Für mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie bei Krebspatienten

Stiftung Deutsche Krebshilfe fördert Projekt zur besseren Versorgung mit neuen oralen Antitumor-Wirkstoffen mit 373.000 Euro

Pressemitteilung des Universitätsklinikums Erlangen – 29.10.2020

Seit Beginn der 2000er-Jahre nimmt die Bedeutung von oralen Krebsmedikamenten, also jenen in Tabletten- oder Kapselform, stetig zu. Die Patienten können sie eigenständig zu Hause einnehmen und bevorzugen daher häufig diese Art der Behandlung. Eine orale Therapie ist jedoch keinesfalls unproblematisch, wie eine Arbeitsgruppe aus Medizinern und Pharmazeuten des Universitätsklinikums Erlangen sowie des Lehrstuhls für Klinische Pharmakologie und Klinische Toxikologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erneut bestätigte. In enger Zusammenarbeit mit dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN starten die Wissenschaftler Anfang 2021 daher eine wegweisende Versorgungsmaßnahme: Dabei wollen die Projektbeteiligten eine engmaschige Therapiebegleitung von onkologischen Patienten in die Routineversorgung integrieren und den Betroffenen somit eine bessere Behandlung bieten. Die Stiftung Deutsche Krebshilfe fördert das dreijährige Projekt mit insgesamt 373.000 Euro.

Hierzu wird ein interprofessionelles Kompetenz- und Beratungszentrum zur Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit bei oraler Tumortherapie am CCC Erlangen-EMN implementiert. Ein wichtiger Baustein des geplanten Zentrums ist eine pharmazeutische bzw. pharmakologische Beratungsstelle, bei der Patienten und Angehörige detaillierte Informationen zu oralen Tumortherapeutika sowie deren möglichen Nebenwirkungen erhalten. Im Rahmen der Beratung erfolgt außerdem eine umfassende Analyse der Gesamtmedikation. Unklarheiten, Auffälligkeiten und Optimierungsmöglichkeiten werden im Team mit den behandelnden Ärzten und Pflegenden besprochen. 

Für Patienten, Ärzte und Studierende

„Das geplante Kompetenzzentrum wird neben Patienten auch die verordnenden Ärzte bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Dazu werden Informationsmaterialien für Patienten zur Verfügung gestellt und eine Wissensdatenbank zu oralen Tumortherapeutika aufgebaut“, erklärt Prof. Dr. Martin Fromm vom Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie und Klinische Toxikologie der FAU. Zudem soll die lokale Aus- Fort- und Weiterbildung von Ärzten, Apothekern, Pflegenden und Studierenden im Bereich orale Tumortherapie unterstützt und gefördert werden. In Kooperation mit regionalen Selbsthilfegruppen sind Informationsveranstaltungen für Patienten sowie ein regelmäßiger Wissens- und Erfahrungsaustausch geplant. Um die gewonnenen Erkenntnisse und Betreuungsstandards auf andere Standorte übertragen zu können, soll darüber hinaus der Implementierungsprozess eines solchen Kompetenz- und Beratungszentrums systematisch evaluiert werden. „Wir wollen auch anderen Kliniken unsere Erfahrungen zur Verfügung stellen, damit diese möglichst vielen Patienten nutzen“, sagt Prof. Dr. Frank Dörje, Chefapotheker des Uni-Klinikums Erlangen.

Erfolgreiche AMBORA-Studie als Ausgangspunkt

Grundlage der Projektförderung waren die erfolgreichen Vorarbeiten im Rahmen der AMBORA-Studie (AMBORA = Arzneimitteltherapiesicherheit bei oraler Antitumortherapie) von Mitarbeitern der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen und des Lehrstuhls für Klinische Pharmakologie und Klinische Toxikologie der FAU. Die Untersuchung zeigte, dass bei der Behandlung mit oralen Antitumor-Medikamenten zahlreiche arzneimittelbezogene Probleme auftreten können. Dazu zählen neben Medikationsfehlern – etwa fehlerhafte Dosierungen, Wechselwirkungen oder eine falsche Einnahme durch die Patienten – auch Nebenwirkungen. Eine engmaschige Patientenführung und -begleitung ist bei dieser Form der Krebstherapie demnach besonders wichtig. Durch eine zusätzliche intensive klinisch-pharmazeutische bzw. klinisch-pharmakologische Therapiebegleitung konnten im Rahmen der Studie die Patientensicherheit sowie das Wissen und Befinden des Patienten bei der Behandlung mit oralen Tumortherapeutika deutlich verbessert werden. 

Projektnummern: 70114066, 70114067

Quellen: Universitätsklinikum ErlangenFriedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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