Geschäftsbericht 2025 – Interview mit dem Vorstand


Geschäftsbericht 2025 Deutsche Krebshilfe - Interview mit dem Vorstand

Deutsche Krebshilfe versteht sich als Anwältin der Krebspatienten. Woran zeigt sich die Nähe zu Betroffenen?

Gerd Nettekoven: „Alle unsere Aktivitäten denken wir immer vom Patienten aus. Menschen mit Krebs wünschen sich verständliche Informationen, Orientierung und die Sicherheit, gut versorgt zu sein. In diesem Sinne sind alle unsere Aktivitäten ausgerichtet: wie unsere Patienteninformationen, der Informations- und Beratungsdienst INFONETZ KREBS sowie unser vielfältiges Engagement für eine bessere Versorgung. Wichtig ist uns aber auch, Patientinnen und Patienten zu stärken, sodass sie in Therapieentscheidungen eingebunden werden und aktiv an ihrer Genesung mitwirken können.

Dr. Franz Kohlhuber: „Patientennähe bedeutet für mich auch, Krebsforschung so auszurichten, dass sie tatsächlich bei den Betroffenen ankommt. Wir fördern Forschung immer mit dem Ziel, Diagnose, Therapie und Lebensqualität spürbar und zeitnah zu verbessern. Gleichzeitig ist es uns wichtig, Patientinnen und Patienten in die Forschung einzubinden. Denn nur so können wir die wissenschaftliche Arbeit an den tatsächlichen Bedürfnissen von Betroffenen ausrichten.“

Den aktuellen Geschäftsbericht der Deutschen Krebshilfe finden Sie hier.

Warum ist die Arzt-Patienten-Kommunikation so entscheidend?

Gerd Nettekoven: „Eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation ist zentral für eine hochwertige Versorgung. Eine Krebsdiagnose stellt das Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen auf den Kopf. Bereits wenn die Diagnose feststeht, entscheidet die Gesprächsführung darüber, ob Menschen Informationen verstehen, Vertrauen fassen und sich gut versorgt fühlen – oder ob Unsicherheit, Angst und Überforderung überwiegen. Kommunikation ist mehr als das Vermitteln medizinischer Fakten. Sie beeinflusst, wie gut Patientinnen und Patienten Therapieentscheidungen mittragen, wie sie mit Nebenwirkungen umgehen und wie sie ihre eigene Rolle im Behandlungsprozess wahrnehmen. Hier sehen wir in der Umsetzung noch erhebliche Defizite. Um grundlegend etwas zu verändern, haben wir gezielt das Programm ‚TrainKommOnko‘ auf den Weg gebracht. Mit diesem Förderprogramm wollen wir, insbesondere über die von uns geförderten Comprehensive Cancer Center, die kommunikative Kompetenz in der Onkologie nachhaltig stärken.“

Welche Rolle spielt für Sie eine hochwertige Versorgung?

Gerd Nettekoven: „Die Comprehensive Cancer Center sind zentrale Strukturen für eine hochwertige, zukunftsorientierte Krebsversorgung in Deutschland. Sie bündeln medizinische Spitzenkompetenz, interdisziplinäre Zusammenarbeit und onkologische Forschung unter einem Dach. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das eine Behandlung nach höchsten Qualitätsstandards und onkologischen Leitlinien sowie eingebettet zu sein in ein verlässliches, gut koordiniertes Versorgungsumfeld.

Geschäftsbericht 2025 Gerd Nettekoven Vorstand Deutsche Krebshilfe

Die universitären CCCs haben aber auch die Aufgabe, andere Kliniken und Krankenhäuser sowie niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in ihrer jeweiligen Region vernetzt in ihre Arbeit einzubinden, damit möglichst viele Patientinnen und Patienten auch außerhalb von CCC-Strukturen von neuen Therapiemöglichkeiten, innovativen klinischen Studien oder aktuellen Erkenntnissen aus der Forschung profitieren.“

Eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation auf Augenhöhe kann den Therapieerfolg maßgeblich beeinflussen.

Gerd Nettekoven

Welchen Bedarf sehen Sie in der onkologischen Pflege?

Dr. Franz Kohlhuber: „Die Anforderungen in der Krebsmedizin werden immer komplexer, gleichzeitig fehlt es an Fachkräften – und das vor allem auch in der Pflege. Hier wollten wir in einem ersten Schritt einen Beitrag leisten. Mit der Förderung von Pflege-Professuren investieren wir gezielt in Lehre, Forschung und Versorgung. Eine starke onkologische Pflege ist unverzichtbar für eine menschliche und qualitativ hochwertige Betreuung der Patientinnen und Patienten und damit ein wichtiger Bestandteil einer modernen Patientenversorgung.“

Was macht die Forschungsinitiative Deutsche Allianz Pankreaskarzinom so relevant?

Geschäftsbericht 2025 Dr Franz Kohlhuber Vorstand Deutsche Krebshilfe

Dr. Franz Kohlhuber: „Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den Tumorerkrankungen mit einer sehr schlechten Prognose. Mit der Deutschen Allianz Pankreaskarzinom wollen wir alle Expertinnen und Experten in Deutschland zusammenbringen, um die zahlreichen offenen Fragen gemeinsam und strategisch anzugehen. Wir investieren derzeit über einen Zeitraum von fünf Jahren 33,5 Millionen Euro in drei große Verbundprojekte, die soeben gestartet sind.

Unser Ziel ist es, die Forschung zu dieser sehr komplexen Erkrankung entscheidend voranzubringen sowie die Versorgung und letztlich auch die Überlebenschancen der Patientinnen und Patienten substanziell zu verbessern. Um wirklich etwas bewegen zu können, müssen wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem fachübergreifend und eng miteinander vernetzen. Über die Förderung einzelner Projekte hinaus bauen wir dafür gezielt vernetzende Strukturen auf – mit einer übergeordneten Forschungs- und Koordinierungsplattform, die alle in Klinik und Forschung tätigen Expertinnen und Experten in Deutschland bündelt und auch international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einbindet. Hierfür werden wir zusätzliche Fördermittel bereitstellen.“

Strategische Forschungsallianzen werden künftig immer wichtiger werden, um die Krebsmedizin entscheidend voranzubringen.

Dr. Franz Kohlhuber

Wie bewerten Sie das Geschäftsjahr 2025?

Lutz M. Heitmüller: „Dank des großartigen Einsatzes unserer zahlreichen Spenderinnen und Spender konnte die Deutsche Krebshilfe im Jahr 2025 rund 171,2 Millionen Euro an Einnahmen verzeichnen. Für dieses hervorragende Ergebnis sind wir sehr dankbar. Damit waren wir in der Lage, 188 neue Projekte auf den Weg zu bringen, und haben somit wiederum zahlreiche Akzente setzen können – wie in der Krebsforschung, der Versorgung, der Kinderkrebsbekämpfung, der Krebs-Selbsthilfe sowie auf dem Gebiet der Krebsprävention.

Vorstand Lutz M. Heitmüller Deutsche Krebshilfe

Auch gehörten die Information und Aufklärung über das Thema Krebs, und hier vor allem die Bereitstellung von evidenzbasierten Patienteninformationen, zu den Schwerpunkten unserer Arbeit. Die Deutsche Krebshilfe kann somit erneut auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Unsere Verwaltungskosten einschließlich der Kosten für Spendenakquise lagen bei 6,5 Prozent, die Projektnebenkosten bei 3,2 Prozent. Dies macht deutlich, dass wir auch sehr gewissenhaft mit den uns anvertrauten Spenden umgehen.“

Um immer mehr krebskranken Menschen eine Chance auf Heilung zu ermöglichen, bedarf es auch einer gut aufgestellten Organisation, kluger Finanzplanung und Mittelbewirtschaftung. Dafür stehe ich.

Lutz M. Heitmüller

Sie sind kaufmännischer Vorstand – worauf legen Sie einen besonderen Fokus?

Lutz M. Heitmüller: „Die Deutsche Krebshilfe versteht sich seit ihrer Gründung als Bürgerbewegung gegen den Krebs. Das in Jahrzehnten in der Bevölkerung aufgebaute Vertrauen müssen wir erhalten, um weiterhin in der Lage zu sein, Impulse in der Krebsbekämpfung setzen zu können.

Meine Aufgabe sehe ich insbesondere darin, dass auch zukünftig ein hoher Anteil der uns anvertrauten Spenden in unsere Aktivitäten zur Krebsbekämpfung fließt und damit krebskranken Menschen zugutekommt. Hierfür sind aber auch effiziente Organisationsstrukturen und -prozesse notwendig. So liegt einer meiner Schwerpunkte im Ausbau der Digitalisierung. Eine zukunftsorientierte organisatorische Ausrichtung der Deutschen Krebshilfe ist ein Garant dafür, dass wir auch künftig die Krebsforschung voranbringen oder die Entwicklung patientenzentrierter Versorgungsstrukturen mit beeinflussen können.“

Im Kampf gegen Krebs spielen Zukunftsinvestitionen eine große Rolle. Wo sehen Sie den größten Hebel?

Gerd Nettekoven: „Die Herausforderungen in der Krebsbekämpfung sind nach wie vor immens und vielfältig. Ein großer Hebel ist aber unzweifelhaft die Prävention. Rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen wären durch eine gesunde Lebensweise vermeidbar. Langfristig können wir der Krankheit Krebs nur die Stirn bieten, wenn wir es schaffen, die Neuerkrankungszahlen zu verringern – die Prävention also konsequent stärken. Dafür setzen wir uns mit verschiedenen Initiativen und Projekten, aber auch politisch seit vielen Jahren ein. Damit Prävention ihre Wirkung im großen Maßstab entfalten kann, ist allerdings ein Zusammenwirken vieler notwendig. An dieser Stelle möchte ich auf eine Initiative eingehen, mit der wir die Weichen für eine langfristige Krebspräventionsstrategie stellen wollen: 2025 haben beim 1. Nationalen Krebspräventionsgipfel des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Deutschen Krebshilfe 40 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft konkrete und messbare Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung entwickelt. Dieser Gipfel soll zukünftig jährlich stattfinden, um die Umsetzung der Empfehlungen zu überprüfen und sie kontinuierlich weiterzuentwickeln.“

Dr. Franz Kohlhuber: „Um die Krebsmedizin weiter voranzubringen – und damit die Heilungsmöglichkeiten für viele Patientinnen und Patienten zu verbessern – ist die Krebsforschung das wichtigste Instrument, in das wir auch in Zukunft investieren müssen. Die Förderung der Krebsforschung wird damit weiterhin ein bedeutendes und prioritäres Handlungsfeld der Deutschen Krebshilfe sein.“

Stichwort Transformation – wie reflektieren Sie das für das Wirken der Deutschen Krebshilfe?

Lutz M. Heitmüller: „Gemeinnützige Organisationen wie die Deutsche Krebshilfe haben fortwährend die Aufgabe, ihre organisatorischen Abläufe und deren Effizienz zu überprüfen und gegebenenfalls neu auszurichten. In diesem Sinne werden von einer digitalen Weiterentwicklung, die wir uns vorgenommen haben, alle Funktionsbereiche der Deutschen Krebshilfe – und damit wiederum auch krebskranke Menschen – profitieren.“

Dr. Franz Kohlhuber: „Strategische Forschungsallianzen haben nachweislich zu Erfolgen in der Krebsmedizin geführt. In diesem Sinne wichtige wissenschaftliche Fragestellungen auch in Zukunft verstärkt anzugehen, ist eine gute Möglichkeit, Fortschritte auch bei derzeit noch schwierig zu behandelnden Tumorerkrankungen zu erzielen.“

Geschäftsbericht 2025 Vorstand Lutz M. Heitmüller Deutsche Krebshilfe

Gerd Nettekoven: „Die Erfolge in der Onkologie sind in den vergangenen Jahren nur zustande gekommen durch ein vernetztes Handeln aller Beteiligten. Dieses MiteinanderPatientinnen und Patienten, Forschung, Medizin, Politik und Gesellschaft – muss in Zukunft zu einem verstärkten strategischen Selbstverständnis werden. Mit einem solchen Wandel, der auch das wichtige Feld der Krebsprävention mitdenkt, werden wir weitere Fortschritte in der Krebsbekämpfung erzielen. Davon sind wir fest überzeugt. Alle unsere Aktivitäten werden in Zukunft darauf ausgerichtet sein. Dafür benötigen wir jedoch auch weiterhin das Vertrauen unserer zahlreichen Spenderinnen und Spender. Es ist uns an dieser Stelle ein Bedürfnis, für die großartige Unterstützung im Jahr 2025 ganz herzlich zu danken – die uns erneut in die Lage versetzt hat, wichtige Projekte und Initiativen zur Krebsbekämpfung auf den Weg zu bringen.“

Geschäftsbericht

Weitere Informationen zur Arbeit der Deutschen Krebshilfe, Mittelherkunft und -Verwendung sowie zu Förderprojekten finden Sie in unserem aktuellen Geschäftsbericht.

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