Heike

beschreibt ihren Weg aus der chronischen Kraftlosigkeit.

Schon in den Chemotherapien merkte ich zunehmend, wie ich  schwächer wurde und immer länger brauchte um mich zu erholen. Komplikationen und Nebenwirkungen wie Lungenentzündungen und Knochenschmerzen strengten meinen Körper mehr und mehr an.
In der Zeit der Bestrahlung gesellte sich dann dieses neue bleierne Gefühl  dazu. Es eroberte mich vollkommen und ließ mich handlungsunfähig  werden. Es fühlte sich an, als  würde  Blei in jede Zelle meines Körpers fließen.


Nach Abschluss der Therapien sollte ich zur Erholung in eine vier wöchige Reha gehen. Danach wollte ich zügig in mein altes Leben zurück. Ich war 25, hatte meinen ersten Job gehabt und eine tolle Wohnung. Ich sehnte mich in diese Zeit zurück und setzte alle Kraft daran, möglichst bald gesellschaftlich wieder dazu zu gehören. Doch meine Genesung und ich hatten leider zwei unterschiedliche Vorstellungen von meinem weiteren Lebensweg. Der Krebs war weg und der Duft nach meinem alten Leben roch einfach so gut und gab mir alle Motivation meinen Körper wieder herzustellen. Dennoch wollten diese Tage voller Schwere einfach nicht von mir weichen.
„Gib dir ein bisschen Zeit!“
„Schlaf dich mal aus!“
„Du musst die Krankheit noch besser verarbeiten.“
„Das kann gar nicht sein, du bist doch jetzt gesund, oder wirst du depressiv?“
Dies waren Aussagen, Meinungen und  gut gemeinte Ratschläge aus dem Umfeld.
Ich wusste  ja auch nicht was das war und  erhoffte mir Hilfe aus der Schulmedizin. Es musste doch irgendetwas geben was meinen Körper wieder stärken würde?!
Ich bekam keine Antwort.
Mit der Folge, dass ich nach dem missglückten Wiedereingliederungsversuch in meiner Arbeit, dauerhaft krankgeschrieben wurde. Da meine Krankenkasse bald nicht mehr für mich aufkommen würde,  sollte nach Alternativen gesucht werden. Mit dem Resultat der vollzeitigen Erwerbsunfähigkeit.
Da stand ich nun. Die Blase, in mein altes Leben zurückkehren zu können, war geplatzt. Stattdessen war meiner neuer Status: Heike 26 Jahre, Morbus Hodgkin, chronische Fatigue und Vollzeit berentet.

Nach außen schien mein Körper sich zu erholen. Die Haare wuchsen wieder und schon bald war nicht mehr erkennbar, welchen Marathon ich hinter mir hatte.
Die unsichtbaren Probleme blieben aber.  Die extreme bleierne Müdigkeit, die Abgeschlagenheit  und die Missempfindungen. Ich merkte wie immer mehr Ungeduld in meinem Umfeld aber auch vor allem bei mir selbst, aufkam. Die Krankheit war doch nun vorbei, warum konnte ich nicht wieder normal sein?!
In den Kontrolluntersuchungen wurde kaum auf diese Beschwerden eingegangen.
„Frau Brodersen, der Krebs ist geheilt und die Therapien sind vorbei. Die Symptome, die sie schildern, können nicht sein.“
Erst in einer weiteren Reha Maßnahme und in den Sitzungen bei einer Psychoonkologin schenkte man mir Gehör und Verständnis. Anscheinend erging es vielen Patienten ähnlich wie mir.
Entscheidend war letztendlich mein Wille.

Ich wollte mich befreien aus diesem  Zustand. Wieder mehr Energie und Stärke leben können, mir eine Vision von meinem zukünftigen Leben aufbauen.
Das machte ich dann auch gänzlich. Ich schaffte mir eine Vision. Ich strebte eine weitere Ausbildung an. Außerdem wollte ich den Zustand der Berentung beenden und ein eigenständiges Leben als junge, attraktive Frau führen.
Ich musste dahin noch viele Täler durchschreiten und der Gegenwind war teilweise heftig.

Rückblickend bin ich aber dankbar und vor allem Stolz darauf was ich geleistet habe.
Heute führe ich ein Leben in gesundheitlicher Freiheit. Ich bestimme jeden Tag  in voller Eigenverantwortung  und ich habe mich vollständig von der Fatigue Symptomatik und den anderen Begleiterscheinungen lösen können. Und als absolutes „i Tüpfelchen“ darf ich mich mit 37 Jahren,  Mama einer wundervollen kleinen Tochter bezeichnen.
Meine Herzensvision ist es, mein Wissen und meine Erfahrungen an betroffene Frauen weiterzugeben. Ich möchte den Frauen Mut zu sprechen, Vertrauen in die eigene Genesungskraft des Körpers zu haben. Es lohnt sich immer für diesen Weg einzustehen. www.instagram.com/heikebrodersen/

 

 

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