Interview: Onkologischer Rehasport


Onkologischer Rehasport - Deutsche Krebshilfe_Bildnachweis: Nora Bibel

Onkologischer Rehasport ist mehr als nur Training: Silke Guercke ist Sporttherapeutin beim ASC Göttingen und gibt Kurse für onkologischen Rehasport. In diesem Interview erzählt sie, warum Sport stärkt, Mut macht und weshalb es dringend mehr qualifizierte Angebote braucht.

Frau Guercke, welche Rolle spielt Bewegung für Krebsbetroffene?

„Die positive Wirkung von Sport und Bewegung ist durch zahlreiche Studien wissenschaftlich belegt. Bewegung sollte daher ein selbstverständlicher Teil der Patientenversorgung sein. Ich habe viele Menschen während ihrer Krebstherapie sportlich begleitet und sehr deutlich gesehen, wie wichtig Dinge wie Bewegung, Atmung und generell der Wiederaufbau der Fitness sind.

Viele Betroffene haben Angst, sich zu belasten, und brauchen das klare Signal: Das ist erlaubt und sinnvoll. Dabei geht es nicht um Leistungssport – schon kleine Bewegungen, Atemarbeit oder Übungen im Sitzen können viel bewirken. Bewegung ist keine Belastung – sie gibt Kraft zurück.“

Silke Guercke - Onkologischer Rehasport _Bildnachweis: Privat

Bewegung gibt Kraft zurück.

Was beobachten Sie in Ihren Kursen?

„Ich erlebe das als sehr positiv. Am Anfang sind alle oft noch zurückhaltend, aber mit der Zeit entsteht unglaublich viel Offenheit. Die Teilnehmenden werden fitter, fühlen sich weniger müde und gewinnen das Vertrauen in ihren Körper zurück. Viele sagen mir, dass sie jetzt besser mit Fatigue umgehen können. Genauso wichtig ist der soziale Aspekt: Es wird viel miteinander gesprochen und geteilt. Für mich ist es ganz wichtig, dass die Menschen einmal pro Woche einfach nicht nur an ihre Erkrankung denken, sondern an sich und das, was ihnen guttut.“

Sie interessieren sich für eine Ausbildung zum Übungsleiter im onkologischen Rehasport? Dann informieren Sie sich hier.

Wie erleben Sie die Versorgungssituation im onkologischen Rehasport?

„Wir stehen hier noch ziemlich am Anfang. Das Interesse der Betroffenen ist riesig, aber es fehlt an Ausbildung, Aufklärung und flächendeckenden Angeboten. Ich wünsche mir, dass Kliniken und Praxen Bewegung viel stärker als festen Bestandteil der Krebsversorgung kommunizieren. Außerdem brauchen wir mehr Vereine mit gut ausgebildeten Übungsleitern – auch in kleinen Städten und auf dem Land.“

Was raten Sie Menschen, die sich dafür interessieren, Übungsleiter zu werden?

„Ich rate dazu, sich vorab bewusst zu machen, dass Rehasport in den Vereinen sehr viel Ehrenamt ist. Das bedeutet: Man macht diese Arbeit nicht, weil sie finanziell besonders lukrativ ist, sondern weil man etwas bewirken möchte. Gleichzeitig würde ich sagen: Trauen Sie sich trotzdem. Gerade bei kleinen Vereinen – auch auf dem Dorf – ist ein solches Engagement wichtig, denn dort gibt es genauso Menschen mit Krebs, die wohnortnahe Angebote brauchen. Wichtig sind Offenheit, Empathie und die Bereitschaft, sich weiterzubilden. Wer sich auf die Menschen einlässt, kann in diesem Bereich enorm viel bewirken – für andere und auch für sich selbst.“

Übungsleiter gesucht

Jährlich erkranken in Deutschland rund 520.000 Menschen neu an Krebs. Demgegenüber stehen 1.500 Krebssportgruppen – zu wenig, um allen interessierten Krebspatientinnen und -patienten onkologischen Rehasport zu ermöglichen. Mit dem Projekt onkoLOGISCH bewegt wollen die Deutsche Krebshilfe, der Deutsche Olympische Sportbund und der Deutsche Behindertensportverband die Anzahl an qualifizierten Übungsleitern deutlich erhöhen.

Sie interessieren sich für eine Ausbildung zum Übungsleiter im onkologischen Rehasport? Dann informieren Sie sich unter: www.dbs-npc.de/bildung.html

Weitere Informationen

Wertvolle Trainingstipps und Antworten auf Fragen wie beispielsweise „Wann darf ich mit Sport beginnen?“ oder „Wie oft darf ich trainieren?“ gibt der blaue Ratgeber „Bewegung und Sport bei Krebs“ der Deutschen Krebshilfe.

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