CHRONISCHE LYMPHATISCHE LEUKÄMIE (CLL)

Jedes Jahr erkranken in der Bundesrepublik Deutschland nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Berlin etwa 6.000 Menschen neu an einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Es handelt sich dabei zum größten Teil um Erwachsene fortgeschrittenen Alters, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren. Männer sind von der Erkrankung in etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

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Was ist chronische lymphatische Leukämie (CLL)?

In unserem Körper sterben ständig Zellen ab, neue entstehen dafür. Auf diese Art bilden sich auch neue Blutzellen. Bei der chronischen lymphatischen Leukämie allerdings vermehren sich bösartig veränderte lymphatische Zellen ungehemmt ohne abzusterben.

Wenn unser Körper alte durch neue Zellen ersetzt, teilen sich die neuen Zellen zunächst und reifen dann aus, um ihre Aufgaben übernehmen zu können. Bei gesunden Menschen funktioniert dieser Ablauf so perfekt, dass genauso viele neue Zellen gebildet werden, wie zugrunde gegangen sind. Bestimmte Hemmfaktoren verhindern eine Überproduktion.

Bei einer chronischen lymphatischen Leukämie finden sich im Blut, aber auch in den Lymphknoten, in der Milz, in der Leber und im Knochenmark auffallend viele bösartige lymphatische Zellen. Diese stammen alle von einer Ursprungszelle ab. Da diese Zelle bösartig verändert ist, teilt sie sich ungehemmt und kann ihre Funktion als Abwehrzelle nicht mehr ausführen. Die gesteigerte Teilung der kranken Zellen in Lymphknoten und lymphatischen Organen wie zum Beispiel der Milz kann dazu führen, dass diese sich deutlich vergrößern.

Bei der CLL läuft diese ungehemmte Teilung typischerweise schleichend ab. Veränderungen der Blutwerte und vergrößerte Lymphknoten ergeben sich verhältnismäßig langsam. Es kann gut sein, dass es mehrere Jahre dauert, bis sich Anzeichen (Symptome) der chronischen lymphatischen Leukämie bemerkbar machen.

Unter den bösartigen Erkrankungen gehört die CLL zu den sogenannten niedrig-malignen Lymphomen, das heißt zu den wenig aggressiven Lymphdrüsenkrebserkrankungen. Zum Namen Leukämie kommt es, weil bei der Krankheit immer größere Mengen Zellen in das Blut ausgeschwemmt werden. Richtig ist beides: Da die Erkrankung Lymphknoten befällt, hat sie Eigenschaften eines Lymphoms. Da die CLL Lymphozyten ins Blut ausschwemmt, hat sie auch Eigenschaften der Leukämien.

In selteneren Fällen werden nicht so viele Zellen ins Blut ausgeschwemmt. Dann spricht man von einem kleinzelligen lymphozytischen Lymphom (englisch small lymphocytic lymphoma, SLL). Dieses wird ähnlich wie die CLL behandelt.

Gesunde neue Blutzellen werden im Knochenmark gebildet, und zwar je nach Bedarf aus unreifen Vorläuferzellen, den sogenannten Stammzellen. Da sich die CLL-Zellen auch im Knochenmark ausbreiten können, verdrängen sie hier dann die Zellen der gesunden Blutbildung. Diese werden dadurch nicht mehr ausreichend gebildet, und es treten entsprechende Krankheitsanzeichen auf. Zu wenig neutrophile Granulozyten beeinträchtigen die Infektionsabwehr: Sie sind dann anfälliger für Infektionen. Zu wenig rote Blutkörperchen führen zu Blutarmut: Sie leiden dann unter Schwäche und sind nicht mehr so leistungsfähig. Fehlende Blutplättchen verursachen Blutungen.

Patientenleitlinie: Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

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In der Patientinnenleitlinie „Chronische Lymphatische Leukämie” finden Sie weitere Informationen zum Thema CLL.

ZUR PATIENTENLEITLINIE

Die wesentlichen Bestandteile des Blutes

Die Blutmenge eines Erwachsenen beträgt etwa ein Zwölftel seines Körpergewichts. Blut besteht aus verschiedenen Teilen und erfüllt im Körper zahlreiche lebenswichtige Aufgaben. Wofür wird es benötigt? Wie ist es zusammengesetzt?

Ein Erwachsener hat normalerweise – je nach Körpergewicht – etwa fünf bis sechs Liter Blut. Über den Blutkreislauf versorgt es die Gewebe: Es transportiert Kohlendioxid und Stoffwechselprodukte ab, reguliert die Körperwärme und verteilt lebenswichtige Nährstoffe wie Enzyme, Mineralstoffe und Hormone. Blut nimmt im Darm Stoffe und in der Lunge Sauerstoff auf und bringt sie zu den Organen, die sie benötigen, zum Beispiel dem Gehirn, den Muskeln, den Drüsen. Verarbeitete Stoffe leitet es zur Speicherung, verbrauchte zur Ausscheidung weiter. Die verschiedenen Bestandteile des Blutes müssen richtig zusammengesetzt sein, damit ein Mensch sich wohlfühlt und gesund ist.

Etwa die Hälfte des gesamten Blutes besteht aus Blutplasma. Dieses setzt sich zu über neunzig Prozent aus Wasser und Eiweißkörpern zusammen. Die andere Hälfte des Blutes besteht aus Zellen, den sogenannten Blutkörperchen. Von ihnen gibt es drei Arten: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Blutplättchen (Thrombozyten) und die weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Blut ist bei Frauen und Männern geringfügig anders zusammengesetzt.

Hinweis: Bei der chronischen lymphatischen Leukämie sind die weißen Blutkörperchen krankhaft verändert.

Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten)

Am zahlreichsten sind im Blut die roten Blutkörperchen vorhanden: Ein gesunder Erwachsener besitzt zirka 25 Billionen (als Ziffer 25.000.000.000.000) davon. Die roten Blutkörperchen werden im Knochenmark gebildet und in der Milz abgebaut. Sie leben durchschnittlich 120 Tage.

Die wichtigste Aufgabe der roten Blutkörperchen besteht darin, den Sauerstoff, der in den Lungen aufgenommen wird, durch die Blutgefäße in die Gewebe zu transportieren. Dafür benötigen sie den in ihnen enthaltenen roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin (Hb). Wenn zu wenig Blutfarbstoff vorhanden ist, besteht eine sogenannte Blutarmut (Anämie). Dann werden zu wenig Sauerstoff und Kohlendioxid ausgetauscht, und der betroffene Mensch leidet unter Müdigkeit, Atemnot, Schwäche oder Kopfschmerzen. Das Auftreten dieser Symptome hängt sehr stark von der Menge des Hämoglobins ab. Deshalb entscheidet der Arzt beispielsweise anhand des Hb-Wertes darüber, ob eine Blutübertragung (Transfusion) notwendig ist.

Die Blutplättchen (Thrombozyten)

Die Blutplättchen sind die kleinsten Blutkörperchen und haben ihren Namen nach ihrer Form erhalten (griechisch thrombos: Klumpen, Pfropf). Sie werden im Knochenmark gebildet, in der Milz abgebaut und leben durchschnittlich acht bis zwölf Tage.

Die Blutplättchen sorgen für die Blutgerinnung (Hämostase) und damit für die Blutstillung. Bei einer Verletzung dichten sie die Wände der Blutgefäße ab, indem sie innerhalb kürzester Zeit an der verletzten Stelle Plättchenpfropfen bilden. Später zerfallen diese Plättchen und setzen Substanzen frei, die die Gerinnungsfaktoren des Blutplasmas aktivieren.

Wenn ein Mensch zu wenig Blutplättchen hat, macht sich dies zum Beispiel durch Nasenbluten und kleine Hautblutungen (Petechien) bemerkbar. Bei Frauen treten dann außerdem verstärkte Regelblutungen auf.

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten)

Die weißen Blutkörperchen sind bei gesunden Menschen nur in geringer Menge im Blut vorhanden (zwischen 4.000 und 9.000 je Mikroliter, μl). Leidet ein Mensch an einer Infektion, bei der eine akute Entzündung vorliegt, ist ihre Zahl deutlich erhöht (über 10.000 je Mikroliter, μl).

Die weißen Blutkörperchen übernehmen quasi die „Polizeifunktion“ im Körper: Sie wehren Krankheitserreger ab. Außerdem beseitigen sie Abfallstoffe, die entstehen, wenn Körperzellen zerfallen.

Die Leukozyten teilt man wiederum in drei Gruppen auf. Jede Untergruppe erfüllt eine andere Funktion.

Aufteilung der weißen Blutkörperchen
Granulozyten Anteil im Blut 60 bis 70 Prozent
Lymphozyten

Anteil im Blut 20 bis 30 Prozent

  • B-Lymphozyten
  • T-Lymphozyten
Monozyten Anteil im Blut 2 bis 6 Prozent

 

Granulozyten

Die Granulozyten haben ihren Namen nach den in ihnen vorhandenen Körnchen (lateinisch granula). Sie leben fünf bis sechs Tage im Blut, verlassen dann die Blutbahn und wandern in die Gewebe, wo sie noch ein bis zwei Tage leben. Granulozyten können Keime abtöten. Sie sind daher sehr wichtig für die Infektionsabwehr.

Wenn Sie einen Laborausdruck mit Ihren Blutwerten erhalten, kann es sein, dass die Granulozyten auch mit anderen Namen bezeichnet und noch weiter unterteilt werden. Für die Infektabwehr am wichtigsten ist die Gruppe der sogenannten neutrophilen Granulozyten, kurz Neutrophile (neutrophil beschreibt eine bestimmte Anfärbung der Granula). Sie werden noch weiter unterteilt in Stabkernige und Segmentkernige. Es gilt also: Stabkernige + Segmentkernige = Zahl der neutrophilen Granulozyten.

Lymphozyten

Die weißen Blutkörperchen werden im Knochenmark, in den Lymphknoten, im Thymus und in der Milz gebildet. Sie gelangen hauptsächlich über die Lymphbahnen ins Blut. Allerdings befindet sich nur ein sehr geringer Prozentsatz (zirka vier Prozent) im Blut selbst; etwa 70 Prozent sind in den Organen des lymphatischen Systems (Thymus, Lymphknoten, Milz). Zehn Prozent befinden sich im Knochenmark und der Rest in anderen Organen.

Es gibt B- und T-Lymphozyten. Die B-Lymphozyten und die aus ihnen entstehenden sogenannten Plasmazellen haben eine wichtige Funktion in der Produktion von Eiweißmolekülen (Antikörpern), die sich gegen bestimmte Krankheitserreger richten.

Hinweis: Bei einer chronischen lymphatischen Leukämie ist einer dieser B-Lymphozyten krankhaft verändert, reagiert nicht mehr auf Abschaltsignale des Körpers und teilt sich hemmungslos, so dass immer mehr bösartige lymphatische Zellen entstehen. Obwohl diese Zellen äußere Eigenschaften von reifen Zellen haben, sind sie nicht funktionstüchtig, tragen also nicht zur Immunabwehr bei.

Monozyten

Die Monozyten sind die größten im Blutausstrich sichtbaren Zellen. Sie bilden zusammen mit den sogenannten Fresszellen (Makrophagen) der Gewebe das Monozyten-Makrophagen-System, ein Abwehrsystem, das sich sogar bei sehr niederen Tieren findet: Die Monozyten beziehungsweise Makrophagen nehmen feste Teilchen wie Gewebetrümmer, Fremdkörper oder kleinste Organismen auf. Die Zelle selbst kann dadurch geschädigt oder sogar abgetötet werden. Abgestorbene Monozyten können ebenfalls von Makrophagen aufgenommen werden. Diese zerkleinern das Fremdmaterial und geben es als sogenanntes Antigen an Lymphknoten weiter – ein wichtiger Schritt zur Anregung des lymphatischen Systems.

Das Blutbild

Wenn Ihr Arzt bei Ihnen ein Blutbild macht, dann erfährt er genau, wie Ihr Blut zusammengesetzt ist.

Normalwerte eines Blutbildes
Erythrozyten   4 – 5 Mio / μl
Thrombozyten   150.000 – 300.000 / μl
Leukozyten   4.000 – 9.000 / μl
Hämoglobin Männer
Frauen
8,44 – 10,67 mmol/l (14 – 18 g / 100 ml)
7,45 – 9,30 mmol/l (12 – 16 g / 100 ml)

 

1 μl ist ein Mikroliter, also ein millionstel Liter (0,000001 l), mmol/l = Millimol pro Liter

Beim Differentialblutbild zählt der Arzt unter dem Mikroskop, in welcher Menge die verschiedenen weißen Blutkörperchen (Granulozyten, Monozyten, Lymphozyten) sowie unreife Vorstufen (Blasten) oder andere auffällige Zellen vorhanden sind.

Kurzer Überblick: Verschiedene Arten von Leukämien

Grundsätzlich unterscheidet man einerseits zwischen akuten und chronischen Leukämien sowie andererseits zwischen myeloischen und lymphatischen Leukämien. Das erste Begriffspaar beschreibt, wie die Erkrankung verläuft, das zweite charakterisiert, woher die fehlerhaften, im Blut vermehrt auftretenden Zellen stammen.

Chronische Leukämien sind schleichende Erkrankungen, die die Betroffenen oft über einen längeren Zeitraum gar nicht bemerken. Bei diesen Blutkrebsarten treten die Leukämiezellen in ausgereifteren Formen auf, als dies bei den akuten Leukämien der Fall ist. Dagegen sind akute Leukämien lebensbedrohliche Erkrankungen, die unbehandelt innerhalb weniger Wochen oder Monate zum Tode führen.

Nach dieser Einteilung gibt es

  • Die chronische lymphatische Leukämie (CLL)
  • Die chronische myeloische Leukämie (CML)
  • Die akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • Die akute myeloische Leukämie (AML)

Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) sind die Lymphozyten betroffen: Die Leukozytenzahl ist deutlich erhöht, der in ihnen enthaltene Lymphozytenanteil kann bis zu 95 Prozent betragen. Anders als bei den akuten Leukämien ähneln die Leukämiezellen hier reifen Lymphozyten. An CLL erkranken fast immer ältere Menschen.

Chronische myeloische Leukämie (CML)

Die chronische myeloische Leukämie (CML) weist im Blutbild erheblich mehr Leukozyten auf, als dies normalerweise der Fall ist. Die Zellen besitzen zum Teil auch noch ihre sonst übliche Funktionsfähigkeit. Auch die CML tritt fast ausschließlich bei Erwachsenen auf.

Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die typische Leukämie des Kindesalters. Bei dieser Leukämieart sind die Lymphozyten bösartig entartet und reifen nicht aus.

Akute myeloische Leukämie (AML)

Die akute myeloische Leukämie (AML) wird in verschiedene Typen eingeteilt. Häufig sind die sogenannten Myeloblasten oder Monoblasten vermehrt. Die AML ist die bei Erwachsenen am häufigsten vorkommende akute Leukämieart.

Bei allen Leukämiearten erkranken häufiger Männer als Frauen.

Chronische lymphatische Leukämie – Was sind die Ursachen?

Die Ursachen für die chronische lymphatische Leukämie sind bisher nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber einige Faktoren nachweisen können, die das Erkrankungsrisiko für Leukämien erhöhen. Welche Risikofaktoren gibt es?

Bei den meisten Betroffenen lässt sich nicht feststellen, warum sie an einer chronischen lymphatischen Leukämie erkrankt sind. Allerdings finden wir auch bei gesunden älteren Menschen in den weißen Blutzellen Genveränderungen, wie sie bei der CLL vorkommen. Diese stuft man bisher als zufällige Ereignisse ein, wenn weiße Blutkörperchen älter werden.

Zudem scheint in manchen Familien das Risiko für eine chronische lymphatische Leukämie erhöht zu sein. Eine eindeutige Veränderung des Erbguts (genetische Veränderung) ließ sich dafür bisher aber noch nicht nachweisen. Vielmehr scheint eine Kombination aus mehreren genetischen Veränderungen die Entstehung der CLL zu begünstigen. So sind beispielsweise Menschen asiatischer Herkunft deutlich seltener von einer CLL betroffen; das spricht zusätzlich dafür, dass mehrere genetische Faktoren zu der Erkrankung führen.

Chemische Stoffe als Risikofaktor für CLL

Zu den erworbenen Erkrankungsrisiken für eine CLL – also solche, die mit Ihren Lebensumständen zusammenhängen – gehört zum Beispiel der Kontakt zu bestimmten chemischen Stoffen. Dies sind beispielsweise Insektenbekämpfungsmittel (Insektizide), Pflanzenschutzmittel (Herbizide) und andere biologische Stoffe (Biozide), Benzol und andere organische Lösungsmittel oder auch Benz(a)pyren. Wenn Sie durch Ihren Beruf solchen Stoffen oder ionisierenden Strahlen ausgesetzt waren, kann die chronische lymphatische Leukämie unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt werden. Wenden Sie sich an Ihre Berufsgenossenschaft. Inwieweit der Kontakt zu anderen Stoffen zu Leukämien geführt haben kann, wird gegebenenfalls von den zuständigen Unfallversicherungsträgern im Sinne der Quasi-Berufskrankheiten Regelung (§ 9 (2) SGB VII) behandelt.

Weitere Risikofaktoren für CLL

Auch manche Medikamente wie etwa bestimmte Zellgifte (Zytostatika) und Medikamente, die das körpereigene Abwehrsystem schwächen (Immunsuppressiva), werden mit dem Entstehen einer chronischen lymphatischen Leukämie in Zusammenhang gebracht.

Häufig wird vermutet, dass der Lebensstil – zum Beispiel Ernährung, Arbeitsbelastung und Stress sowie psychische Belastungen – die Entstehung einer CLL beeinflusst. Nach allem, was wir heute wissen, gibt es hier aber keinen Zusammenhang.

Sollte auf Sie einer oder sogar mehrere der zuvor genannten Risikofaktoren zutreffen, dann bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass Sie an einer chronisch lymphatischen Leukämie erkranken müssen. Aber: Ihr persönliches Risiko kann erhöht sein. Achten Sie deshalb auf ungewohnte Signale, die Ihr Körper Ihnen gibt. Wenn Ihnen etwas verdächtig vorkommt, gehen Sie zum Arzt!

Chronische lymphatische Leukämie: Symptome

Die Symptome bei einer chronischen lymphatischen Leukämie im Frühstadium sind so allgemein und uncharakteristisch, dass sie auch eine ganz andere Ursache haben können. Deshalb ist es wichtig, dass Sie bei bestimmten Symptomen frühzeitig zu Ihrem Arzt gehen. Er kann untersuchen, woran es liegt – und die nächsten Schritte einleiten.

Ist die Ursache harmlos, können Sie beruhigt sein. Sollte sich aber herausstellen, dass Sie an einer chronischen lymphatischen Leukämie erkrankt sind, ist es gut, wenn diese beizeiten entdeckt wird. Schieben Sie daher den Arztbesuch nicht vor sich her!

Die Symptome der CLL fallen dabei unterschiedlich aus oder treten verschieden stark auf. Natürlich kommen alle diese Krankheitszeichen viel häufiger bei harmlosen Erkrankungen vor, die gar nichts mit einer chronischen lymphatischen Leukämie zu tun haben.

Wichtig: Gehen Sie bei den im Folgenden genannten allgemeinen Beschwerden auf jeden Fall zu Ihrem Arzt, denn nur er kann die Ursache dafür feststellen.

Die häufigsten Krankheitszeichen bei einer chronischen lymphatischen Leukämie

  • Geschwollene Lymphknoten / vergrößerte Milz / Leber
  • Nachtschweiß mit Wäschewechsel
  • Fieber
  • Ungeplante Gewichtsabnahme trotz gleicher Kalorienzufuhr
  • Blässe
  • Blutarmut (Anämie) und infolgedessen verminderte Leistungsfähigkeit / Müdigkeit / Abgeschlagenheit / uncharakteristische Kopfschmerzen
  • Atemnot selbst bei mäßiger körperlicher Belastung
  • Schwindel
  • Häufige und / oder schwer verlaufende Infekte
  • Häufiger blaue Flecken
  • Nasenbluten, Zahnfleischbluten
  • Blutungen, die sich schwer stillen lassen (etwa nach dem Zahnarztbesuch) oder winzige, punktartige Blutungen (Petechien) vor allem an Armen und Beinen

Diagnose der chronischen lymphatischen Leukämie

Eine frühzeitige Diagnose der chronischen lymphatischen Leukämie ist wichtig, um eine sinnvolle Behandlung zu planen. Allerdings haben viele Menschen Angst davor, in eine medizinische Mühle zu geraten, wenn sie den Verdacht haben, dass sie an Krebs erkrankt sein könnten. Deshalb schieben sie den Besuch beim Arzt immer weiter hinaus. So verständlich diese Angst auch ist: Lassen Sie sich untersuchen, damit Sie wissen, woran Sie sind.

Ihr Arzt wird Ihnen erklären, welche Untersuchungen notwendig sind, um die Diagnose CLL zu sichern. Je gründlicher Sie untersucht werden, desto genauer kann die weitere Behandlung für Sie festgelegt werden.

Sind die Untersuchungen beendet und alle Ergebnisse liegen vor, muss entschieden werden, wie es weitergeht. Ihr Arzt wird Ihnen genau erklären, welche Möglichkeiten es gibt, wie sich die Behandlung der CLL auf Ihr Leben auswirkt und mit welchen Nebenwirkungen Sie rechnen müssen. Die endgültige Entscheidung über Ihre Behandlung werden Sie gemeinsam mit den behandelnden Ärzten treffen. Dabei ist es von Anfang an wichtig, dass sich ein vertrauensvolles Patienten-Arzt-Verhältnis entwickelt.

Wichtig: Fühlen Sie sich allerdings bei Ihrem behandelnden Arzt nicht gut aufgehoben oder möchten Sie, dass ein anderer Arzt die vorgeschlagene Behandlung der CLL bestätigt, dann scheuen Sie sich nicht, eine zweite Meinung bei einem anderen (Fach-)Arzt einzuholen. Diese steht Ihnen unter bestimmten Umständen laut Patientenrechtegesetz zu.

Sprechen Sie auch mit Ihrem Arzt, wenn Sie in der gefühlsmäßig belastenden Diagnostikphase zusätzliche psychologische Hilfe wünschen oder den entsprechenden Kontakt schon für die Zeit der Behandlung herstellen möchten.

 

Ihre Krankengeschichte (Anamnese)

In einem ausführlichen Gespräch wird der Arzt im Rahmen der Diagnose einer chronischen lymphatischen Leukämie nach Ihren aktuellen Beschwerden fragen und wie lange Sie diese schon haben. Er wird sich auch danach erkundigen, welche Krankheiten Sie früher bereits hatten und welche Sie vielleicht im Augenblick gerade haben. Auch Faktoren, die Ihr Risiko für eine CLL erhöhen sind für ihn wichtig. Denken Sie daran, dass Sie Ihrem Arzt sagen, welche Medikamente Sie einnehmen, auch ergänzende Mittel, die Ihnen kein Arzt verordnet hat (zum Beispiel Johanniskraut oder Ginkgopräparate und grüner Tee). Denn diese Substanzen können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen.

Tipp: Vielleicht machen Sie sich vor dem Arztbesuch schon ein paar Notizen, damit Sie in dem Gespräch auch an alles denken.

Beschreiben Sie Ihrem Arzt all Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen. Selbst Einzelheiten, die Ihnen unwichtig erscheinen, können für Ihren Arzt wichtig sein. Dazu gehören auch Informationen darüber, ob Sie vielleicht in Ihrem Beruf Faktoren ausgesetzt sind, die das Risiko für eine chronische lymphatische Leukämie erhöhen können. Der Arzt wird Sie aber auch nach bestimmten Dingen fragen und sich so ein umfassendes Bild machen.

Wichtig: Wenn bei Ihnen der Verdacht besteht, dass Sie eine CLL haben, sollte Ihr Arzt bald weitere Untersuchungen veranlassen.

Körperliche Untersuchung

Nach dem Gespräch wird Ihr Arzt Sie gründlich körperlich untersuchen. Dabei achtet er auf mögliche Zeichen einer chronischen lymphatischen Leukämie (zum Beispiel vergrößerte Lymphknoten, vergrößerte Milz) oder auf vielleicht bereits eingetretene Komplikationen (etwa Infektionen, Blutungen). Alle Informationen, die der Arzt hierdurch erhält, werden ihm helfen, die richtige Diagnose zu stellen.

Laboruntersuchungen

Um festzustellen, ob Sie an einer chronischen lymphatischen Leukämie erkrankt sind, muss Ihr Blut umfassend untersucht werden. Dabei wird ein Blutbild gemacht, bei dem die Zellen unter dem Mikroskop beurteilt und ausgezählt werden. Meist wird im Rahmen der Diagnose einer CLL auch Ihr Knochenmark untersucht. Die Blutuntersuchungen werden zeigen, welche Untergruppe der weißen Blutkörperchen sich bösartig verändert hat. Daraus ergibt sich die genaue Diagnose, nach der sich die Behandlung richtet.

Im Übrigen ist Ihr Blut auch sonst eine wichtige Informationsquelle: Es gibt zum Beispiel Auskunft über Ihren Allgemeinzustand und über die Funktion einzelner Organe wie Nieren und Leber. Diese Informationen können für den behandelnden Arzt unter anderem für die eventuell bevorstehende Behandlung wichtig sein.

Knochenmarkuntersuchung

Da die Blutbildung im Knochenmark – nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark! – stattfindet, kann unter bestimmten Voraussetzungen für die Diagnose einer chronischen lymphatischen Leukämie eine Untersuchung des Knochenmarks notwendig sein. Ihr Arzt benötigt dafür eine kleine Menge – zirka fünf bis zehn Milliliter – Knochenmark, das er aus dem Beckenknochen entnimmt (Knochenmarkpunktion).

Die Punktion erfolgt unter örtlicher Betäubung im Liegen. Mit Hilfe einer geeigneten Nadel saugt der Arzt Knochenmarkflüssigkeit ab. Manchmal gelingt das nicht (dann spricht man von einer sogenannten trockenen Punktion, punctio sicca). Zusätzlich entnimmt der Arzt einen ungefähr zwei bis drei Zentimeter langen Gewebezylinder aus dem Beckenknochen.

Nach der Punktion verklebt der Arzt die Einstichstelle mit einem Pflaster, und Sie legen sich für etwa eine Viertelstunde mit dem punktierten Beckenknochen auf einen kleinen Sandsack. So wird verhindert, dass die Wundstelle nachblutet.

Das so erhaltene Knochenmark wird auf Glasplättchen (Objektträger) ausgestrichen, unter dem Mikroskop vom Arzt begutachtet sowie gegebenenfalls feingeweblich (histologisch) aufgearbeitet. Durch Blutbild und Knochenmarkpunktion weiß Ihr Arzt, wie sich Ihr Blut und Knochenmark zusammensetzen. Das Aussehen der Zellen sowie einige weitere Spezialfärbungen an den ausgestrichenen Zellen (Zytochemie) zeigen genau, um welche Erkrankung es sich bei Ihnen handelt.

Um eine CLL festzustellen, reicht es jedoch meist, das in den Adern fließende Blut (peripheres Blut) zu untersuchen. Eine Knochenmarkpunktion ist nur bei bestimmten Fragestellungen oder zur genauen Messung der sogenannten minimalen Resterkrankung notwendig.

Spezielle Laboruntersuchungen

Heute spielen zahlreiche spezielle Laboruntersuchungen eine wesentliche Rolle bei der Diagnose der chronischen lymphatischen Leukämie. Ein Verfahren, um die einzelnen Leukämieformen zu unterscheiden, ist die bereits genannte Zytochemie.

Ein anderes Verfahren untersucht bestimmte Oberflächenmerkmale der Zellen, indem diese mit bestimmten, unterschiedlich fluoreszierenden Antikörpern gefärbt werden. Dieses Verfahren hat den komplizierten Namen Immunphänotypisierung. Man kann damit die verschiedenen Lymphomerkrankungen sowie Leukämien sehr genau feststellen und in spezielle Untergruppen einteilen. Die Krankheit verläuft bei diesen Untergruppen unterschiedlich, und jede wird auch anders behandelt.

Hinweis: Damit trägt die Immunphänotypisierung dazu bei, die CLL-Therapie für jeden Betroffenen möglichst genau an die jeweils vorliegende Erkrankung anzupassen.

Außerdem hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass die chronische lymphatische Leukämie bei Betroffenen mit bestimmten genetischen Veränderungen zum Teil deutlich verschieden rasch verläuft. Daher wird Ihre Blutprobe beziehungsweise die darin enthaltenen lymphatischen Zellen gegebenenfalls auch genetisch untersucht. Je nach Ergebnis können dann die Ärzte besser vorhersagen, wie die Krankheit in Ihrem Fall vermutlich verlaufen wird. Man weiß heute zum Beispiel, dass der Verlust oder die Veränderung eines bestimmten Gens (TP53 beziehungsweise das Chromosom 17p) dazu führt, dass bei diesen Betroffenen die Behandlung nicht so lange wirkt.

Minimale Resterkrankung (MRD)

In Ihrem Blut wird im Verlauf einer CLL-Therapie immer wieder der Wert an Krebszellen kontrolliert werden. Neueste Untersuchungsmethoden können hierbei mit einer sehr hohen Genauigkeit noch kleinste Restmengen der Erkrankung finden, die sogenannte minimale Resterkrankung. Die verschiedenen Therapien sollen diesen Wert möglichst niedrig oder im besten Fall auf Null bekommen.

Lymphknotenpunktion / -entnahme

In seltenen Fällen kann es sein, dass in Blut und Knochenmark keine CLL-Zellen nachweisbar sind, bei Ihnen aber durch vergrößerte Lymphknoten dennoch der Verdacht auf eine CLL besteht. Dann kann es notwendig sein, Zellen aus Lymphknoten zu entnehmen (Lymphknotenpunktion) oder einen ganzen Lymphknoten zu entfernen. Dieser Eingriff wird üblicherweise in örtlicher (lokaler) Betäubung durchgeführt.

Bildgebende Untersuchungen

Eine Reihe von weiteren Untersuchungen soll zeigen, wie stark und wie viele Lymphknoten von der CLL betroffen sind. Auch der Zustand bestimmter Organe und wie gut sie funktionieren wird untersucht. Gerade der letzte Punkt ist wichtig, wenn es darum geht, wie die Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie aussehen soll. Sind nämlich bestimmte Organe (zum Beispiel Leber, Niere, Herz) nicht voll funktionsfähig, muss die geplante Chemotherapie unter Umständen verändert werden.

Ultraschall

Eine der weiterführenden, bildgebenden Untersuchungen zur Diagnose der CLL ist zum Beispiel die Ultraschalluntersuchung (Sonographie). Mit der Ultraschalltechnik kann der Arzt in Ihren Bauch (Abdomen) hineinsehen und innere Organe wie Leber, Nieren, Milz, Darm und Lymphknoten betrachten. Vergrößerte Lymphknoten können darauf hinweisen, dass sie entzündet oder durch die CLL befallen sind. Eine Sonographie des Herzens (Echokardiographie) gibt Auskunft über die Herzfunktion – eine Information, die für die durchzuführende Chemotherapie sehr wichtig ist.

Computertomographie

Ein weiteres Untersuchungsverfahren im Rahmen der Diagnose der chronischen lymphatischen Leukämie ist die Computertomographie (CT), eine spezielle Röntgenuntersuchung, die innere Organe im Bauch- und Brustraum, das Schädelinnere und auch vergrößerte Lymphknoten darstellen kann. Im Vergleich zur Ultraschalluntersuchung hat die Computertomographie den Vorteil, dass in ihr auch lufthaltige Organe zu erkennen sind. Sie ist jedoch durch die Röntgentechnik mit einer Strahlenbelastung verbunden. Daher sollte eine CT nur bei der Erstdiagnose der chronischen lymphatischen Leukämie erfolgen, um festzustellen, wie weit sich die CLL ausgebreitet hat. Danach sollte sie nur bei besonderen Fragestellungen in Frage kommen.

Wie geht es nach der Diagnose CLL weiter?

Wenn zweifelsfrei feststeht, dass Sie eine CLL haben, werden Sie mit Ihrem Arzt ausführlich über das genaue Ergebnis der Untersuchungen sprechen und darüber, wie es weitergehen wird. Sowohl die Diagnostik als auch die spätere Behandlung der CLL finden im Regelfall ambulant statt, betreut werden Sie dabei in einer Praxis für Hämatologie / Onkologie, die auf die Behandlung der CLL spezialisiert ist. Sie müssen üblicherweise nur in wenigen Fällen einige Nächte im Krankenhaus verbringen.

In bestimmten Fällen ist es darüber hinaus möglich, dass Sie an eine spezielle Praxis oder an ein Krankenhaus überwiesen werden, die / das Patienten auch im Rahmen von klinischen Studien behandeln dürfen.

Allgemeinen Informationen rund um das Arzt-Patienten-Gespräch, Ihre Rechte als Patient und dem Thema Krebs und Kinderwunsch erhalten Sie im Text „Diagnose Krebs – Wie geht es weiter?“.

Klassifikation und Stadieneinteilung bei chronischer lymphatischer Leukämie

Der Verlauf der CLL kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. Anhand des Krankheitsstadiums, des Alters und verschiedener Blutuntersuchungen kann dieser besser abgeschätzt und entsprechende Behandlungsansätze ausgewählt werden.

Das Krankheitsstadium der chronischen lymphatischen Leukämie wird durch die klinische (körperliche) Untersuchung, sowie das Blutbild festgelegt. Hierbei werden zwei ähnliche Systeme genutzt: in Europa die Klassifikation nach Binet (Stadium A, B oder C), in den USA die Klassifikation nach Rai (Stadium 0 – IV).

Stadium nach Binet Beschreibung
A Weniger als drei befallene Lymphknotenregionen, Hämoglobin mindestens 10 g / dl, Thrombozyten mindestens 100.000 / μl
B Drei oder mehr befallene Lymphknotenregionen, Hämoglobin mindestens 10 g / dl, Thrombozyten mindestens 100.000 / μl
C Hämoglobin niedriger als 10 g / dl und/oder Thrombozyten unter 100.000 / μl, unabhängig von der Zahl der befallenen Lymphknotenregionen

 

Zusätzlich kann mit Hilfe der im Rahmen der Diagnose der CLL durchgeführten Blutuntersuchungen das Risiko genauer eingeschätzt werden (Internationaler Prognostischer Index, CLL-IPI). Hierbei werden fünf Risikofaktoren kombiniert und bewertet. Auf diese Weise lassen sich Betroffene erfassen, die ein erhöhtes Risiko haben, dass die Krankheit schnell fortschreitet und die Behandlung nur kurz wirkt. Dabei gilt: je mehr Punkte, desto höher das Risiko.

Risikofaktor
  Unter 65 Jahre 65 Jahre und älter
Stadium Binet A oder Rai 0 Binet B-C oder Rai I-IV
Serum-ß2-Mikroglobulin ≤3,5 >3,5
IGHV Mutiert Nicht mutiert
TP53 Status Unauffällig Deletion 17p (FISH) und / oder TP53 Mutation

 

Die Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie

Bei einer chronischen lymphatischen Leukämie ist anfangs häufig keine oder nur eine schonende Therapie notwendig. Damit unterscheidet sich ihre Behandlung wesentlich von der bei akuten Leukämien, bei denen unmittelbar nach der Diagnosestellung eine aggressive Chemotherapie beginnt.

Hinweis: Sind Sie an chronischer lymphatischer Leukämie erkrankt, wundern Sie sich nicht, wenn Sie anfangs noch gar nicht oder vielleicht sogar nie behandelt werden. Es bedeutet nicht, dass eine Behandlung nicht mehr aussichtsreich ist oder Ihnen sogar aus Kostengründen vorenthalten wird.

Die Entscheidung, wann bei der CLL eine Therapie notwendig wird, hängt von vielen Faktoren ab. Im Stadium Binet A ist in aller Regel keine Behandlung nötig. Oft werden Betroffene über viele Jahre hinweg nur regelmäßig ambulant kontrolliert (Watch & Wait-Strategie), weil eine CLL-Therapie noch nicht notwendig ist. Ob eine frühzeitige Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie gegebenenfalls doch von Nutzen ist, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen, wird untersucht.

Ansonsten ist eine Behandlung erst erforderlich, wenn sich das Blutbild verschlechtert hat (Hämoglobin, kurz Hb, < 10 g / 100 ml und / oder Thrombozyten < 100.000 pro mm3, entsprechend dem Stadium Binet C).

Im Stadium Binet B (Hb > 10 g / 100 ml, Thrombozyten normal, aber Vorliegen von drei oder mehr vergrößerten Lymphknotenregionen) ist es sinnvoll, mit einer CLL-Therapie zu beginnen, wenn

  • B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) aufgetreten sind
  • Die Lymphknoten groß sind oder rasch wachsen
  • Die Milz zunehmend größer wird
  • Die Lymphozytenverdopplungszeit weniger als sechs Monate beträgt oder
  • Ein autoimmun bedingter Mangel an Blutplättchen oder roten Blutkörperchen mit fehlendem Ansprechen auf Kortison vorliegt.

Auch bei einer CLL ist es in den letzten Jahren gelungen, den wahrscheinlichen Verlauf der Erkrankung besser vorhersagen zu können. Das gelang durch spezielle Untersuchungen der Leukämiezellen. Damit ist es möglich, diejenigen Betroffenen herauszufiltern, bei denen mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf zu rechnen ist. Diese werden dann mit der für sie passenden Therapie behandelt.

Außerdem richtet sich die CLL-Therapie – mehr oder weniger intensiv – danach, wie alt die Betroffenen sind, ob und wie viele Begleiterkrankungen sie haben und wie schwer diese sind. Dabei ist es immer öfter nicht so wichtig, wie alt der Patient ist, sondern wie fit er körperlich (noch) ist.

Ablauf der CLL-Therapie im Überblick

  • Die Therapie erfolgt bei der chronischen lymphatischen Leukämie meistens ambulant in der Praxis Ihres Hämatologen / Onkologen. Standard für die Ersttherapie ist aktuell noch eine Kombination aus Chemotherapie und CD20-Antikörper. Zunehmend halten jedoch zielgerichtete Therapien in Tablettenform Einzug in die Behandlung der CLL.
  • Sie erhalten die Medikamente in mehreren Einheiten. Jeder Zyklus umfasst die Tage, an denen Sie die Medikamente bekommen, und eine Erholungspause von etwa zwei bis drei Wochen.
  • Sie erhalten die Medikamente an einem oder mehreren Tagen hintereinander als Tabletten, Kapseln oder als Flüssigkeit in eine Vene (Infusion). Von dort verteilt der Blutkreislauf sie im gesamten Körper.
  • Vorbeugend erhalten Sie, falls notwendig, Medikamente gegen Übelkeit.
  • Während der Chemotherapie werden Ihre Blutwerte regelmäßig kontrolliert.

Menschen, die schon länger an einer CLL erkrankt sind, haben zudem manchmal eine Immunschwäche und neigen infolgedessen zu Infektionen. Sie müssen dann oft mit Antibiotika behandelt werden. Manchmal erhalten sie zusätzlich eine Infusion von Abwehrstoffen (Immunglobuline).

Wenn die CLL fortschreitet

Eine Heilung der CLL ist nach heutigem Kenntnisstand nur durch eine allogene Stammzelltransplantation möglich. Andere CLL-Therapien drängen die Krankheit jedoch teilweise so lange zurück, dass die Betroffenen eher am fortgeschrittenen Alter und damit verbundenen weiteren Erkrankungen versterben als an der CLL.

Bei einigen schreitet die chronische lymphatische Leukämie jedoch nach der ersten Therapie nach einiger Zeit wieder fort. Die Lymphknoten schwellen erneut an oder Symptome wie häufiges nächtliches Schwitzen treten wieder auf. Diese Betroffenen werden behandelt, wenn es notwendig ist. Sind seit der ersten Therapie mehr als drei Jahre vergangen, kann diese aufgrund der guten Wirksamkeit sogar wiederholt werden.

Sollte die CLL früher wiederkehren oder haben Sie die erste Behandlung nicht gut vertragen, muss auf eine andere Behandlung gewechselt werden.

Chemotherapie

Für eine Chemotherapie bei der chronischen lymphatischen Leukämie werden nach aktuellem Standard Wirkstoffe gewählt, die der Betroffene am besten verträgt. Bei jungen, fitten Patienten werden die Zytostatika Fludarabin und Cyclophosphamid kombiniert. Ältere Betroffene werden mit Bendamustin behandelt. Wenn zusätzliche Begleiterkrankungen vorliegen, erfolgt eine milde Therapie mit Chlorambucil.

Zielgerichtete Therapien (Targeted Therapy)

Die Möglichkeiten der CLL-Therapie haben sich in den letzten Jahren erweitert. Während die meisten Chemotherapeutika unspezifisch auf alle Körperzellen wirken, greifen neuere Substanzen ganz gezielt nur die Krebszellen an. Sie richten sich gegen Merkmale, die sich nur in Tumorzellen finden oder die bei deren Wachstum von Bedeutung sind. Diese sogenannten zielgerichteten Therapien (englisch targeted therapies) schädigen nicht alle sich teilenden Zellen, sondern greifen möglichst gezielt in den Teilungszyklus der bösartigen Zellen ein. Diese Medikamente sind insgesamt oft verträglicher, haben dafür aber manchmal spezifische Nebenwirkungen.

Zielgerichtete Therapien lassen sich mit einer Chemotherapie kombinieren (Chemoimmuntherapie).

Insgesamt wird die Behandlung der CLL durch zielgerichtete Therapien immer verträglicher. Da Sie Tabletten einnehmen, verbringen Sie auch weniger Zeit in der Arztpraxis. Die Nebenwirkungen fallen insgesamt milder aus.

Hinweis: Ihr Arzt wird Sie in jedem Fall vor Beginn einer CLL-Therapie über mögliche Nebenwirkungen aufklären und Ihnen erläutern, worauf Sie achten sollten. Treten bei Ihnen Nebenwirkungen auf, besprechen Sie immer mit ihm, was Sie dagegen tun können. Gegebenenfalls muss die Therapie vielleicht unterbrochen oder die Dosis verringert werden. Falls die Nebenwirkungen zu schwerwiegend sind, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Antikörper

Wenn in den CLL-Zellen keine genetischen Risikofaktoren nachgewiesen werden, die Krebszellen jedoch ein spezielles Oberflächenmerkmal (CD20) besitzen, wird eine Chemotherapie mit ein oder zwei Substanzen mit einer zielgerichteten Therapie kombiniert. Der CD20-Antikörper (Rituximab, Obinutuzumab, Ofatumumab) bindet an eine ganz bestimmte Struktur auf der CLL-Oberfläche und führt dazu, dass die Leukämiezelle abstirbt. Hierdurch wird die Wirkung der Therapie verstärkt.

Sie erhalten die Antikörper als Flüssigkeit in eine Vene (Infusion).

Mögliche Nebenwirkungen

  • Schüttelfrost
  • Fieber
  • Hitze
  • Luftnot

Üblicherweise treten diese vor allem auf, wenn Sie das Medikament zum ersten Mal erhalten. Hat der Körper sich an die Eiweiße gewöhnt, werden diese problemlos vertragen.

Da die Antikörper bestimmte Abwehrzellen des Körpers anregen, kann es außerdem vorkommen, dass bei Ihnen bestimmte Virusinfektionen wieder auftreten könnten. Bevor die CLL-Therapie beginnt, wird daher noch einmal geprüft, ob Sie zum Beispiel bereits einmal an einer Hepatitis erkrankt waren. Eventuell erhalten Sie dann auch noch eine vorbeugende Behandlung.

Signalwegehemmer

Eine andere Form der CLL-Therapie hemmt das Wachstum der Zellen selbst, indem sie deren Signalwege stört. Diese Signalwege regeln über bestimmte Botenstoffe, dass die Zelle wächst, sich vermehrt oder abstirbt. Sogenannte Signalwegehemmer dringen in die Zellen ein, blockieren den Informationsfluss in der Zelle und sorgen dafür, dass diese abstirbt.

Liegt eine genetische Veränderung in den CLL-Zellen am Chromosom 17 vor (p53-Mutation oder 17p-Deletion) vor, wird eine zielgerichtete Tablettentherapie mit dem Signalwegehemmer Ibrutinib eingeleitet. Sie erhalten Ibrutinib als Kapsel.

Andere zielgerichtete Therapien mit Signalwegehemmern wie Venetoclax (als Kapsel) oder Idelalisib (als Tablette) werden bislang vor allem bei einer fortschreitenden Krankheit nach Chemotherapie eingesetzt, werden aber zunehmend auch als Erstlinientherapie der CLL erforscht. Idelalisib ist bei CLL nur kombiniert mit Rituximab oder Ofatumumab zugelassen.

Mögliche Nebenwirkungen

  • Herzrhythmusstörungen (besonders bei Ibrutinib)
  • Blutungen / vor allem Hauteinblutungen, weil die Zahl der Blutplättchen verringert ist (besonders bei Ibrutinib)
  • Erhöhte Leberwerte
  • Durchfall
  • Entzündung der Lunge
  • Erhöhte Infektionsgefahr, weil die Zahl der weißen Blutzellen verringert ist

Sie können Signalwegehemmer über einen längeren Zeitraum einnehmen, solange sie wirken und Sie diese gut vertragen. Bei Bedarf kann die Dosis verringert werden oder Sie erhalten einen anderen Signalwegehemmer.

Übertragung fremder Stammzellen (allogene Stammzelltransplantation)

Die Übertragung von Stammzellen eines verwandten oder nichtverwandten Spenders (allogene Stammzelltransplantation) ist aktuell die einzige Möglichkeit, eine CLL zu heilen. Sie sollte in Erwägung gezogen werden, wenn die CLL besonders aggressiv verläuft oder alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Allerdings ist die allogene Stammzelltransplantation mit erheblichen Risiken verbunden, denn die Betroffenen müssen vorher mit einer sehr intensiven Chemotherapie behandelt werden. Nach der Transplantation besteht die Gefahr, dass die Stammzellen abgestoßen werden. Daher kommt diese Therapie nur bei wenigen, besonders fitten Betroffenen mit CLL überhaupt in Frage.

Wenn bei Ihnen eine Stammzelltransplantation in Betracht kommt und Sie ausführlichere Informationen dazu möchten, können Sie diese bei Ihrem behandelnden Arzt erhalten, bei den Zentren für Knochenmark- beziehungsweise Stammzelltransplantation oder bei der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe (DLH), dem Bundesverband der Selbsthilfeorganisationen zur Unterstützung von Erwachsenen mit Leukämien und Lymphomen e.V. Die Adresse des Ihrem Wohnort nächstgelegenen Zentrums erfahren Sie ebenfalls bei der DLH oder beim INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei CLL

Neben den schulmedizinischen Methoden werden bei chronisch lymphatischer Leukämie auch komplementäre und alternative Behandlungsmethoden angeboten. Worin sich diese unterscheiden und auf was sie dabei achten sollen, erfahren sie im Artikel Unkonventionelle Behandlungsmöglichkeiten.

Rehabilitation und Nachsorge

Rehabilitation und Nachsorge sind wesentliche Bestandteile der onkologischen Versorgung nach einer chronisch lymphatischen Leukämie. Nach der Akutversorgung im Krankenhaus sind Rehabilitationskliniken, Fach- und Hausarzt wichtig für die weitere Betreuung und Begleitung. Viele Betroffene wenden sich zusätzlich auch an eine Selbsthilfegruppe.

Rehabilitation

Wenn Sie die erste Behandlungsphase (Primärbehandlung) der chronisch lymphatischen Leukämie geschafft haben, beginnt mit der Rehabilitation die nächste Phase. Diese kann sich als Anschlussrehabilitation (AR) / Anschlussheilbehandlung (AHB) direkt oder zeitnah anschließen.

Ausführliche Informationen erhalten Sie im Text Rehabilitation.

Nachsorge

Ziel der Nachsorge bei einer chronisch lymphatischen Leukämie ist es, rechtzeitig zu erkennen, wenn es zu einem Rückfall der Erkrankung kommt, weil sich trotz der Behandlung noch Krebszellen in Ihrem Körper gehalten haben. Bei den Nachsorgeuntersuchungen geht es daher auch darum, Rückfälle frühzeitig zu entdecken, noch bevor sie irgendwelche Beschwerden machen, und diese rechtzeitig zu behandeln.

Zur Nachsorge gehört auch die Beratung über die verschiedenen Möglichkeiten der psychischen, sozialen, familiären, körperlichen und beruflichen Rehabilitation. Es kann durchaus sinnvoll sein, dass Betroffene im Rahmen der Nachsorge spezielle psychosoziale und psychoonkologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Ausführliche Informationen erhalten Sie im Text Nachsorge.

Selbsthilfegruppen

Die meisten an chronischer lymphatischer Leukämie Erkrankten trifft die Diagnose völlig überraschend. Die Behandlung und alles, was sich daran anschließt, die Befürchtung, dass das Leben früher als erwartet zu Ende sein könnte, die praktischen, alltäglichen Folgen der Krankheit – all das sind neue, unbekannte Probleme.

Für viele ist dann der Kontakt zu anderen Betroffenen, die sie zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe finden, eine große Hilfe. Denn sie kennen die Probleme aus eigener Erfahrung und können Ihnen mit Rat und Tat helfen.

Die Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe – Bundesverband der Selbsthilfeorganisationen zur Unterstützung von Erwachsenen mit Leukämien und Lymphomen e.V. (DLH) ist die Selbsthilfevereinigung für Erwachsene mit Leukämien und Lymphomen.

Ratgeber: Bewegung und Sport bei Krebs

Die Blauen Ratgeber Bewegung und Sport bei Krebs

Weitere Informationen zu diesem Thema enthält der blaue Ratgeber Bewegung und Sport bei Krebs. Diesen können Sie als PDF herunterladen oder kostenfrei als Broschüre zu sich nach Hause bestellen.

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Quellen

Zur Erstellung dieser Broschüre wurden die nachstehend aufgeführten Informationsquellen herangezogen:

Empfehlungen der folgenden Organisationen sind integriert

  • Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten mit einer chronischen lymphatischen Leukämie, Kurzversion 1.0, 2018, AWMF Registernummer: 018- 032OL, www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/chronische-lymphatische-leukaemie-cll/
  • The treatment of chronic lymphatic leukemia. Autoren: von Tresckow J, Eichhorst B, Bahlo J, Hallek M, Dtsch Arztebl Int 2019;116: 41–6. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0041

Empfehlungen der folgenden Organisationen sind integriert

  • www.kompetenznetz-leukaemie.de
  • www.ebmt.org
  • www.hematology.org
  • www.dgho.de

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Das INFONETZ KREBS steht Betroffenen nach einer Krebsdiagnose bei! Eine persönliche, kostenfreie Krebsberatung erhalten Sie montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0800 / 80 70 88 77 oder per E-Mail: krebshilfe@infonetz-krebs.de.