WIEDERAUFBAU DER BRUST NACH BRUSTKREBS

Bei einer Brustamputation stellt sich für viele Frauen mit Brustkrebs die Frage: Lasse ich meine Brust wiederaufbauen? Oder komme ich mit einer Prothese beziehungsweise ohne einen äußeren Ausgleich klar? Wofür auch im­mer Sie sich entscheiden, wichtig ist, dass Sie sich damit wohlfühlen.

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Heute gehört es zum operativen Standard beim Mammakarzinom, eine Brust mit Implan­taten oder durch körpereigenes Gewebe plastisch-operativ wie­deraufzubauen (Rekonstruktion) und die Brustwarze wiederher­zustellen. Trotzdem entscheiden sich nur rund zehn bis 40 Pro­zent der betroffenen Frauen für eine solche Operation. Bei einem Teil der Frauen ist es sicher eine bewusste Entscheidung, andere wiederum sind vermutlich nicht ausreichend oder sogar falsch über die Möglichkeiten des Brustwiederaufbaus informiert oder haben Angst davor. Muss bei Ihnen eine Brust entfernt werden, haben Sie Anspruch auf eine ausführliche Beratung zur Wieder­herstellung der Brust.

Da in vielen Fällen der Wiederaufbau der Brust in derselben Ope­ration wie die Brustamputation erfolgen kann, lassen Sie sich frühzeitig und umfassend beraten, welche Operationsmöglich­keiten für Sie infrage kommen. Ihre behandelnden Ärzte werden dies tun. Sie können sich aber auch an erfahrene Spezialisten für die plastische Wiederherstellung der Brust wenden, die Sie in jedem Brustzentrum finden. Oft ist es sinnvoll und hilfreich, dass Ihr Partner / Ihre Partnerin bei diesen Gesprächen dabei ist; er / sie kann Sie bei Ihrer Entscheidung unterstützen.

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden der Brustrekonstruktion bei Brustkrebs: Entweder es werden Implantate unter die Haut und den Brust­muskel eingesetzt (implantiert, heterologe Rekonstruktion) oder es wird eigenes Gewebe der Frau verwendet (autologe Rekonstruktion). Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile; lassen Sie sich diese ausführlich und verständlich erklären.

Rekonstruktion mit Implantat

Die heute verwendeten Implantate haben eine Silikonhülle und sind mit einem Silikongel oder mit Kochsalzlösung gefüllt. Es gibt runde und tropfenförmige (anatomisch) geformte Implan­tate. Sie unterliegen strengen Qualitätsprüfungen, und es gilt mittlerweile als erwiesen, dass diese Implantate sehr sicher sind und auch den Verlauf einer Brustkrebserkrankung nicht negativ beeinflussen.

Eine mit Implantaten wiederaufgebaute Brust kann sehr gute kosmetische Ergebnisse erzielen. Besonders weil in derselben Operation die Brust entfernt und das Implantat eingesetzt wer­den können, ist es möglich, dass die betroffene Frau den Verlust ihrer Brust als weniger traumatisierend empfindet.

Ein Implantat kann aber auch noch später eingesetzt werden. In diesem Fall platziert der Arzt zunächst ein auffüllbares Kissen (Expander) unter dem Brustmuskel, das über ein Ventil nach und nach mit Kochsalzlösung gefüllt wird. So können sich die Brusthaut und der Brustmuskel langsam dehnen. In einer wei­teren Operation wird dieses Kissen später durch das endgültige Implantat ersetzt.

Implantate haben den Nachteil, dass für sie nur Fremdmateri­alien verwendet werden, die vielleicht lokal Probleme verursa­chen können. Vielleicht empfindet die Frau das Implantat als Fremdkörper und / oder hat ein Kältegefühl in der rekonstruierten Brust. Diese kann sich auch verhärten oder verformen, sodass unter Umständen weitere Operationen notwendig werden. Anders als früher brauchen die modernen Implantate heute aller­dings nicht mehr grundsätzlich alle zehn Jahre ausgetauscht zu werden.

Rekonstruktion mit Eigengewebe

Wer auf Fremdmaterial verzichten möchte, kann die Brust durch Eigengewebe wiederaufbauen lassen. Frauen mit einem Mammakarzinom, die bestrahlt wurden oder noch bestrahlt werden sollen, sollten sich von ihrem Arzt ausführlich beraten lassen, welche Methode für sie am besten ist. Denn eine Bestrahlung kann dazu führen, dass das Brustwandgewebe weniger geschmeidig und belastbar ist; dadurch kann ein Brustwiederaufbau mit Implantaten höhere Komplikationsraten haben.

Wird die Brust mit Eigengewebe wiederaufgebaut, entnimmt der Arzt dieses in erster Linie vom Unterbauch, selten auch vom Rücken, von der Oberschenkelinnenseite oder vom Gesäß. Wichtig ist, dass das verpflanzte Gewebe ausreichend mit Blut versorgt ist, eventuell lässt sich ein direkter Anschluss an ein Blutgefäß nutzen oder die Versorgung erfolgt über einen Muskel. In seltenen Fällen kann es dennoch passieren, dass das ver­pflanzte Gewebe zu wenig durchblutet ist, sodass ein Teil davon oder auch alles wieder entfernt werden muss.

Die kosmetischen Ergebnisse bei diesem Verfahren können sehr gut und natürlich sein. Das verpflanzte Eigengewebe fühlt sich weich und warm an, und langfristig sind keine weiteren Opera­tionen nötig. Der Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe hat allerdings den Nachteil, dass durch die Gewebeentnahme an eigentlich gesunden Körperstellen Narben entstehen und auch andere vorübergehende Einschränkungen auftreten können. Die Narben lassen sich in der Regel durch die Unterwäsche verde­cken. Fortschritte in der plastischen Chirurgie haben sogar dazu geführt, dass dieses Eigengewebe an Stellen entfernt wird, an denen ohnehin ein gewisser Gewebeüberschuss besteht. Bei sehr schlanken Frauen kann es jedoch vorkommen, dass manch­mal nicht genügend Eigengewebe vorhanden ist.

Wichtig: Überlegen Sie gut, ob und wie Sie die fehlende Brust wiederaufbauen lassen möchten, und lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten. Es hat sich gezeigt, dass Frauen, die gut beraten wurden, insgesamt mit ihrer Entscheidung zufriedener sind – egal, wofür sie sich entschieden haben.

Sofern bei der Brustentfernung Brustwarze und Warzenhof wur­den, können diese mit Eigengewebe wiederhergestellt werden. Es besteht die Möglichkeit, sie abschließend durch eine medizi­nische Tätowierung farblich anpassen zu lassen. Die Rekonstruk­tion kann jedoch erst erfolgen, wenn die Operationsnarben gut verheilt sind, das heißt mehrere Monate nach dem Brustaufbau.

Wenn Sie keine Rekonstruktion der Brustwarze wünschen, kön­nen Sie auch aufklebbare Brustwarzenprothesen verwenden. Sie erhalten dafür von Ihrem Arzt ein Rezept und finden diese in Sanitätsfachgeschäften.

Die Kosten für den Wiederaufbau der Brust trägt die Kranken­kasse. Inwieweit Ihre Krankenkasse auch die Tätowierung der Brustwarze übernimmt, sollten Sie vorab mit Ihrer Krankenkasse klären. Nicht alle gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten.

Vor der Entscheidung für den Wiederaufbau der Brust

  • Lassen Sie sich schon vor der Operation, bei der die Brust entfernt wird, von einem in allen Operationstechniken erfahrenen Arzt ausführlich beraten, was in Ihrem speziellen Fall in Frage kommt.
  • Fragen Sie nach Vor- und Nachteilen der verschiedenen Möglichkeiten des Wiederaufbaus der Brust.
  • Fragen Sie, wann der beste Zeitpunkt für einen Brustaufbau ist und was Sie bis dahin tun können.
  • Fragen Sie nach der Erfahrung der behandelnden Chirurgen mit unterschiedlichen Verfahren des Brustwiederaufbaus nach Brustkrebs.
  • Erkundigen Sie sich bei einer Selbsthilfegruppe, welche Erfahrungen andere Frauen gemacht haben.
  • Fragen Sie nach der Anzahl der Operationen, die notwendig sind, um ein bestimmtes Operationsergebnis zu erzielen.
  • Fragen Sie nach Komplikationen, die häufig beim Wiederaufbau der Brust auftreten, oder auch nach seltenen, aber schwerwiegenden Komplikationen.

Ausführliche Informationen finden Sie in der Broschüre „Brustamputation – wie geht es weiter“ der Frauenselbsthilfe nach Krebs.

Versorgung mit Hilfsmitteln

Sollte bei Ihnen – aus welchem Grund auch immer – ein Wieder­aufbau der Brust nicht infrage kommen, gibt es eine Vielzahl von Brustprothesen, aus denen Sie die für Sie am besten geeignete auswählen können. Im Regelfall werden diese Kissen (Epithesen) in einen speziellen BH (oder Badeanzug) mit einer eingenähten Tasche eingelegt. Es gibt inzwischen zahlreiche unterschiedliche Modelle. Mit ihnen lässt sich die Prothese so gut an Ihre körper­lichen Gegebenheiten anpassen, dass es optisch zwischen der operierten Seite und der gesunden Brust keinen Unterschied gibt.

Solange die Wundheilung nach der Operation noch nicht abge­schlossen ist, erhalten Sie zunächst eine sogenannte Erstversor­gungsprothese. Diese Schaumstoffprothese ist besonders weich und schonend für den Narbenbereich. Später bekommen Sie dann eine Silikonprothese, die getragen werden sollte.

Hinweis: Die Kosten für eine Brustprothese übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, anteilmäßig auch die Kosten für die erfor­derlichen Spezialbüstenhalter und -badeanzüge. Wenn Sie privat versichert sind, setzen Sie sich vorher mit Ihrer Krankenversiche­rung in Verbindung.

Pro Jahr haben Sie Anspruch auf zwei solcher BHs. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt am besten gleich beide verschreiben.

Hier einige Tipps, wie Sie die richtige Prothese finden können

  • Treffen Sie keine überstürzte Entscheidung – lassen Sie sich Zeit mit der Anprobe.
  • Haben Sie keine Scheu oder Hemmungen bei der Anpassung.
  • Achten Sie darauf, dass die Brustprothese auf jeden Fall bequem sitzt.
  • Wenn Sie zur Anpassung fahren, nehmen Sie verschiedene Kleidungsstücke mit, damit Sie den Sitz der Prothese besser beurteilen können.
  • Bitten Sie eine Ihnen vertraute Person, zum Beispiel eine gute Freundin, Sie zu begleiten: Sie wird als zuverlässige Beobachterin beurteilen, ob die Brustprothese aus jeder Perspektive echt aussieht.

Das Tragen einer Prothese ist alleine Ihre eigene Entscheidung. Wenn Sie sich in Ihrem veränderte Körperbild wohlfühlen, kön­nen Sie sich auch gegen eine Prothese entscheiden.

Gründe für eine Entscheidung gegen eine Prothese

  • Äußere Prothesen können in bestimmten Situationen als unangenehm empfunden werden (Druckstellen, Wärmeent­wicklung, Einschränkungen beispielsweise beim Sport)
  • Einschränkung der Lebensqualität durch schlechtsitzende Prothese

Brustlosigkeit als Alternative

Sie können sich nach Brustkrebs auch bewusst gegen den Wiederaufbau Ihrer Brust entscheiden. Besprechen Sie auch diese Behandlungs­möglichkeit vorab mit Ihrem behandelnden Ärzteteam. Patien­tinnen, die sich nicht entscheiden können, werden gewöhnlich so operiert, dass günstige lokale Bedingungen für eine mögliche spätere Rekonstruktion bestehen bleiben.

Gründe für eine Entscheidung gegen einen Wiederaufbau der Brust

  • Angst vor großen Operationen, bei denen aus anderen Berei­chen des Körpers Material für den Brustaufbau entnommen werden muss
  • Kein Vertrauen in Silikonpräparate
  • Mögliche Folgeoperationen nach dem Einsatz von Silikonpräparaten
  • Vermeidung von möglichen Bewegungseinschränkungen oder Missempfindungen durch den operativen Wiederaufbau der Brust

Weitere Informationen

Letzte Aktualisierung

  • Wissenschaftliche Überarbeitung April 2026

Text und Redaktion

  • Sandra von dem Hagen, Stiftung Deutsche Krebshilfe
  • Dr. Désirée Maßberg, Stiftung Deutsche Krebshilfe
  • Gabriela Wolff-Bosio, Stiftung Deutsche Krebshilfe

Medizinische Beratung

Prof. Dr. med. T. Fehm
Direktorin der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf
Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf

Prof. Dr. med. Bahriye Aktas
Direktorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde
Universitätsklinikum Leipzig
Liebigstraße 20 a
04103 Leipzig

Bei der Erstellung dieses Textes wurde die Deutsche Krebshilfe zudem unterstützt von der Frauenselbsthilfe Krebs – Bundesverband e.V., Bonn.

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