Mildred Scheel Cancer Conference - Der erste Tag

Am Mittwoch fiel der „Startschuss“ zur diesjährigen Mildred Scheel Cancer Conference. Rund 250 Personen fanden sich im Schumann-Saal des Bonner Maritim-Hotels zusammen. Gegen Mittag waren alle Augen auf Fritz Pleitgen gerichtet, den Präsidenten der Deutschen Krebshilfe. In seiner Eröffnungsrede hob er Bonn als historischen Ort internationaler Begegnungen, aber auch als Wiege der Dr. Mildred Scheel Stiftung hervor.

Mildred Scheels Vision in den frühen 1970er Jahren legte den Grundstein für das Engagement der Deutschen Krebshilfe: die Krankheit Krebs in all ihren Erscheinungsformen bekämpfen. Heute kann etwa die Hälfte aller Krebspatienten geheilt werden. Die Mildred Scheel Cancer Conference richtet ihren Blick seit jeher auf die aktuelle Krebsforschung und bietet auch dem onkologischen Nachwuchs eine Plattform des Austauschs. Professor Simone Fulda, Mitglied des Organisationskomitees, stellte insbesondere die Themenvielfalt zu Forschung, klinischen Studien, Krebsprädisposition und Krebsprävention heraus. Sie rief die junge Generation von Medizinern dazu auf, an der Fülle von Vorträgen, Flash Talks und Postersessions teilzunehmen: „Lasst uns in den Dialog treten! Vor allem: Stellt Fragen!“

Einen der ersten Vorträge hielt Professor Stephen Baylin, Experte auf dem Gebiet der Epigenetik. Er untersucht, welche Veränderungen an unseren Genen für Krebs verantwortlich sind und ob diese wieder rückgängig gemacht werden können. Sein Beitrag zur MSCC unter dem Titel „The cancer epigenome as a target for cancer therapy“ war gut besucht und umfasste folgende Thesen: Krebs geht nicht nur auf genetische Faktoren zurück, sondern auch auf sogenannte epigenetische Faktoren. Baylin nutze zur Veranschaulichung einen Vergleich aus der Welt der Computer. Epigenetische Faktoren sind vergleichbar mit einer Art Software, die die Hardware bespielt. Wenn man die bei Krebs fehlgeleitete Software (also die epigenetischen Veränderungen) bekämpft, können auch die Schäden an der Hardware (also an unserer DNA) wieder rückgängig gemacht werden. Somit lassen sich die Ausbreitung von Krebszellen und bereits die Anfänge einer Krebserkrankung umkehren.

In der Epigenetik sieht Baylin einen neuen Hoffnungsträger in der Krebstherapie. Zum einen können so gezieltere Medikamente entwickelt werden, die die schädlichen Veränderungen zunichtemachen. Zum anderen werden diese auch durch unser eigenes Verhalten begünstigt. Denn neben dem Alter oder chronischen Entzündungen entsteht ein hohes Risiko für jene Veränderungen zum Beispiel durch Rauchen. Der epigenetischen Therapie ordnete Baylin den Stellenwert der Chemo- oder Immuntherapie zu und positionierte sie so als neuen Pfeiler in der Behandlung von Krebs.

Zum Artikel "Das Krebs-Epigenom - Ein neuer Ansatz gegen Tumoren"

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