Krebsprävention: Fußballfans im Training


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Francesco Mattone lässt sich seinen Bauch von Martin Max, einem ehemaligen Schalke-Stürmer, vermessen.

Schauplatz Gelsenkirchen, auf den Sportanlagen des FC Schalke 04: Wo normalerweise die Fußballprofis trainieren, laufen an diesem Mittwochabend 26 beleibte Männer hinter einem Ball her. Mittendrin: Francesco Mattone. Eifrig schießt der gebürtige Italiener einen weiten Pass zu seinem Mitspieler.

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Keine leichte Aufgabe bei 112 Kilo Körpergewicht und einem Bauchumfang von über 100 cm. Unermüdlich bietet sich der 47-Jährige an und ist sowohl in der Abwehr als auch im Sturm aktiv. Francesco fühlt sich in diesem Umfeld sichtlich wohl und vor allem: Sich zu bewegen, macht ihm endlich wieder Spaß.

„Ich bin faul geworden“

Bis er 20 Jahre alt ist, spielt Francesco Mattone beim SV Rotthausen im Gelsenkirchener Süden. Nach einer Lehre als Koch, steigt er zum Kücheleiter auf.

Dann kommt der Bürojob und mit ihm ein Acht-Stunden-Tag mit viel Sitzen, wenig Bewegung, Fastfood. „Wenn man einmal die Schwelle überschritten hat, dann fällt es leichter, das Training auch ein zweites oder drittes Mal ausfallen zu lassen“, erinnert er sich. Viele Jahre zeigt er seine sportliche Leidenschaft nur noch auf den Zuschauerrängen im Stadion. Doch wohl fühlt er sich damit nicht. Schließlich kauft er sich einen Hometrainer und trifft sich regelmäßig mit Freunden zum Fußballspielen. „Ich war wieder auf einem guten Weg.“ Doch dann der Einbruch: 2012 erleidet er eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Sein Dickdarm wird komplett entfernt. „Seitdem habe ich mich kaum noch bewegt.“

Eine bittere Erfahrung für Francesco. Oft verbringt der Familienvater die Abende nun vor dem Fernseher, morgens steigt er in sein Auto, um zur Arbeit zu kommen. Auch hier muss er keine weiten Wege gehen. Zwölf Treppenstufen bis zu seinem Büro sind die einzige Hürde, die er täglich nimmt. „Selbst im Büro bin ich mit dem Schreibtischstuhl bis zum Schrank gerollt. Ich bin faul geworden“, gesteht er sich heute ein. Neben dem Mangel an Bewegung sind belegte Toasts, Espresso mit viel Zucker sowie wenig Obst und Gemüse die Regel. Wenn der eingefleischte Schalke-Fan seine Mannschaft im Stadion anfeuert, gehören Brat- oder Currywurst einfach dazu, manchmal auch beides. Hinzu kommt die eine oder andere Cola und gerne auch ein Becher Bier. Gut 30 Kilo nimmt Francesco in den letzten drei Jahren an Gewicht zu.

Durchsage während des Heimspiels

Während eines Heimspiels des FC Schalke 04 hört Francesco eine Durchsage, die ihn aufhorchen lässt und anspricht: Sein Lieblingsverein bietet ein Programm an, das übergewichtigen Fans zwischen 35 und 65 Jahren dabei hilft, Kilos zu verlieren.

Für ihn steht sofort fest: „Da mache ich mit.“ Direkt am nächsten Tag nutzt er die Chance und meldet sich für das Projekt „Fußballfans im Training“ an.

„Da mache ich mit!“

Das Präventionsprojekt „Fußballfans im Training“ der Deutschen Krebshilfe ist zunächst auf Männer ausgerichtet und wird seit der Rückrunde der Saison 2016/2017 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel (IFT-Nord) bereits in sieben Vereinen der 1. und 2. Bundesliga durchgeführt. Ziel ist es, möglichst viele übergewichtige Fans zu motivieren, gesünder zu leben. Denn Übergewicht ist ein Risikofaktor für mindestens 13 verschiedene Krebsarten. Neben dem FC Schalke 04 beteiligen sich derzeit schon Bayer Leverkusen, RB Leipzig, Mainz 05, der FC Ingolstadt, Eintracht Braunschweig und der 1. FC Nürnberg an dem Programm.

Die Kurse finden dort statt, wo das Fanherz schlägt: in den Sportstätten und auf den Sportanlagen des jeweiligen Clubs. Die Trainer kommen ebenfalls aus den Reihen des Vereins. In zwölf mal 90 Minuten-Einheiten vermitteln sie sowohl theoretisch als auch praktisch, wie die Teilnehmer schrittweise ihr Bewegungsverhalten ändern und ihre Ernährung positiv beeinflussen können. Ein Schrittzähler und ein detailliertes Handbuch mit wertvollen Tipps sollen helfen, auch außerhalb der Kurse ihre Ziele zu verfolgen. Jedem wird ermöglicht, in seinem eigenen Tempo teilzuhaben und kleine, machbare Fortschritte zu erreichen. Um zu prüfen, ob Francesco Mattone für das Programm geeignet ist, werden einige Daten von ihm erhoben: wiegen sowie Körpergröße, Bauchumfang und Blutdruck messen. Das Ergebnis: Er ist dabei.

Training auf dem Gelände des FC Schalke 04

Jeden Mittwochabend trifft Francesco Mattone pünktlich und motiviert auf dem Gelände des FC Schalke 04 in Gelsenkirchen ein. Egal, ob ein leichtes Konditionstraining oder einen Treppenlauf auf den Stufen des Schalker Stadions – er bewältigt alle Herausforderungen. „Ich bin unter Gleichgesinnten und nicht der, auf den alle schauen, weil ich so dick bin“, so Francesco. In seiner Gruppe haben alle ähnliche Gewichtsprobleme und sie teilen die Leidenschaft für den Verein Schalke 04. Die Männer lernen voneinander und ziehen sich gegenseitig mit, das motiviert ihn: „So bekomme ich die Kraft, die Ziele, die ich mir Stück für Stück setze, auch durchzuhalten.“

Francesco M.

„Ich bin unter Gleichgesinnten und nicht der, auf den alle schauen, weil ich so dick bin.“

 

Der Alltag ändert sich

Auch im Alltag wird der XXL-Fußballfan wieder agiler. Während Francesco früher weniger als 1.500 Schritte am Tag zurücklegt, geht er heute durchschnittlich 5.400 Schritte täglich. Bis zum Ende des Kurses möchte er 12.000 Schritte erreichen und diese Schrittzahl langfristig halten. Zusätzlich zu den Bewegungseinheiten erhält er in seinen Kursen wertvolle Tipps für ein gesundes Essverhalten.

Ernährungsumstellung

Anstelle von Toast und Bratwurst stehen nun Obst und Gemüse auf dem Speiseplan. Er lernt zu kontrollieren, wieviel Kohlenhydrate er täglich zu sich nimmt. „Klassische Saucen mit dicker Mayonnaise ersetze ich durch leichte Joghurtsaucen, rühre keinen Alkohol unter die Bratensauce und Schinkenspeck kommt gar nicht erst auf den Tisch.“ Francesco ist eisern, drei Kilo sind schon runter. Bis zum Jahresende sollen es zehn sein, auch wenn er eigentlich gerne noch mehr abnehmen würde: „Ich setze mir möglichst machbare, realistische Ziele. Sind es am Ende doch über zehn Kilo – umso besser. Wichtig ist allein, dass ich wieder fit werde und mich in meiner Haut wohlfühle.“ Davon ist Francesco Mattone überzeugt.

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