Darmkrebs: Erfahrungsbericht einer Angehörigen


Darmkrebs Erfahrungsbericht einer Angehoerigen

Kathis Lebensgefährte erkrankt mit 47 Jahren an Darmkrebs. In diesem Beitrag schildert Kathi einen Darmkrebs-Erfahrungsbericht als Angehörige und erklärt, warum Darmkrebs-Früherkennung aus ihrer Sicht so wichtig ist.

Darmkrebs – ein Erfahrungsbericht

„Im Mai 2020 bekam mein Lebensgefährte im Alter von 47 Jahren die Diagnose Darmkrebs. Er war kurz vorher bei einer Routine-Darmspiegelung gewesen. Da er diesbezüglich familiär vorbelastet ist, war er schon mit 40 Jahren zum ersten Mal dort. In solchen Fällen wird die Untersuchung von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.“

„Diesmal, sieben Jahre später, hatte der Arzt einen Polypen gefunden, der während der Koloskopie nicht vollständig entfernt werden konnte. Wir stellten uns also auf einen kleinen Eingriff ein, in der die Ärzte den Rest des Polypen entfernen wollten.“

Die Diagnose Darmkrebs war ein Schock

„Ein paar Tage später kam der Anruf von der Arztpraxis, der Polyp enthielt bösartiges Gewebe. Wir haben für die nachfolgende Woche einen OP-Termin vereinbart und mein Lebensgefährte musste zu mehreren Voruntersuchungen.“

„Der Arzt machte uns Hoffnung, schließlich war der Tumor relativ früh erkannt worden.“

„Es wurden Blutwerte gecheckt und ein CT vom Bauchraum gemacht, um zu schauen, ob der Tumor schon gestreut hatte. Dies war zum Glück nicht der Fall. Trotzdem war die Diagnose ein Schock für uns beide, aber wir blieben zuversichtlich. Der Arzt machte uns Hoffnung, schließlich war der Tumor relativ früh erkannt worden.“

Hinweis: Je früher eine Krebskrankheit entdeckt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen, geheilt zu werden.

Darmkrebs Erfahrungsbericht: So verlief die Operation

„Bei der Operation entnahmen die Ärzte ca. 30 cm des Dickdarms, die losen Enden wurden wieder zusammengenäht. Mein Lebensgefährte kam zur Beobachtung ein paar Tage auf die Intensivstation. Um den Darm nicht zusätzlich zu belasten, wurde er über einen Zugang am Hals künstlich ernährt. Bei dem Eingriff konnte der Tumor zum Glück vollständig entfernt werden. Er wurde als ‚T3‘ klassifiziert und hatte bereits die Darmwand perforiert, trotz seiner Lage direkt neben der Leber hatte er aber noch keine Metastasen gebildet. Wir haben also riesiges Glück gehabt.“

Not-Operation ein paar Tage später

„Zwei Tage nach der Operation bekam ich morgens einen Anruf aus dem Krankenhaus. Am Telefon war der Operateur:

‚Leider mussten wir Ihren Lebensgefährten notoperieren. Die Darmnaht ist aufgegangen, sodass Stuhl in den Bauchraum gelaufen ist und sich eine Bauchfellentzündung entwickelt hat. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, aber wir haben ihm vorübergehend einen künstlichen Darmausgang gelegt, um dem Darm die Möglichkeit zur Heilung zu geben. Kommen Sie doch heute Nachmittag vorbei, dann gehen wir zusammen zu ihm.‘“

Wiedersehen im Krankenhaus unter Corona-Bedingungen

„Ich war geschockt, aber froh, dass es meinem Freund soweit gut ging. So eine Komplikation kann leider vorkommen, schließlich gibt es keine Operation ohne Risiko. Als ich ihn sah, habe ich mich erschrocken – er war sehr blass und schwach. Aber er war wach und hat sich gefreut, mich zu sehen.“

„Zum Glück durfte ich trotz Corona zu ihm. Jeder Patient konnte eine Person festlegen, die ihn während des Krankenhausaufenthaltes besuchen durfte. Die Besuchszeit war zwar auf eine Stunde beschränkt. Auf der Intensivstation war es nur eine halbe Stunde, aber das war besser als nichts.“

„Als ich ihn sah, habe ich mich erschrocken – er war sehr blass und schwach. Aber er war wach und hat sich gefreut, mich zu sehen.“

WLAN auf der Intensivstation

„Bei meinem nächsten Besuch ging es ihm etwas besser. Er war zwar immer noch sehr schwach, aber er hatte sich Gedanken gemacht, wie er am kommenden Wochenende auf der Intensivstation Fußball schauen könnte – die ersten Spiele nach der Corona-Pause. Das war ein gutes Zeichen, also besorgte ich ihm die technischen Geräte, damit er auf seinem Smartphone über WLAN kein Spiel verpasst.“

Entlassung nach zwei Wochen

„Er wurde an dem Samstag dann auf die normale Station verlegt, auf der er noch eine Woche bleiben musste. Die Ärzte überlegten zuerst, den künstlichen Darmausgang noch während dieses Krankenhausaufenthaltes zurückzuverlegen. Aber das Risiko wäre zu groß gewesen, also wurde er nach insgesamt knapp zwei Wochen entlassen.“

Wieder zu Hause: geschwächt aber glücklich

„Wir waren beide sehr froh, als ich ihn wieder nach Hause holen konnte, allerdings war er unglaublich geschwächt. Er ist immer sehr sportlich gewesen, und jetzt konnte er teilweise gar nicht aus dem Bett aufstehen. Ihn so zu sehen, war für mich extrem schwer. Aber nach den beiden Operationen und der Bauchfellentzündung kein Wunder, die Muskulatur baut sehr schnell ab.  Er hat von seinen rund 80 kg, die er vor den OPs hatte, ca. 10 kg verloren.“

Stoma: künstlicher Darmausgang

„Eine Stoma-Therapeutin kam zu uns nach Hause und zeigte ihm, wie er den Beutel selber wechseln und das Stoma reinigen konnte, damit ist er ganz gut zurechtgekommen. Sechs Wochen nach dem zweiten Eingriff ist der künstliche Darmausgang wieder zurückverlegt worden, jetzt geht es meinem Lebensgefährten wieder einigermaßen gut.“

Darmkrebs Erfahrungsbericht: Man muss wieder zu sich finden

„Mit spezieller Nahrungsergänzung hat er nach und nach wieder zugenommen, und er ist jeden Tag ein paar Schritte mehr gegangen, um die Muskulatur wieder aufzubauen. Anfangs waren es nur ein paar Runden auf dem Balkon, aber mittlerweile macht er jeden Tag mindestens 10.000 Schritte. Mit Physiotherapie und EMS-Training hat er es geschafft, wieder fast der Alte zu sein.“

Hinweis: Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Bewegung und Sport den Krankheitsverlauf bei Krebs positiv beeinflussen. Informationen dazu finden Sie in unserem Ratgeber Bewegung bei Krebs.

Darmkrebs: Vorsorge ist wichtig

Kathis Appell: Geht zur Vorsorge!

„Ich kann nur jedem empfehlen, zur Vorsorge zu gehen. Eine Darmspiegelung ist zwar nicht angenehm, und es gibt bessere Getränke als Abführmittel.“

„Aber ich bin sicher: Wäre mein Lebensgefährte nicht zur Darmspiegelung gegangen, wäre der Tumor nicht entdeckt worden. Das Ding hätte mittlerweile Metastasen gebildet, und wer weiß, ob es meinem Freund dann jetzt so gut ginge. Zum Glück hat er es auch ohne Bestrahlung und Chemotherapie geschafft, aber ohne die Darmspiegelung sicherlich nicht.“

Hinweis: Die Begriffe „Krebsvorsorge“ und „Vorsorgeuntersuchungen“ erwecken den Eindruck, dass sich eine Krebserkrankung durch Untersuchungen verhindern lässt. Das ist nicht richtig. Die Untersuchungen haben das Ziel, Krebserkrankungen früh zu erkennen, deshalb sind „Krebsfrüherkennung“ und „Früherkennungsuntersuchungen“ die korrekten Bezeichnungen.

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