Wie verstehen Patienten ihre Krebsdiagnose wirklich? Wie erleben sie Arztgespräche über Therapieentscheidungen, Nebenwirkungen oder Zukunftsperspektiven? Und fühlen sie sich dabei gehört, ernst genommen und gut begleitet? Gerade in der Onkologie spielt Kommunikation eine entscheidende Rolle. Sie prägt, wie Betroffene ihre Erkrankung begreifen, Entscheidungen treffen und ihren Alltag bewältigen. Gleichzeitig wird diese anspruchsvolle Form der Gesprächsführung in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung bislang oft nur am Rand, zu spät oder ohne klare Struktur verankert.
Mit dem Programm „TrainKommOnko“ will die Deutsche Krebshilfe diese Lücke schließen – gemeinsam mit dem Institut für Kommunikations- und Prüfungsforschung unter der Leitung von Professorin Jana Jünger. An zunächst zwölf, später über 30 Standorten – an den von der Deutschen Krebshilfe geförderten Comprehensive Cancer Centern sowie einzelnen von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Onkologischen Zentren – werden onkologisch tätige Ärzte sowie Fachkräfte anderer Gesundheitsberufe zu Kommunikationstrainern ausgebildet. Als Multiplikatoren geben sie ihr Wissen an Kollegen weiter und stärken in ihren Einrichtungen eine professionelle, zugewandte Gesprächskultur im Umgang mit krebskranken Menschen.
Im Gespräch erklärt Frau Professorin Jünger, was dieses Programm ausmacht und welchen Unterschied eine gute Kommunikation für Menschen mit Krebs machen kann.
Frau Professorin Jünger, warum ist eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation in der Onkologie so entscheidend?
„Eine empathische Kommunikation prägt den gesamten diagnostischen und therapeutischen Prozess. Schon der Verdacht, an Krebs erkrankt zu sein, verändert die Lebenssituation vieler Menschen grundlegend. Unsere Aufgabe ist es, Vertrauen zu schaffen und Räume zu öffnen, in denen Betroffene sich als Personen wahrgenommen fühlen und nicht nur als Krebskranke, und auch Ängste oder schambesetzte Themen ansprechen können. In einer für die Betroffenen extremen Situation gut zu kommunizieren, gut zuzuhören und Zuversicht zu vermitteln, ist eine Art der Kommunikation, die weit über jede Alltagskommunikation hinausgeht. Studien zeigen, dass eine empathische Kommunikation die Krankheitsbewältigung und Lebensqualität verbessert, Nebenwirkungen reduziert und gesundheitsförderndes Verhalten unterstützt.“

Was macht „TrainKommOnko“ aus?
„In den Seminaren werden herausfordernde Situationen mit „Simulationspatienten“ geübt. Und die Teilnehmenden lernen, die Perspektive der einzelnen Betroffenen stärker in ihrem Arbeitsalltag zu berücksichtigen und dabei dennoch vorgegebene Zeitrahmen zu beachten. In Klinik und Ambulanz setzen die Teilnehmenden dann das Erlernte direkt in ihrem Arbeitsalltag mit Patienten um. Die Lehrpläne haben wir gemeinsam mit Kommunikationsexperten der Comprehensive Cancer Center sowie zertifizierten onkologischen Zentren entwickelt. Dabei haben wir die aktuelle Evidenzlage und die bisherigen Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet berücksichtigt. Besonders ist auch, dass an allen Trainingsstandorten Patientenvertretende eingebunden werden und Patientenselbsthilfeorganisationen wichtige Partner in der Konzeption und Umsetzung der Kommunikationstrainings sind.“
Welcher Aspekt des Programms liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen – und warum?
„Mir ist wichtig, dass exzellente medizinische Expertise mit empathischer Kommunikation verbunden wird. Oft sind sich Behandler und auch Pflegende nicht bewusst, wie unbedachte, missglückte Formulierungen Patienten jahrelang begleiten und negativ wirken. Ich habe selbst erlebt, wie misslungene Kommunikation schweren Schaden anrichten kann – etwa, dass junge Patienten mit guten Heilungschancen die Therapie abgebrochen haben oder dass Angehörige noch Jahre nach dem Tod eines Menschen an verletzenden Worten litten. Aber eine gute Gesprächsführung und eine vertrauensvolle Beziehung helfen den Betroffenen, sich nicht allein zu fühlen, weil Menschen da sind, die sie mit Expertise und Empathie begleiten.“
Was können Patienten in einem durch „TrainKommOnko“ geschulten Zentrum erwarten?
„Eine abgestimmte, verständliche und zugewandte Kommunikation über alle Behandlungsphasen hinweg. Wenn Patienten merken, dass ihr Arzt Wert auf eine gute Kommunikation legt, stärkt dies ihr Vertrauen in die Behandlung, reduziert Ängste und Stress und fördert Beteiligung an Therapieentscheidungen. Als aktive Partner fühlen sich Patienten eingebunden und gut informiert und bauen eine hohe Kompetenz hinsichtlich eines angemessenen Selbstmanagements ihrer Erkrankung auf. Sie wissen, dass sie sich selbst oder ihre Angehörigen diesem onkologischen Zentrum anvertrauen können.“
Wie soll sich die onkologische Kommunikation durch „TrainKommOnko“ verändern?
„Unser Ziel ist es, dass zukünftig alle Krebspatienten von Fachkräften versorgt werden, die durch fundierte Trainings gezielt auf die kommunikativen Herausforderungen in Diagnostik, Behandlung und Begleitung vorbereitet sind. Dabei setzen wir bewusst an den Comprehensive Cancer Centers an, weil diese eine besondere Rolle in der onkologischen Versorgung übernehmen: Sie verbinden Versorgung mit Forschung und prägen Versorgungsstandards weit über ihre eigenen Standorte hinaus. Im besten Fall entfaltet das Vorbildcharakter für die gesamte Versorgungslandschaft und trägt dazu bei, die patientenorientierte Kommunikation flächendeckend als festen Bestandteil einer modernen onkologischen Versorgung zu etablieren.“

Bild: Der erste Kurs zu „TrainKommOnko“ Ende Mai in Würzburg. Bildnachweis: Deutsche Krebshilfe/Konstantin Schrader