Nancy

kämpft für sich und ihre Kinder.

Mein Name ist Nancy, ich erkrankte vor 3,5 Jahren in der 26. Schwangerschaftswoche an Krebs. Für mich brach eine Welt zusammen: Ich war 38 Jahre alleinstehend mit einer 15-jährigen Tochter und selbstständig im Einzelhandel. Ich steckte in einer schlimmen Scheidung von meinem Ex-Mann und hatte mich vom Vater meines zu erwartendes Kindes getrennt.
Nun saß ich da in meinem Schlamassel, kämpfte mit vorzeitigen Wehen und Blutungen und nun kam auch noch die Diagnose Mammakarzinom hinzu. Die Ärzte wollten sofort mit einer Chemotherapie beginnen was ich erstmal rigoros ablehnte. Wir einigten uns darauf erstmal den Tumor zu entfernen und das weitere Vorgehen danach zu besprechen. 3 Tage nach der Diagnose erfolgte eine BET bei der ein Tumor von 7,5cm x 5cm entfernt wurde. Ein Lymphknoten war befallen. In der Zeit lernte ich meine heutige Freundin auf Station kennen mit der gleichen Diagnose und auch in der Schwangerschaft. Wir haben gekämpft für unsere Kinder und uns! 3 Wochen später wurde mir der Port gelegt, mein Sohn fand das nicht so toll, er entschied in der 29+6 SSW das er sich jetzt genug Zeit gelassen hat und per Notkaiserschnitt am selben Tag geboren wurde. Nach 2 Vollnarkosen an einem Tag war ich total breit :-(  und meinen Sohn konnte ich erst am nächsten Tag auf der Frühchenstation besuchen. Er wog 1400g und war 41cm groß, eine Handvoll pures Glück. Nun konnte ich mich beruhigt auf die Therapie einlassen. Ich bekam 3 Wochen später die erste von 4 EC Chemo. Zu der Zeit lagen wir noch in der Klinik. Nach einigen Hürden durfte auch meine große Tochter mit auf die Frühchenstation um mich während der Chemophase zu unterstützen. Ich bin so stolz auf meine Kinder. Der Marathon begann: Nach 4xEC bekam ich 12 Paclitaxel nach weiteren 3 Wochen wurde eine Ablatio durchgeführt danach begannen 28 Bestrahlungen. Jeden Tag holte mich und meinen Sohn unser Taxifahrer frühmorgens halb 7 ab zur Bestrahlung danach ging es zur Arbeit. Ich war ja selbstständig und hatte dank unserer Bürokratie keinen Anspruch auf Krankengeld. So vergingen Wochen und Monate. Ich musste aufgrund des Tamoxifen 2x ausgeschabt werden bis entschlossen wurde, auch die Gebärmutter zu entfernen. Meine Schilddrüse entwickelte plötzlich große Knoten und musste auch entfernt werden. Die Brust wurde mit einem Expander wieder aufgebaut, was eine sehr schmerzvolle Erfahrung war. Später wurde der Expander ausgetauscht und eine Mastektomie an der rechten Brust mit Silikonaufbau durchgeführt. Das Ganze entzündete sich, Gewebe starb ab und es musste 14 Tage später nochmal operiert werden. Meine Familie kam extra für die EC Chemo 540km aus Thüringen gefahren um mich zu unterstützen, ich bin meiner Familie und meinen Freunden auf ewig zu Dank verpflichtet. Nach 2,5 Jahren Kampf war ich so ausgelaugt und psychisch erschöpft, dass ich meinen Laden schließen musste und Rente beantragt habe. Auch heute noch bin ich sehr erschöpft und vor jedem Arztbesuch bricht der blanke Horror aus.
Aber ich habe es geschafft, ich werde weiter für mich und meine wunderbaren Kinder kämpfen. Meine Tochter hat mich während der ganzen Zeit mit voller Kraft unterstützt und nebenbei ein tolles ABI hingelegt. Sie tritt dieses Jahr als Hebamme in meine Fussstapfen, was mich unendlich stolz macht.
Mein Sohn ist zu einem tollen kleinen Mann herangewachsen der viele Flausen in seinem kleinen Köpfchen hat. Seine Liebe lässt mich jeden Tag der nicht so doll ist, ertragen und zieht mich immer wieder aus meinen doch immer mal wieder auftretenden Tiefs. Dieses Jahr ziehe ich aus Mecklenburg Vorpommern zurück nach Thüringen in die Nähe meiner wundervollen Familie.
Eure Nancy

Unterstützen auch Sie den Kampf gegen Krebs!