einer herkömmlichen Chemotherapie. In der Regel werden die Medikamente gut vertragen.
Weitere zielgerichtete Therapien bei Brustkrebs
Andere Behandlungsformen der zielgerichteten Therapien bei Brustkrebs hemmen das Gefäßwachstum der Tumorzellen (Angiogenese- Hemmer, VEGF-Antikörper) oder das Wachstum der Zellen selbst, indem sie deren Signalwege stören (PARP-Hemmer, Tyrosinkinasehemmer, mTOR-Hemmer, CDK 4/6-Hemmer). Eingesetzt werden sie meist beim metastasierten Brustkrebs und bei Patientinnen mit einem hohem Rückfallrisiko, bei denen jedoch Aussicht auf eine Heilung der Erkrankung besteht.
VEGF-Antikörper
Diese Antikörper hemmen den Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) und blockieren dadurch die Gefäßneubildung und damit die Versorgung des Tumors. Auch bilden sich Blutgefäße des Tumors wieder zurück. In der Therapie von Brustkrebs kann dazu der Antikörper Bevacizumab in Kombination mit einer Chemotherapie bei fortgeschrittenem metastasiertem Brustkrebs eingesetzt werden.
Auch bei den VEGF-Antikörpern sind die auftretenden Nebenwirkungen sehr unterschiedlich und können verschiedene Bereiche des Körpers betreffen. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen im Rahmen der Behandlung eines Mammakarzinoms zählen Bluthochdruck und erhöhte Eiweißausscheidung. Es ist daher wichtig, Beschwerden zeitnah an das Behandlungsteam zu berichten.
Tyrosinkinasehemmer
In jeder Körperzelle werden Wachstum, Vermehrung und auch das Absterben der Zelle über viele verschiedene Signalwege gesteuert. Sogenannte Tyrosinkinasen spielen hier als Schalter oftmals eine wichtige Rolle. Diese körpereigenen Enzyme schalten Signalwege innerhalb der Zelle an und ab und regulieren auf diese Art den Lebenszyklus der Zelle. Auch in Krebszellen kommen Tyrosinkinasen vor. Bei einigen Tumoren sind die Tyrosinkinasen übermäßig aktiv und geben ständig Wachstumssignale weiter. Infolgedessen teilen sich diese Tumorzellen häufig und der Tumor wächst.
Mithilfe der Tyrosinkinasehemmer (Tyrosinkinase-Inhibitor, TKI) kann in diese Signalkette der Tumorzellen eingegriffen werden. Da es sich um eher kleine Substanzen handelt, welche gut in die Tumorzelle hineingelangen können, tragen sie auch den Namen Kleine Moleküle (Small Molecules). Sie dringen in die Zelle ein, hemmen dort bestimmte Tyrosinkinasen und damit auch die Signalübertragung in der Zelle. Auch stören einige der TKIs die Neubildung von Blutgefäßen, die der Tumor für seine Versorgung braucht. Durch die Wirkung dieser Hemmstoffe kann das Wachstum der Krebszellen für eine gewisse Zeit aufgehalten werden, in Einzelfällen können auch langanhaltende Therapieeffekte erreicht werden.
In der Therapie von Brustkrebs bei Frauen mit fortgeschrittener Erkrankung und Metastasen wird der Wirkstoff Lapatinib sowie Tucatinib eingesetzt. Diese blockieren die Weiterleitung von Wachstumssignalen durch HER2 und verhindern dadurch die weitere Zellteilung und damit das Gewebewachstum. Patientinnen mit einem heilbaren hormonrezeptor-positivem, HER2-positivem Brustkrebs kann nach Abschluss der Antikörpertherapie zusätzlich der Wirkstoff Neratinib angeboten werden.
Die Nebenwirkungen der Tyrosinkinasehemmer sind je nach Wirkstoff unterschiedlich. Diese sind beispielsweise Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit. In der Regel sind sie jedoch geringer ausgeprägt als bei einer chemotherapeutischen Behandlung.
PARP-Hemmer
Mithilfe von sogenannten PARP-Hemmern wird das Enzym PARP (Poly-ADP-Ribose-Polymerase) blockiert. Dies führt dazu, dass Reparatur-Mechanismen der Krebszellen verhindert werden. Die Krebszellen können sich nicht mehr selbst reparieren und sterben ab. PARP-Hemmer wirken nur bei Frauen mit familiärem Brustkrebs, die eine Mutation den Brustkrebsgenen BRCA1 oder 2 tragen. Daher muss vor Beginn einer Behandlung mit PARP-Hemmern geprüft werden, ob eine solche Mutation vorliegt. PARP-Hemmer werden zum einen als Erhaltungstherapie nach einer Chemotherapie eingesetzt, wenn Frauen ein hohes Risiko für einen Rückfall haben. Weiterhin kommen sie bei metastasierten Patientinnen als alleinige Therapie zum Einsatz.
Eingesetzt werden bei Brustkrebs die Wirkstoffe Olaparib und Talazoparib.
Auftretende Nebenwirkungen sind von Frau zu Frau sehr verschieden. Es ist daher wichtig, Beschwerden zeitnah an das Behandlungsteam zu berichten. Gegen viele Nebenwirkungen gibt es Medikamente und andere Hilfe, die Sie unterstützen können.
mTOR-Hemmer
Das Protein mTOR ist eine sogenannte Serin/Threonin-Kinase. mTOR spielt eine zentrale Rolle in unterschiedlichen Signalwegen, die das Wachstum, die Teilung und auch das Überleben von Zellen steuern. Bei einigen Krebsarten ist mTOR sehr aktiv, sodass der Tumor stärker wachsen kann.
Der mTOR-Hemmer Everolimus richtet sich gegen diese bestimmten Eigenschaften der Krebszelle. Durch die Bindung an einen bestimmten Eiweißbaustein verhindert Everolimus, dass der Krebs wächst und sich weiter ausbreitet.
Eingesetzt wird das Medikament beim Mammakarzinom in Kombination mit einer Antihormontherapie bei hormonempfindlichem metastasiertem Brustkrebs nach Versagen einer endokrinen Kombinationstherapie.
CDK4/6-Hemmer
Eine weitere Gruppe der zielgerichteten Therapien bei Brustkrebs bilden die CDK4/6-Hemmer. Sie gehören zu den sogenannten Proteinkinase-Hemmstoffen. Proteinkinasen sind verschiedene Enzyme, die in normalen Zellen, aber auch in Tumorzellen vorkommen. CDK4/6-Hemmer beeinflussen gezielt die Cyclin-D abhängigen Kinasen CDK4 und 6, die die Zellteilung mit anregen. Bei manchen Krebsarten sind CDK4 und CDK6 besonders aktiv und führen zur Vermehrung der Krebszellen. Dies zeigt sich vor allem in Hormonrezeptor-positiven Brustkrebszellen.
CDK4/6-Hemmer hemmen gezielt diese Proteinkinasen und stören damit die Zellteilung der Tumorzellen. Der Tumor wächst langsamer oder das Wachstum wird gestoppt.
In der Therapie von metastasiertem Brustkrebs werden folgende Medikamente eingesetzt: Palbociclib, Abemaciclib und Ribociclib. Sie werden immer in Kombination mit einer endokrinen Therapie gegeben. Man spricht daher auch von einer endokrinen Kombinationstherapie. Je nach Wirkstoff wird CDK4 oder CDK6 stärker gehemmt. Daher unterscheiden sich die Präparate etwas in ihrer Wirksamkeit und in den Nebenwirkungen.
CDK 4/6 Hemmer können auch in der heilbaren Situation in der Erhaltungstherapie bei Frauen mit einem hohem Rückfallrisiko eingesetzt werden. Ziel der Erhaltungstherapie ist es, den Behandlungserfolg aufrecht zu erhalten und einen Krankheitsrückfall zu vermeiden. Der Wirkstoff Abemaciclib wird in dieser Situation zwei Jahre verabreicht, während Ribociclib drei Jahre gegeben wird.
Da CDK4/6-Hemmer nicht nur die Krebszellen beeinflussen, sondern auch die gesunden Zellen (vor allem bei sich schnell teilenden Zellen), können verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Das betrifft unter anderem Veränderungen im Blutbild, den Magen-Darm-Bereich, Reaktionen der Haut oder Haare wie Ausschlag oder Haarausfall, Anstieg der Leberenzyme oder Veränderungen der Herzaktivität.
Nebenwirkungen von CDK4-/6-Hemmern sind weniger schwerwiegend als Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Meist lassen sie nach, sobald die Dosis des Medikaments verringert oder die Einnahme kurzzeitig pausiert wird.
Auch lassen sich Nebenwirkungen meist gut behandeln. Je früher die Behandlung einsetzt, desto schneller können Beschwerden verringert oder verkürzt werden. Es ist daher selten nötig, die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen abzubrechen.
Immuncheckpoint-Hemmer
Sogenannte Immuncheckpoints sind bestimmte Kontrollpunkte des Immunsystems. Sie bestehen aus Eiweißen, die von bestimmten Immunzellen gebildet werden. Zu diesen gehören unter anderem die Eiweiße PD-1 und CTLA-4. Die Aufgabe dieser Kontrollpunkte ist es, die Immunantwort zu dämpfen oder zu stoppen. Damit wird verhindert, dass das Immunsystem auch eigene Körperzellen angreift (Autoimmunreaktion) und dadurch gesunde Zellen geschädigt werden.
Krebszellen nutzen die Eigenschaft dieser Kontrollpunkte des Immunsystems für ihre eigene Ausbreitung. Sie können Eiweiße auf ihrer Oberfläche ausbilden, die an den Kontrollpunkten auf den Immunzellen andocken. Ein Beispiel für ein solches Eiweiß ist PD-L1. Es besetzt die PD-1-Bindestelle auf Immunzellen. Dadurch wird eine Immunantwort gegen den Tumor verhindert. Die Krebszellen entziehen sich auf diesem Weg der Immunabwehr und können ungehindert wachsen.
Immuncheckpoint-Hemmer gehören zu den Antikörpern. Sie erkennen und binden an die Kontrollpunkte auf den Immunzellen oder auch an die Eiweiße auf den Krebszellen (Liganden). Durch diese Bindung werden die Kontrollpunkte blockiert und die Krebszellen können sie nicht mehr besetzen. Gleichzeitig wird die körpereigene Immunabwehr gegen die Krebszellen angekurbelt.
Damit Ihre behandelnden Ärzte vorab beurteilen können, wie gut Sie auf eine Therapie mit Immuncheckpoint-Hemmern ansprechen, können verschiedene Marker an einer Probe des Tumors bestimmt werden. Dies ist allerdings nur notwendig, wenn es sich um einen metastasierten Brustkrebs handelt. So kann vermieden werden, dass Sie mit einem Medikament behandelt werden, dass bei Ihnen möglicherweise nicht wirkt. Auch unnötige Nebenwirkungen bleiben Ihnen so erspart.
Finden sich weder Östrogen- und Progesteronrezeptoren noch der Wachstumsfaktor HER2 auf der Oberfläche des Tumors, spricht man von einem triple-negativen Brustkrebs. Diese Brustkrebsart gilt als besonders aggressiv, da wichtige Angriffspunkte für eine Behandlung fehlen. Helfen können im fortgeschrittenen Stadium dieser Krebsform verschiedene Immuncheckpoint-Hemmer. Sie kurbeln das Immunsystem an, sodass die Krebszellen erkannt und bekämpft werden können.
Hierzu gehören Atezolizumab und Pembrolizumab. Beide Medikamente werden als Infusion verabreicht. Wirken können sie nur dann, wenn PD-L1 auf der Tumorzelle nachgewiesen werden konnte. Auch beim heilbaren Brustkrebs kann Pembrolizumab verabreicht werden. In diesem Fall ist es nicht notwendig, den PD-1L-Status zu bestimmen.
Bei der Therapie mit Immuncheckpoint-Hemmern können Nebenwirkungen in allen Bereichen des Körpers auftreten. Da die Medikamente den körpereigenen Schutz gegen Immunreaktionen blockieren, wird eine sogenannte Autoimmunreaktion ausgelöst. Das bedeutet, dass sich das Immunsystem zum Teil gegen eigene Zellen und eigenes Gewebe richtet. Nebenwirkungen können unmittelbar aber auch Wochen oder Monate später auftreten. Das ist bei den Betroffenen sehr unterschiedlich.
Betroffen sein können unter anderem die Haut, der Magen-Darm- Bereich oder das Hormonsystem. Auch ein insgesamt gestörtes Allgemeinbefinden mit Fieber, starker Erschöpfung (Fatigue) und Schwindel können auftreten.
Vor Start der Therapie mit Immuncheckpoint-Hemmern sollten keine Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, wie beispielsweise Kortison, in höheren Dosen eingenommen oder verabreicht werden. Alle Medikamente sollten vorab von Ihrem behandelnden Arzt auf mögliche Wechselwirkungen überprüft werden.
Hinweis: Lassen Sie sich vor Behandlungsbeginn über mögliche Nebenwirkungen beraten. Nebenwirkungen der zielgerichteten Therapien fallen bei den betroffenen Patientinnen sehr unterschiedlich aus. Daher ist es wichtig, dass Sie bei Beschwerden Ihr behandelndes Ärzteteam rasch benachrichtigen. Gegen viele Nebenwirkungen gibt es unterstützende Medikamente, die Ihnen Erleichterung verschaffen.
Mutationsbasierte Therapien
Mittlerweile gibt es Medikamente, die nur wirken können, wenn entsprechende Mutationen im Tumor vorliegen. In der Regel finden diese derzeit nur Anwendung, wenn der Brustkrebs nicht mehr geheilt werden kann.
Befindet sich eine Mutation im Östrogenrezeptor (ESR1- Mutation), können die Patientinnen mit dem Östrogenrezeptormodulator Elacestrant behandelt werden. Die Mutation wird in der Regel im Blut bestimmt.
Genetische Veränderungen im PIK3CA / AKT / PTEN-Gen können ebenfalls therapeutisch genutzt werden, wenn bereits Metastasen aufgetreten sind. Patientinnen profitieren von einer Therapie mit dem AKT-Hemmer Capivasertib in Kombination mit Fulvestrant. Die Mutationen werden in der Regel im Tumorgewebe nachgewiesen.
Lindernde (palliativmedizinische) Behandlung
Ist die Erkrankung so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr heilbar ist, kann die lindernde (palliative) Behandlung für die Betroffenen noch sehr viel tun, damit es ihnen in der ihnen verbleibenden Lebenszeit, die auch jahrelang sein kann, gutgeht.
Befinden sich Betroffene mit Brustkrebs im fortgeschrittenen palliativen Stadium, wird in der Regel eine systemische medikamentöse Therapie eingesetzt, um die Erkrankung zu stabilisieren.
Welche Therapie für Sie infrage kommt, besprechen in der Regel Ärzte aus verschiedenen Fachgruppen in einem gemeinsamen Tumorboard. Je nach Tumorart und Nachweis von genetischen Änderungen des Tumors, können verschiedene Therapien zum Einsatz kommen. Möglich sind beispielsweise eine Chemotherapie, eine endokrine Kombinationstherapie, oder auch Antikörper-Wirkstoff-Konjugate.
In seltenen Fällen wird zusätzlich eine Strahlentherapie oder Operation zur lokalen Kontrolle von Rezidiven ergänzt. Bei Metastasen in den Knochen werden zusätzlich knochenstärkende Medikamente gegeben.
Alle drei Monate wird überprüft, ob die verabreichten Medikamente wirken. Lässt die Wirkung nach oder zeigen sie nicht die gewünschte Wirkung, kann so frühzeitig die Behandlung angepasst werden. Bei vielen Patientinnen kann auf diesem Weg die Erkrankung über lange Zeit stabil gehalten werden, sodass sie im Alltag kaum Einschränkungen haben.
Schmerztherapie
Viele Betroffene mit Brustkrebs leiden unter Schmerzen. Bei ihnen hat die Schmerztherapie Vorrang. Sie erfolgt am besten unter der Aufsicht eines darauf spezialisierten Arztes.
Hinweis: Die moderne Medizin bietet heute zahlreiche und sehr wirksame Möglichkeiten, Betroffene dauerhaft von ihren Schmerzen zu befreien und ihre Lebensqualität damit wesentlich zu verbessern. Angst vor Schmerzmitteln und eventuell auftretenden Nebenwirkungen brauchen Sie nicht zu haben.
Die Experten empfehlen, Schmerzmedikamente dauerhaft in einem festen zeitlichen Abstand einzunehmen und nicht erst dann, wenn der Schmerz schon eingetreten ist. Die Medikamente werden als Tropfen, Tabletten, Zubereitungen mit verzögerter Freisetzung (Retardpräparate) oder Schmerzpflaster angeboten. Letztere setzen die schmerzlindernden Wirkstoffe beständig über zwei bis drei Tage frei. Die Medikamente können die Betroffenen selbstständig (zu Hause) einnehmen.
Um Sie auf die Schmerzmedikamente gut einzustellen – zum Beispiel entsprechend dem WHO-3-Stufenplan –, ist eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ihrem Arzt erforderlich. Schmerzambulanzen und Palliativstationen, die es an vielen Kliniken in Deutschland gibt, verfügen über besonders erfahrene Ansprechpartner auf diesem Gebiet. Die Anschriften erhalten Sie bei der Deutschen Krebshilfe.
Ausführliche Informationen zur Behandlung von Schmerzen erhalten Sie hier.
Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs
Neben den schulmedizinischen Methoden werden bei Brustkrebs auch komplementäre und alternative Behandlungsmethoden angeboten. Worin sich diese unterscheiden und auf was Sie dabei achten sollen, erfahren Sie im Artikel „Unkonventionelle Behandlungsmöglichkeiten”.
Das Lymphödem
Nach einer Operation beziehungsweise nach einer Strahlenbehandlung können bei manchen Frauen auf der betroffenen Körperseite der Arm, die Brust oder das obere Rumpfviertel anschwellen. Es entwickelt sich ein sogenanntes Lymphödem.
Wird Brustkrebs operiert, ist es wichtig, dass der Tumor und eventuell betroffene nahegelegene Lymphknoten entfernt werden. Deshalb werden im Rahmen der Operation häufig der erste ableitende Lymphknoten (Wächterlymphknoten / Sentinel) und / oder auch eine ganze Gruppe von Lymphknoten in der Achselhöhle der betroffenen Brustseite entnommen. Zwischen zwei und 30 Prozent der so behandelten Frauen entwickeln in dem betroffenen Abflussgebiet der Lymphe eine Schwellung, die im schlechtesten Fall dauerhaft bestehen bleibt.
Ein Lymphödem ist eine eiweißreiche Flüssigkeitsansammlung, die entsteht, wenn das Lymphgefäßsystem überlastet ist und nicht genügend Lymphflüssigkeit aus der Körperregion abtransportieren kann. Nach einer Brustoperation kann sich Flüssigkeit im Gewebe von Brustwand, Arm, Hand und Fingern ablagern. Diese Überlastung kann jederzeit auftreten.
Es kann aber auch sein, dass die Schwellung des Gewebes einfach nur die Folge der Operation beziehungsweise der Strahlenbehandlung ist, und nichts mit einem Lymphödem zu tun hat. Solche Schwellungen, die unmittelbar durch den Eingriff entstehen und bis zu sechs Wochen anhalten können, brauchen nicht weiter behandelt zu werden. Bestehen sie allerdings länger als sechs Wochen, informieren Sie auf jeden Fall Ihren behandelnden Arzt, damit er untersuchen kann, ob es sich um ein Lymphödem handeln könnte. Sind die Schwellungen auch nach sechs Monaten noch nicht verschwunden, liegt sehr wahrscheinlich ein Lymphödem vor.
Lymphödeme können also frühestens sechs Monate nach der Operation sicher diagnostiziert werden. Später treten sie selten auf. Wichtig ist, die ersten Merkmale einer Lymphstauung frühzeitig zu entdecken und sie nicht zu verharmlosen. Wird die Diagnose verschleppt, wird das Ödem weiter zunehmen. Die Schwellung, die anfangs noch eingedrückt werden konnte, wird dann den Umfang des betroffenen Gewebes dauerhaft vergrößern. Wurde nämlich anfangs nur Flüssigkeit im Gewebe eingelagert, nimmt später das Unterhautgewebe zu. Diese Vergrößerung lässt sich nicht mehr durch Drainage oder Kompression beseitigen.
Ob sich ein Lymphödem entwickelt oder nicht, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Sicher ist, dass eine vorbeugende Lymphdrainage zum Beispiel an einem Arm, der noch kein Anzeichen für ein Lymphödem aufweist, nicht vermeiden kann, dass ein Lymphödem auftritt. Der betroffene Arm sollte auf keinen Fall besonders geschont werden. Die Behandlung eines Lymphödems muss lebenslang erfolgen, deshalb ist es wichtig, dass am Anfang jeder Behandlung eine eindeutige Diagnose steht.
Wichtig: Bitte lassen Sie sich in Ihrer Reha nicht automatisch mit Lymphdrainage versorgen. Denn nur wenn Sie ein Lymphödem haben, brauchen Sie bei Brustkrebs eine komplexe Entstauungstherapie.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Lymphödem zu behandeln. Hierzu zählen die manuelle Lymphdrainage, Kompression, apparative Kompression und verschiedene Operationen.
Konservative Therapie
Die Basistherapie bei einem Lymphödem ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Sie besteht aus manueller Lymphdrainage, Kompressionsbandagierung, Bewegungsübungen und Atemtherapie, einer sorgfältigen (notwendigen) Hautpflege und der Aufklärung und Schulung zur Selbsttherapie. Damit die KPE möglichst erfolgreich ist, ist es wichtig, dass alle Verfahren in ihrer Gesamtheit und nicht einzeln angewendet werden.
In dieser ersten Phase soll der noch flüssige, vergrößerte Umfang so weit wie möglich verringert werden. Mithilfe der manuellen Lymphdrainage werden mithilfe einer speziellen Massagetechnik die Lymphgefäße angeregt, die Lymphflüssigkeit schneller abzutransportieren. Um das erreichte Ergebnis zu erhalten, werden anschließend elastische Kompressionsbandagen angelegt. Sie können täglich nach jeder Behandlung individuell gewickelt werden.
Hinweis: Die Maßnahmen sollten möglichst ein- bis zweimal täglich angewandt werden.
Ist das Lymphödem nach dieser ersten Phase weitestgehend zurückgedrängt worden (nach etwa drei bis sechs Wochen), so schließt sich die zweite Phase an. Diese zweite Phase unterscheidet sich von der ersten ausschließlich dadurch, dass der Arm und die Hand nach der Lymphdrainage nicht gewickelt werden, sondern ein Kompressionsarmstrumpf getragen wird.
Dieser muss maßgefertigt sein. Wenn das Ödem sich auf Hand und Finger erstreckt, ist es notwendig, hierfür auch ein Handteil zu tragen, das die Finger wie ein an den Fingerkuppen offener Handschuh einschließt. Grundsätzlich gilt, dass ein Kompressionsstrumpf oder ein Handstück nur tagsüber und nicht nachts getragen wird. Ihr notwendigen Kompressionsmaterialien erhalten Sie über ein kassenärztliches Rezept in Sanitätshäusern.
Hinweis: Wie häufig die Behandlung in dieser zweiten Phase erfolgt, richtet sich nach dem Zustand Ihrer Erkrankung.
Sie können den Rückfluss der Lymphe selbst durch Bewegungsübungen unterstützen. Es ist nicht günstig und sinnvoll, den Arm zu schonen. Andererseits sollte eine Überlastung der betroffenen Gliedmaße vermieden werden. Wo die Grenze zwischen Schonung und Überlastung für Sie liegt, zeigt Ihnen Ihr betroffener Arm quasi selbst: Gehen Sie ruhig Ihren gewohnten Arbeiten in Haushalt, Beruf und Freizeit nach. Wenn Sie allerdings merken, dass Ihre Tätigkeit dem Lymphfluss nicht förderlich ist und sich das Ödem verschlechtert, gönnen Sie Ihrem Arm eine Ruhepause.
Gezielte Bewegung fördert den Rückfluss der Lymphe. Daher ist eine Bewegungstherapie wichtiger Teil der ersten und zweiten Phase der KPE. Die Intensität richtet sich nach dem Schweregrad Ihres Lymphödems und nach Ihrem körperlichen Allgemeinzustand. Auch eine tiefe Bauchatmung unterstützt den Rückfluss der Lymphe und sollte in jede Therapie einbezogen werden.
Auch ein individuell auf Sie zugeschnittenes Trainingsprogramm sollte ab der ersten Phase der KPE eingeplant werden. Geeignete Sportarten sind beispielsweise Walken, Radfahren und moderates Krafttraining. Tragen Sie dabei möglichst Ihren Kompressionsstrumpf.
In der zweiten Phase der KPE ist ein ambulanter Rehabilitationssport für die Lymphentstauung gut geeignet. Informieren Sie sich dazu bei Ihrer Krankenkasse. Diese Kassenleistung muss vor Beginn genehmigt werden.
Übertreiben Sie Ihre sportliche Betätigung nicht! Zuviel Muskelarbeit fördert die Entstehung von Lymphflüssigkeit, die wieder abtransportiert werden muss. Zu wenig Sport hingegen bremst den Rückfluss der Lymphe. Hören Sie auf Ihren Körper und finden Sie das für Sie richtige Maß an Bewegung.
Die Haut verliert durch die Druckbehandlungen an Feuchtigkeit und Fettgehalt. Auch die Kompressionsstrümpfe trocknen die Haut aus, ganz gleich aus welchem Material sie sind, da sie Fett aufnehmen. Nachdem Sie den Strumpf abends ausgezogen haben, pflegen Sie daher die Haut regelmäßig mit rückfettenden Cremes. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt und Physiotherapeuten, welche Produkte dazu geeignet sind. Eine regelmäßige Pflege verringert das Risiko, dass in diesem Bereich der Haut Infektionen entstehen. Waschen Sie Ihren Strumpf regelmäßig mit einem handelsüblichen Feinwaschmittel, um seine Lebensdauer nicht zu beeinträchtigen und die Wirkung des Strumpfes nicht zu verringern.
Die KPE ist beschwerlich und zeitintensiv. Umso wichtiger ist es, dass Sie über die Funktionsweise des Lymphsystems und die Wirkung der verschiedenen Maßnahmen des KPE informiert sind. Schriftliche Informationen zur Behandlung und zum Umgang mit dem Lymphödem können Sie hierbei unterstützen. Empfehlenswert sind auch Schulungen zur Erkrankung und der Behandlung.
Wenn die ambulanten Maßnahmen nicht zum Erfolg führen, ist eine intensivierte Behandlung im Krankenhaus notwendig. Das gilt auch, wenn Komplikationen auftreten. Dann wird zweimal täglich Lymphdrainage durchgeführt, der Arm ist den ganzen Tag bandagiert, und Sie machen Entstauungsgymnastik. Langjährige Untersuchungen aus entsprechenden Fachkliniken belegen, dass durch die intensive Behandlung in der Regel schon nach einer Woche 75 Prozent des Ödems zurückgehen. Dennoch wird Ihre stationäre Behandlung mindestens drei Wochen dauern, damit diese Wirkung möglichst gut gehalten werden kann.
Wichtig: Kontrollieren Sie regelmäßig, dass Ihr maßgefertigter Kompressionsarmstrumpf gut sitzt. Wenn sich die Maße des Arms verändern, bekommen Sie einen neuen.
Medikamentöse Behandlung
Es gibt keine Medikamente gegen ein Lymphödem, die den Lymphabfluss verbessern. Besonders wassertreibende Medikamente dürfen zur Entstauung des Ödems nicht angewendet werden: Denn hierbei wird der Lymphe das Wasser entzogen, das Eiweiß verbleibt aber im Gewebe und führt dazu, dass sich das Lymphödem deutlich verschlechtert.
Operation
Seit vielen Jahren stehen neben diesen konservativen Maßnahmen auch operative Möglichkeiten zur Verfügung. Wenden Sie sich mit Ihren Fragen an besonders hierfür ausgebildete Lymphologen, die Sie auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e.V. bundesweit finden können, und klären Sie mit Ihrer Krankenkasse, welche Kosten übernommen werden.
Zurzeit können bei einem Lymphödem folgende Verfahren vorgeschlagen werden:
Lymphologische Liposkulptur
Bei der lymphologischen Liposkulptur bei einem Lymphödem wird Unterhautgewebe durch Besaugung entfernt. So soll die Notwendigkeit der komplexen Entstauungstherapie verringert werden. Zusätzlich soll der Umfang des Armes abnehmen, so dass beide Arme wieder möglichst gleich sind.
Das betroffene Unterhautgewebe im Arm, das aus einer Eiweiß- Zuckerhaltigen (Proteoglykan) Masse besteht, wird mit kleinsten Kanülen nahezu narbenlos entfernt. Dabei werden die Lymphgefäße und die anderen wesentlichen Strukturen weitestgehend geschont. In der Regel gelingt es, die betroffene der gesunden Seite völlig anzugleichen, sodass sich die komplexe Entstauungstherapie auf mindestens 20 Prozent des Ausgangswertes verringern lässt. Dann kann es sein, dass weder ein Strumpf getragen werden muss noch Lymphdrainage weiterhin notwendig ist.
Lymphknotentransplantation
War die lymphologische Liposkulptur nicht ausreichend erfolgreich, kommt die Übertragung (Transplantation) von Lymphknoten aus der Leistenregion in die Achselhöhle (axilläre Region) in Betracht. Hierbei wird ein Paket von Fettgewebe und Lymphknoten in die betroffene Achselhöhle eingebracht und an die Blutgefäße angeschlossen. Dieser Eingriff soll den Lymphabfluss verbessern, allerdings wird dadurch der Umfang des Arms nicht verringert.
Lymphvenöse Anastomose und Lymphanastomose
Diese beiden Verfahren sollen die Lymphgefäßstrukturen, die durch die Operation verletzt wurden, wiederherstellen. Bei der ersten Methode werden die beeinträchtigten Lymphgefäße an vorhandene Lymphgefäße oder auch an Venen angeschlossen, um den Abfluss der Lymphe zu verbessern. Auch hierbei wird der Umfang des Armes nicht abnehmen. Das zweite Verfahren soll den Rückfluss der Lymphe ebenfalls verbessern, und zwar direkt in benachbarte Venen.
Lymphgefäßtransplantation
Die Lymphgefäßtransplantation ist das älteste operative Verfahren und soll den Lymphfluss direkt beeinflussen. Die geschädigte Lymphgefäßstation in der Achselhöhle wird durch die Übertragung eines Gefäßes überbrückt, einer Bypass-Operation vergleichbar. Zu diesem Zweck wird ein gesundes Lymphgefäß aus dem Bein entfernt und im Bereich der Achselhöhle eingebracht.
Allerdings verringert auch dieser Eingriff nicht den Umfang des Arms in seinem festen Gewebe. Deshalb reicht die Transplantation allein nicht aus, um ein Lymphödem zu behandeln. Dies gilt ebenso für alle anderen Operationen an Lymphknoten und Lymphgefäßen.
Behandlung in Spezialzentren
Der Bereich der operativen Lymphologie bei einem Lymphödem ist wenigen Spezialzentren vorbehalten. Es handelt sich hierbei nicht um plastischchirurgische Eingriffe. Fragen Sie daher bitte Ihren behandelnden Lymphologen, ob in Ihrem Fall ein operativer Eingriff möglich ist und das Lymphödem verbessert werden kann.
Wenn Lymphödeme entstanden sind, ist eine Entzündung in den Lymphbahnen eine gefürchtete Komplikation. Diese Entzündung heißt in der Fachsprache Wundrose (Erysipel). Beim ersten Mal tritt immer hohes Fieber auf, und die Haut im Bereich der Schwellung ist stark gerötet. In diesem Fall müssen Sie sofort zu Ihrem Arzt gehen, denn die Entzündung muss rasch mit Antibiotika behandelt werden. Außerdem muss umgehend eine manuelle Lymphdrainage im Rahmen der komplexen Entstauungstherapie erfolgen, um den geschwollenen Arm zu entlasten. Diese Lymphdrainage darf nur durchgeführt werden, wenn Sie Antibiotika einnehmen. Kühlende Umschläge allein helfen ebenso wenig wie lokale Desinfektion und Reinigung der Haut.
Wenn sich bei Ihnen nach der überstandenen Operation ein Lymphödem entwickelt, ist dies eine Folge Ihrer Grunderkrankung beziehungsweise von deren Behandlung. Dann ist es wichtig, dass die richtige Diagnose gestellt und anschließend die richtigen Behandlungen durchgeführt werden. Welche dafür infrage kommen, haben wir zuvor beschrieben.
Ein Lymphödem beeinflusst Ihren Alltag; das Ausmaß dieser Beeinflussung lässt sich jedoch regeln. Ihr behandelnder Lymphologe wird Sie in all diesen Fragen beraten und Ihnen helfend zur Seite stehen. Auch wenn Sie dauerhaft wegen eines Lymphödems behandelt werden müssen und Infekte im betroffenen Bereich vermeiden sollen, sind darüberhinausgehende weitere Einschränkungen weder sinnvoll noch notwendig. Entscheidendes Ziel jeder Therapie ist es, dass die Behandlung auf ein notwendiges Maß verringert werden kann und wird.
Dazu gehört, dass ein Lymphödem frühzeitig festgestellt wird und alle Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt werden. Selbstverständlich können an dem betroffenen Arm eventuell notwendige medizinische Eingriffe, Blutdruckmessung, Venenpunktionen oder Operationen vorgenommen werden. Ihr Arzt wird immer darauf achten, dass dabei Infekte vermieden werden.
Beachten Sie: Ein Lymphödem darf Ihrer Lebensfreude nicht im Weg stehen und Ihre Lebensqualität nur geringfügig beeinträchtigen. Deshalb gilt: so wenig Therapie wie nötig, so viel Lebensqualität wie möglich.
Die Krankenkassen zahlen nach einer Brustkrebsoperation manuelle Lymphdrainagen.
Nicht immer ist bei Verordnung der Lymphdrainage absehbar, wie hoch der Bedarf an Therapiezeit pro Behandlung ist. Seit Oktober 2024 richtet sich daher die Behandlungszeit vor allem nach dem Stadium des Lymphödems. Die Verordnung kann nun ohne Angabe der Behandlungszeit erfolgen.
Sind die Lymphödeme stärker ausgeprägt (ab Stadium II), kann der behandelnde Arzt die Heilmittel so lange wie notwendig verordnen. Mindestens alle 12 Wochen sollte jedoch eine medizinische Kontrolle erfolgen.
Kompressionsverbände, die für die KPE notwendig sind, müssen vom Arzt gesondert behandelt werden. Betroffene mit einem stark ausgeprägten Lymphödem. Die eine stationäre Behandlung zur Entstauung benötigen, zählen in der Regel als Reha-Maßnahmen.
Gymnastik – so werden Sie wieder fit
Nach einer Brustoperation können Sie mehr oder weniger stark körperlich beeinträchtigt sein. So kann Ihr Kreislaufsystem oder auch Ihre Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sein. Gymnastikübungen helfen Ihnen dabei, wieder fit zu werden.
Auswirkungen hat die Operation insbesondere dann, wenn Ihnen ein Teil der Brustmuskulatur mit entfernt werden musste, wenn der Narbenbereich schmerzhaft spannt oder verhärtet ist. Dann kann Ihre Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sein. Vermutlich werden Sie ganz automatisch eine Schonhaltung einnehmen, indem Sie die Schulter der operierten Seite hochziehen. Dies wiederum führt zu Verkrampfungen und Verspannungen der Muskulatur, zu Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen; langfristig resultieren daraus Wirbelsäulenfehlstellungen und damit einhergehende Rückenschmerzen.
Tipp: Um dieser gesundheitlichen Fehlentwicklung entgegenzuwirken, empfehlen Mediziner regelmäßige Gymnastik nach Brustkrebs. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt.
Wann soll ich mit Gymnastik nach Brustkrebs beginnen?
Es ist sinnvoll, dass Sie möglichst frühzeitig, also bereits in der Klinik, mit ersten krankengymnastischen Übungen beginnen. Krankengymnastische Ziele für Frauen, die aufgrund von Brustkrebs operiert wurden, sind: das Schultergelenk zu mobilisieren, Schonhaltungen und asymmetrische Bewegungsabläufe zu vermeiden und eventuelle Bewegungseinschränkungen zu verbessern beziehungsweise zu überwinden.
Und noch etwas: Wenn Sie merken, dass Sie Bewegungen wieder ausführen können, die Sie bislang nach der Operation des Brustkrebses nicht mehr schaffen konnten, wird Ihnen das seelischen Auftrieb geben.
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sollen diese Übungen zum Beispiel in der Nachsorgeklinik fortgesetzt werden. In dieser Phase haben die gymnastischen Übungen verschiedene Ziele: Sie sollen für eine intensive Bewegung Ihres Schulter-Arm- Bereiches sorgen. Im Hinblick auf die Rückkehr in Ihr alltägliches Leben sollen sie aber auch Ihre allgemeine körperliche Fitness verbessern, Sie zum selbstständigen Üben anleiten und Sie motivieren, dass Sie sich zu Hause auch weiterhin sportlich betätigen.
Damit die guten Ergebnisse aus der Rehabilitation in der Nachsorgeklinik nicht verloren gehen, setzen Sie Gymnastik und Sport – zum Beispiel auch regelmäßiges Schwimmen – zu Hause fort. Wenn Sie dies lieber in Gesellschaft tun möchten, dann setzen Sie sich am besten mit entsprechenden Gruppen oder Vereinen in Verbindung.
Im Folgenden sind einige Übungen zusammengestellt, die Sie zu Hause machen können. Regelmäßiges Üben in der angegebenen Reihenfolge wird Sie entspannen und für eine richtige Körperhaltung sorgen.
Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen, einen kleinen Gummiball zu kaufen: Drücken Sie ihn mit der Hand der betroffenen Seite zusammen, wann immer Sie Lust und Zeit haben, und strecken Sie die Finger anschließend wieder vollständig. Das stärkt die Muskulatur und fördert den Lymphabfluss.
Bitte beherzigen Sie bei den Übungen einige Hinweise
- Allzu viel ist ungesund: Üben Sie anfangs langsam und nur kurze Zeit. Die Übungen dürfen Sie nicht anstrengen.
- Entspannen Sie sich zwischendurch, atmen Sie ruhig.
- Kontrollieren Sie sich vor dem Spiegel und haben Sie Geduld: Die Übungen werden Ihnen von Tag zu Tag leichter fallen.
- Führen Sie jede Übung nur bis zur Schmerzgrenze aus, höchstens jedoch fünf- bis zehnmal hintereinander.
1. Ziehen Sie beide Schultern nach oben und lassen Sie sie langsam wieder fallen. Sie können auch wechselseitig üben: Ziehen Sie einmal die rechte, einmal die linke Schulter hoch.
2. Beschreiben Sie Kreise mit beiden Schultergelenken, vorwiegend nach hinten.
3. Beide Schulterblätter nähern sich der Wirbelsäule.
4. Drücken Sie die Hände in Brusthöhe zusammen – lassen Sie wieder locker.
5. Spannen Sie abwechselnd beide Arme bewusst an, heben Sie diese in Schulterhöhe und senken Sie sie wieder.
6. Heben Sie die Arme waagerecht in Schulterhöhe und beschreiben Sie in dieser Stellung kleine Kreise nach hinten.
7. Die Arme liegen im Schoß und werden dann nach oben ausgestreckt.
8. Beide Arme befinden sich in Schulterhöhe angewinkelt. Dann werden die Unterarme jeweils nach oben oder unten bewegt.
9. Heben Sie die Arme über den Kopf. Neigen Sie den Körper abwechselnd nach rechts und links.
10. Heben Sie den rechten Arm über den Kopf, der linke Arm erreicht zur gleichen Zeit das Kreuz. Dann wird gewechselt.
11. Verschränken Sie beide Arme im Nacken und strecken Sie sie von dort aus in die Höhe.
12. Falten Sie beide Hände hinter dem Rücken und nehmen Sie die Schultern bewusst mit nach hinten. Lockerlassen und wiederholen.
Prinzipiell hat ein moderates Sportprogramm zahlreiche positive Effekte auf Ihr Wohlbefinden und hilft Ihnen, wieder fit zu werden. Ausdauersportarten in Kombination mit kräftigendem Gerätetraining bieten sich besonders an, aber natürlich spielen auch Ihre persönlichen Neigungen eine wichtige Rolle bei Ihrer Auswahl. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Sportarten für Sie geeignet sind.
Rehabilitation und Nachsorge
Rehabilitation und Nachsorge sind wesentliche Bestandteile der onkologischen Versorgung nach Brustkrebs. Rehabilitationskliniken, Fach- und Hausarzt betreuen und begleiten Betroffene nach der stationären oder ambulanten Akutversorgung. Viele wenden sich zusätzlich auch an eine Selbsthilfegruppe. Rehabilitationssport ist ein fester Bestandteil der Angebote.
Wenn die erste Behandlungsphase (Primärbehandlung) Ihrer Krebserkrankung – also Operation und / oder medikamentöse Tumortherapie und / oder Strahlentherapie – beendet ist, beginnt die nächste Phase: die Rehabilitation.
Ausführliche Informationen erhalten Sie im Text „Rehabilitation“.
Ziel der Nachsorge bei Brustkrebs ist es, rechtzeitig zu erkennen, wenn die Krankheit wieder in der Brust, der Brustwand oder der Achselhöhle auftritt (Tumorrezidiv) oder Begleit- oder Folgeerkrankungen auftreten. Außerdem erhalten Sie im Rahmen der Nachsorge Unterstützung bei körperlichen, seelischen und sozialen Problemen. Dazu gehört auch, dass Folgen oder Behinderungen, die durch die Krankheit entstanden sind, so weit wie möglich behoben werden und Sie – wenn Sie es wünschen – wieder berufstätig sein können.
Ausführliche Informationen erhalten Sie im Text „Nachsorge“.
Sofern der Wiederaufbau der Brust noch nicht erfolgt oder abgeschlossen ist, geht die Nachsorge auch darauf ein.
Die Berücksichtigung hormoneller Probleme gehört ebenfalls zu den unverzichtbaren ärztlichen Beratungsaufgaben. Sprechen Sie Ihren Arzt an, sollten Sie durch die Therapie zum Beispiel Wechseljahresbeschwerden haben. Auch wenn es um Fragen zur Verhütung nach einer Brustkrebserkrankung geht, ist Ihr Arzt der richtige Ansprechpartner.
| Nachsorge | Früherkennung | ||
| Jahre nach Ersttherapie | 1.-3. Jahr | 4. und 5. Jahre | Ab 6. Jahr |
| Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, Aufklärung und Information | Alle 3 Monate (= viermal im Jahr) | Alle 6 Monate (= zweimal im Jahr) | Einmal im Jahr |
Laboruntersuchungen, bildgebende Untersuchungen (Ausnahme: Mammographie, Ultraschall der Brust) | Nur bei Verdacht auf einen Krebsrückfall (Rezidiv) und / oder Metastasen | ||
Die Nachsorge läuft über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren.
Allmählich sollten die Nachsorgeuntersuchungen in individuell angepasste Krebsfrüherkennungsuntersuchungen übergehen, die selbstverständlich auch die regelmäßige Früherkennungsuntersuchung im Genitalbereich umfassen.
Wichtig: Betroffene sollen sich möglichst ausreichend bewegen. Das bedeutet, sich mindestens 2 bis 3 Stunden in der Woche körperlich zu betätigen. Auch das Körpergewicht sollte kontrolliert werden. Ihr Arzt kann Ihnen hierzu Hilfestellungen geben. Wenn Sie nach der Therapie weiterhin Medikamente einnehmen müssen (beispielsweise Antihormone), ist eine regelmäßige Einnahme sehr wichtig.
Mammographie
Über die regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen hinaus sind mammographische Kontrolluntersuchungen notwendig; über die Abstände gibt die folgende Tabelle Aufschluss.
| Jahre nach Ersttherapie | |||
| Untersuchung | 1. bis 3. Jahr nach Operation | Ab 4. Jahr nach Operation | |
| Betroffene Brustseite Nach brusterhaltender Therapie: | Mammographie | Mindestens einmal im Jahr | Einmal im Jahr |
| Betroffene Brustseite Nach Abnahme der gesamten Brust: | Ultraschall | Mindestens einmal im Jahr | Einmal im Jahr |
| Nicht betroffene Brustseite | Mammographie, gegebenenfalls Ultraschall | Einmal im Jahr | Einmal im Jahr |
Andere bildgebende Untersuchungsverfahren wie etwa die Computertomographie oder die Kernspintomographie der Brust gehören nicht zum regelmäßigen Nachsorgeprogramm, sondern finden nur Anwendung, wenn Beschwerden auftreten oder der Verdacht auf ein Rezidiv oder Metastasen besteht. Die Kontrolle der sogenannten Tumormarker hat die in sie gesetzten Hoffnungen auf Früherkennung eines Rezidivs oder von Metastasen nicht erfüllen können. Sie sollten ausschließlich eingesetzt werden, um die Therapie in einem metastasierten Erkrankungsstadium zu überwachen, und nicht im Rahmen der Nachsorge.
Wie kann ich mein Risiko für Brustkrebs reduzieren?
Sie können Ihr persönliches Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, verringern: Bewegen Sie sich regelmäßig, ernähren Sie sich ausgewogen, rauchen Sie nicht und trinken Sie wenig bis gar keinen Alkohol. Experten schätzen, dass rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden könnten.
Weitere Informationen
Text und Redaktion
- Sandra von dem Hagen, Stiftung Deutsche Krebshilfe
- Dr. Désirée Maßberg, Stiftung Deutsche Krebshilfe
- Gabriela Wolff-Bosio, Stiftung Deutsche Krebshilfe
Letzte Aktualisierung
- Wissenschaftliche Überarbeitung April 2026
Medizinische Beratung
Prof. Dr. med. T. Fehm
Direktorin der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf
Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf
Prof. Dr. med. Bahriye Aktas
Direktorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde
Universitätsklinikum Leipzig
Liebigstraße 20 a
04103 Leipzig
Bei der Erstellung dieses Textes wurde die Deutsche Krebshilfe zudem unterstützt von der Frauenselbsthilfe Krebs – Bundesverband e.V., Bonn.
Quellen
Zur Erstellung dieses Textes wurden die nachstehend aufgeführten Informationsquellen herangezogen:
- Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe, Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Version 5.0, Dezember 2025, AWMF Registernummer: 032-045 OL
- Krebs in Deutschland für 2021 - 2023. 15. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und Deutsche Krebsregister e. V. (Hrsg), Berlin, 2025
- Brustkrebs erkennen. Stiftung Deutsche Krebshilfe, 12/2025
- Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. Stiftung Deutsche Krebshilfe, 2018
- Berufliche Rehabilitation: Ihre neue Chance. Deutsche Rentenversicherung Bund, 18. Auflage (4/2023)
- Mit Rehabilitation wieder fit für den Job. Deutsche Rentenversicherung Bund, 18. Auflage (8/2023)
- Sozialleistungen bei Krebs. Stiftung Deutsche Krebshilfe, 2025
- Ernährung bei Krebs. Stiftung Deutsche Krebshilfe, 2023
- Krebswörterbuch. Stiftung Deutsche Krebshilfe, 2021
- Hilfen für Angehörige. Stiftung Deutsche Krebshilfe, 2020
- Klinische Studien. Stiftung Deutsche Krebshilfe, 2019
- Mammographie: Eine Entscheidungshilfe. www.g-ba.de/themen, G-BA 12/2024












