Darmkrebs: Lässt sich die Vorsorge weiter verbessern?

Deutsche Krebshilfe fördert Forschung zur Darmkrebsfrüherkennung

Pressemitteilung – 26.03.2020

Heidelberg (chw) – Um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen, stehen zwei unterschiedliche Untersuchungen zur Auswahl: der immunologische Test auf Blut im Stuhl und die Darmspiegelung. „Wichtigstes Ziel ist es, das Auftreten der Krankheit zu verhindern. Das kann gelingen, wenn Krebsvorstufen rechtzeitig erkannt und entfernt werden“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Wenn bereits eine Erkrankung vorliegt, sind die Heilungschancen umso besser, je früher der Tumor entdeckt wird.“ Aber: Insbesondere beim Stuhlbluttest kann es auch zu falschen Ergebnissen kommen. Zudem werden die Angebote zur Darmkrebsfrüherkennung noch zu wenig in Anspruch genommen. Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg wollen die Vorsorge von Darmkrebs weiter verbessern und vereinfachen. Die Deutsche Krebshilfe fördert zwei Projekte des DKFZ mit insgesamt rund 893.000 Euro.

Die gesetzlichen Krankenkassen laden ihre Versicherten ab 50 Jahren zum Darmkrebs-Screening ein. So können Frauen und Männer ab diesem Alter einmal im Jahr einen immunologischen Stuhltest machen. Dieser weist Blut im Stuhl nach, das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Solche kleinen Blutmengen können ein Hinweis auf Darmkrebs oder gutartige Vorformen, sogenannte Polypen oder Adenome, sein. Darüber hinaus haben Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren Anspruch auf zwei Darmspiegelungen. Werden dabei Polypen entdeckt, lassen sie sich direkt entfernen. Zeigt die erste Darmspiegelung einen unauffälligen Befund, ist eine erneute Untersuchung in der Regel erst wieder nach zehn Jahren erforderlich. Denn es dauert meist sehr lange, bis sich die gutartigen Zellen der Vorstufe zu bösartigen Darmkrebszellen verändern.

Darmkrebs-Vorstufen mit Aspirin besser erkennen?
Immunologische Stuhltests spüren rund 75 Prozent aller bereits vorliegenden bösartigen Darmtumoren auf. Doch beim Nachweis der Vorstufen lässt die Empfindlichkeit des Tests noch zu wünschen übrig. Professor Dr. Hermann Brenner, Leiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am DKFZ, geht der Vermutung nach, dass die Einnahme von Aspirin die Nachweisraten steigern könnte – denn Aspirin fördert die Blutungsneigung und möglicherweise findet sich dann auch mehr Blut im Stuhl. In einer aktuellenStudie erhalten rund 1.000 Männer vor einer Darmspiegelung über vier Tage lang je eine Aspirin-Tablette. Jede Tablette enthält 100 mg des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure. Vor der ersten Einnahme und im weiteren Verlauf bis zur Darmspiegelung werden die Studienteilnehmer mehrmals um eine Stuhlprobe gebeten. „Wir wollen die Ergebnisse des Stuhltests vor und nach der Aspirin-Einnahme vergleichen, um zu klären, wie sich dessen Empfindlichkeit durch Aspirin verbessert“, erklärt Brenner. Die Deutsche Krebshilfe fördert die Studie mit rund 575.000 Euro.

Darmkrebsvorsorge per Handy-App?
Trotz Einladung verzichten viele Versicherte auf den immunologischen Stuhlbluttest. Ein möglicher Grund: Die Durchführung ist in Deutschland relativ aufwendig. Versicherte müssen das Test-Röhrchen bei der Ärztin oder dem Arzt abholen, zu Hause eine Stuhlprobe entnehmen und das Röhrchen wieder in die Praxis bringen. Von dort geht die Probe ins Labor. Nach einigen Tagen erhält die Ärztin oder der Arzt schließlich den Befund und bespricht das Ergebnis mit der oder dem Versicherten. Privatdozent Dr. Michael Hoffmeister, ebenfalls Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am DKFZ, will das Prozedere vereinfachen und eine Alternative zum Labortest entwickeln. Die Idee: Die Auswertung der Stuhlprobe soll direkt im Anschluss an die Entnahme zu Hause per Smartphone-App erfolgen. Diese bestimmt den Gehalt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin im Stuhl anhand eines von Nutzern gemachten Fotos und weist somit verstecktes Blut in der Probe nach. „In einer ersten Studie konnten wir bereits zeigen, dass ein solcher digitaler Stuhltest vergleichbare Ergebnisse liefert wie eine Laboruntersuchung“, berichtet Hoffmeister. Allerdings handelte es sich bei den Teilnehmern in dieser Vorstudie um geschultes Personal. „Bevor die Idee vom Smartphone-Stuhltest in der Praxis verwendet werden kann, müssen wir im Rahmen unserer Studie klären, ob das Verfahren auch von Laien durchgeführt werden kann.“ Die Deutsche Krebshilfe fördert die Studie mit rund 318.000 Euro.

Projektnummern: 70113660, 70113662

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