Leitfaden: Infosuche bei Krebs im Netz


Infosuche bei Krebs im Netz

Die Diagnose Krebs ist beängstigend. Insbesondere nachts, wenn Betroffene eigentlich zur Ruhe kommen wollen, kreisen ihre Gedanken um die Erkrankung. In dieser Situation suchen viele nach Rat und Informationen im Internet. Die Auswahl an Informationsmöglichkeiten im Netz ist groß, und nicht selten kursieren darin Falschaussagen.
Wir zeigen Ihnen, wie Sie verlässliche Informationen von irreführenden unterscheiden – anhand eines praktischen Leitfadens.

1. Tipp: Die ärztliche Beratung hat Vorrang

Viele Menschen mit einer Krebserkrankung sind in den Gesprächen mit ihren Ärzten angespannt und vergessen daher manchmal wichtige Fragen. Bereiten Sie Ihr Arztgespräch gut vor und bitten Sie um Unterstützung durch ein Familienmitglied.

Wenn Sie sich zusätzlich zum Arztgespräch mit Informationen versorgen möchten, ist das völlig verständlich und richtig. Gute und vollständige Informationen bilden die Grundlage, um beispielsweise eine Therapieform zu wählen oder Nebenwirkungen von Medikamenten gegeneinander abzuwägen.

Aber: Die Informationen, die Sie im Internet finden, ersetzen niemals das Gespräch mit Ihren Ärzten. Sie können aber als Unterstützung für das Gespräch und Ihre Entscheidungsfindung dienen.

Zusammenfassung:

  • Das Gespräch mit Ihren Ärzten hat Vorrang. Bereiten Sie die Gespräche gut vor.
  • Bitten Sie ein Familienmitglied, Sie beim Arztgespräch zu unterstützen.
  • Nutzen Sie die Infos aus dem Netz für Fragen an Ihre Ärzte.
  • Fragen Sie Ihre Ärzte nach weiterführenden Informationen. Das ist Ihr gutes Recht.

Hinweis: Mehr zu diesem Thema „Patienten und Ärzte als Partner“ finden Sie im Ratgeber.

2. Tipp: Vorsicht bei allgemeingültigen Aussagen

Jede Krebserkrankung ist einzigartig. Alle Betroffenen bringen ihre ganz eigenen Merkmale wie Alter, körperliche Fitness, familiäre Vorbelastung und Vorerkrankungen mit. Was gegen eine Krebserkrankung hilft, kann bei einer anderen erfolglos sein – und umgekehrt. Daher sind allgemeine Aussagen mit Vorsicht zu genießen. Insbesondere, wenn diese Aussagen Angst verbreiten. Lassen Sie sich nicht verunsichern und vertrauen Sie auf Ihre Ärzte. Eine Einzelfallbetrachtung durch Fachleute ist immer sicherer als allgemeingültige Aussagen.

Zusammenfassung:

  • Jedes Krankheitsbild ist individuell.
  • Seien Sie vorsichtig, vor allem bei Aussagen, die Angst verbreiten.
  • Eine Einzelfallbetrachtung durch Ihre Ärzte ist unerlässlich.

3. Tipp: Untersuchen Sie die Quelle

Leider finden sich im Internet neben guten und seriösen Informationen auch eine Vielzahl an Falschaussagen. Wie erkennt man also, ob eine Aussage korrekt ist? Eine gute Herangehensweise ist es, die Quelle zu untersuchen.

Online-Angebote mit Informationen über Krebs kosten die Betreiber Zeit und Geld. Werfen Sie deshalb einen Blick darauf, auf wessen Internetseite Sie unterwegs sind. Informationen zum Betreiber finden sich im Impressum der Seite. Seiten ohne Impressum sind in fast allen Fällen unseriös.

Ist der Betreiber der Internetseite eine Privatperson, eine (gemeinnützige) Organisation, eine staatliche Behörde oder ein Unternehmen? Könnten finanzielle Interessen im Vordergrund stehen? Ob Privatperson oder Unternehmen: Wenn finanzielle Interessen im Vordergrund stehen, ist Vorsicht geboten. Sie wollen mehr über die Betreiber der Webseite wissen? Nutzen Sie dazu einfach eine Suchmaschine.

Zusammenfassung:

  • Seiten ohne Impressum sind unseriös.
  • Schauen Sie in das Impressum: Gehört die Seite einer Privatperson, einer Organisation, einer staatlichen Behörde oder einem Unternehmen?
  • Stehen finanzielle Interessen im Vordergrund?
  • Was finden Sie über die Betreiber heraus?

Hinweis: Auch Foren, in denen sich Menschen mit Krebserkrankungen untereinander austauschen, sind Webseiten. Seien Sie beim Austausch in Foren zurückhaltend mit Ihren persönlichen Daten.

4. Tipp: Welchem Zweck dient die Seite?

Manchmal sehen Webseiten auf den ersten Blick informativ und neutral aus, wollen aber in Wahrheit etwas verkaufen. Deshalb sollten Sie darauf achten, ob die Webseite auch eigene Produkte oder Dienstleistungen anbietet. In diesem Fall sollten die dort erhaltenen Informationen bei anderen Quellen verifiziert werden. Zudem gibt es Seiten, die direkt auf Produkte verlinken. Über sogenannte „Affiliate-Links“ erhält der Betreiber der Website eine Provision. Seien Sie in jedem Fall kritisch und vorsichtig, wenn Ihnen Produkte als „Heilmittel gegen Krebs“ verkauft werden. Denn so ein „Heilmittel gegen Krebs“ gibt es leider nicht.

Zusammenfassung:

  • Verkauft die Website Produkte oder Dienstleistungen?
  • Verlinkt die Website auf Produkte?
  • Sind Information und Werbung klar erkennbar und deutlich voneinander getrennt?
  • DAS „Heilmittel gegen Krebs“ gibt es leider nicht.

5. Tipp: Was qualifiziert die Verfasser eines Artikels?

Im Internet lassen sich Fachartikel von onkologischen Ärzten, Berichte von Betroffenen und allerlei andere nützliche Informationen über Krebs finden.

Leider gibt es dazwischen auch falsche Informationen von nicht qualifizierten Personen. Verfasser „alternativer Fakten“ verbreiten in Wahrheit ebenfalls Falschinformationen. Ein Blick auf den beruflichen Lebenslauf hilft hier oftmals weiter, gerade in Internetforen ist dies jedoch meist nicht möglich. Hier ist gesunde Skepsis angebracht.

Zusammenfassung:

  • Welche Informationen finden Sie zu den Verfassern?
  • Ist diese Person qualifiziert, ihre Aussagen zu treffen?
  • Werden „alternative Fakten“ angeboten?
Infosuche bei Krebs im Netz_Quelle

6. Tipp: Werden Quellen abseits des eigenen Informationsangebots zitiert?

Gerade in Fachartikeln wird im Normalfall auf andere Publikationen verwiesen. So zeigen die Forschenden, an welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und Standards ihre Untersuchungen anknüpfen. Auch bei seriösen Webseiten ist es üblich, nicht nur auf das eigene Informationsangebot, sondern auch auf Drittseiten zu verweisen.

Zusammenfassung:

  • Verweist die Website auf nicht-kommerzielle Drittseiten?
  • Sind die Daten und Informationen auf den Drittseiten wissenschaftlich belegt?

7. Tipp: Sind die Informationen noch aktuell?

Die Krebsmedizin schreitet stetig voran. Manchmal findet man daher längst überholte Aussagen im Internet. Deshalb ist es wichtig, die Aktualität der Aussagen zu prüfen. Meist finden Sie Informationen zur Aktualität bei den Quellenangaben. Sollten Sie diese nicht finden, lohnt sich eine zusätzliche Recherche im Internet.

Zusammenfassung:

  • Gibt die Internetseite Informationen zur Aktualität der Aussagen?
  • Recherchieren Sie ggfs., ob die Informationen aktuell sind.

8. Tipp: Wählen Sie den für Sie richtigen Zeitpunkt

Nutzen Sie für Ihre Suche nach Informationen über Krebs einen ruhigen Zeitpunkt. Gerade direkt nach der Diagnose sind viele Betroffene sehr verunsichert und haben das Bedürfnis, sich weitergehend zu informieren. Dies kann jedoch zu Angst und Bedrückung führen. Wählen Sie deshalb einen Moment, in dem Sie sich stabil fühlen. Wenn Sie feststellen, dass die Informationen Sie zu sehr belasten, sollten Sie die Recherche unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortführen.

Zusammenfassung:

  • Wählen Sie einen Zeitpunkt, in dem Sie sich stabil fühlen.
  • Unterbrechen Sie die Recherche, wenn die Informationen Sie zu sehr belasten.

9. Tipp: Setzen Sie sich ein zeitliches Limit

Es ist ratsam, sich für die Informationssuche im Internet ein zeitliches Limit zu setzen und anschließend zur Ruhe zu kommen. Beispielsweise können Sie sich vornehmen, nur 30 Minuten zu recherchieren und das Gerät anschließend auszuschalten. Das Gehirn kann nicht unbegrenzt Informationen verarbeiten und eine Überflutung mit Neuem kann zu Angst oder Überforderung führen. Tun Sie sich anschließend etwas Gutes, führen Sie ein Gespräch mit einem lieben Menschen oder machen Sie etwas, was Ihnen Freude bereitet.

Zusammenfassung:

  • Setzen Sie sich ein Limit.
  • Schalten Sie anschließend das Gerät aus.
  • Tun Sie sich etwas Gutes.

10. Tipp: Machen Sie Entspannungsübungen

Eine Recherche zu einer Krebsdiagnose kann sehr belastend sein. Entspannungsübungen können Betroffenen dabei helfen, ihre Erkrankung besser zu verarbeiten sowie Ängste, Anspannung und Verkrampfung zu mildern.
Empfehlenswerte Methoden sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training, Imaginationstechniken sowie Yoga. Probieren Sie einmal aus, was sich für Sie gut anfühlt.

Zusammenfassung:

  • Entspannungsübungen können dabei helfen, Ängste und Anspannungen zu mildern.
  • Es gibt verschiedene Methoden der Entspannungsübungen, probieren sie einfach aus, was gut zu Ihnen passt.

Fazit

Das Angebot im Internet an Informationen über Krebs ist riesig. Unter Beachtung der 10 Tipps können Sie diese bestmöglich nutzen und Belastungen für sich vermeiden.

Weitere Informationen

Sie möchten sich weiter informieren? Hier finden Sie hier eine kleine Auswahl an Webangeboten, die seriöse, wissenschaftlich fundierte und aktuelle Informationen bieten:

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Eine persönliche, kostenfreie Beratung durch das INFONETZ KREBS erhalten Sie montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0800 / 80 70 88 77 oder per E-Mail: krebshilfe@infonetz-krebs.de.

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