Viele Merkmale zeichnen die Arbeit eines Comprehensive Cancer Centers (CCC) aus: Die bestmögliche Versorgung von Patientinnen und Patienten, die Forschung, aber auch die Vernetzung mit Versorgungsstrukturen in der Region.
Das Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) ist eines von 14 von der Deutschen Krebshilfe geförderten Comprehensive Cancer Centers (CCC) – ein gemeinsames, vernetztes und in der Patientenversorgung abgestimmt handelndes CCC an den Universitätskliniken Aachen, Bonn, Köln und Düsseldorf.
So startet am Standort Düsseldorf – in der Klinik für Gastroenterologie – jeder Morgen gleich: Pünktlich um 8 Uhr versammeln sich die Ärzte im Konferenzsaal. Acht Patientinnen und Patienten wurden in den letzten 24 Stunden aufgenommen, zwölf können heute entlassen werden. Ein Radiologe präsentiert MRT-Aufnahmen, scrollt durch die Bilder von Leber und Darm: Hier ist der Tumor zurückgegangen, dort haben sich Zysten gebildet.
Mit am Konferenztisch sitzt Prof. Dr. Christoph Roderburg, der seit fünf Jahren die Gastrointestinale Onkologie leitet. Der Oberarzt ist so etwas wie die Schaltzentrale der Klinik: Er koordiniert, vernetzt, behält den Überblick. „Bei uns läuft nichts im Alleingang“, sagt er. „Jeder Patient profitiert vom Wissen vieler Experten. Und er wird in alle Therapieentscheidungen mit eingebunden.“
Bei uns läuft nichts im Alleingang.

Wo modernste Technik und Fachwissen zusammenkommen
Das betrifft nicht nur Patienten mit komplexen und fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Bei frühen Darmtumoren, die noch nicht tief in den Darm eingewachsen sind, können die Ärzte heute oft sehr schonend vorgehen.
„Wir behandeln solche Patienten mit einem hochmodernen, minimalinvasiven Verfahren, der sogenannten ESD“, erzählt Prof. Roderburg. Wie bei einer Darmspiegelung führt der Chirurg einen dünnen Schlauch mit einer Kamera und einem ferngesteuerten Skalpell ein. Damit schneidet er den Tumor behutsam von der Darmmuskulatur und entfernt ihn in einem Stück.
Für die Patienten ist diese Methode ein Segen: „Früher mussten selbst bei solchen frühen Tumoren oft ganze Darmabschnitte herausoperiert werden“, erklärt Prof. Roderburg. „Nach einer ESD bleiben die Patienten nur eine Nacht auf Station und sind eine Woche später wieder fit.“

Solche schonenden Verfahren sind in den Comprehensive Cancer Centern mittlerweile Teil des klinischen Alltags. Kleinere Krankenhäuser oder niedergelassene Ärzte führen dieses Verfahren normalerweise nicht durch. Sollten sie auch nicht. „Dazu braucht es teure Geräte – und goldene Finger“, lacht Prof. Roderburg, der diesen Eingriff selbst nicht durchführt. „Nur wenige Behandler haben so viel Erfahrung, dass sie das Verfahren wirklich beherrschen.“ Am CIO – Standort Düsseldorf müssen sich Patientinnen und Patienten aber keine Sorgen machen: „Unsere langjährige Erfahrung zeichnet uns aus: An kaum einer anderen Klinik werden so viele Tumoren endoskopisch entfernt wie hier.“
Unsere langjährige Erfahrung zeichnet unsere Klinik aus.
Ein Stockwerk tiefer führt Dr. Thomas Nordmann gerade eine Darmspiegelung durch. Jeden Donnerstag kommt der niedergelassene Gastroenterologe dafür aus dem nahen gelegenen Mönchengladbach ins CIO Düsseldorf. „Die Darmkrebsvorsorge beim niedergelassenen Arzt reicht meist aus“, erklärt er, während seine Augen konzentriert auf dem Bildschirm vor ihm verweilen. Mit geübtem Blick sucht er die Darmoberfläche nach auffälligen Veränderungen ab. „Aber komplexere Fälle, wie ehemalige Darmkrebspatienten, die eine besonders engmaschige Kontrolle oder präzisere Geräte als die Standardausstattung unserer Praxis brauchen, überweisen wir direkt hierher, wenn sie das möchten.“
Vernetzung über die Klinikgrenzen hinweg
Diese Vernetzung von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit den umfassenden Versorgungsstrukturen eines CCC ist ein wesentlicher Vorteil, von dem viele Patientinnen und Patienten der Region profitieren. „Dabei müssen weder Arzt noch Patient unbedingt selbst einen Fuß in unsere Klinik setzen, um vom Fachwissen der hier behandelnden Ärzte zu profitieren“, sagt Prof. Roderburg. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte können sich über eine spezielle App melden und so innerhalb kürzester Zeit eine zweite Meinung einholen. „Wir sind ein Team – auch über die Grenzen der Klinik hinweg.“

Das wird insbesondere im zweimal wöchentlich stattfindenden Tumorboard deutlich. Hier versammeln sich Gastroenterologen,
Radiologen, Chirurgen, Pathologen sowie Palliativmediziner und besprechen gemeinsam die aktuellen Fälle.
„In kleineren Krankenhäusern entscheidet oft nur ein einzelner Arzt, wie es weitergeht“, so Prof. Roderburg. „Bei uns diskutieren fünf, sechs Spezialisten den Fall aus ihrer jeweiligen Perspektive. Ist eine Operation sinnvoll? Sollte erst eine Chemotherapie erfolgen?“ Manchmal kommt es auch zu Diskussionen: „Da kann es schon mal heiß hergehen.
Aber es geht immer nur darum: Was ist das Beste für den Patienten? Haben wir alle Optionen bedacht?“
Study Nurses: Fachkräfte koordinieren klinische Studien
Mit dabei ist immer eine Studienassistenz, auch Study Nurse genannt. „Einen Teil der Fördergelder, die wir von der Deutschen Krebshilfe erhalten, nutzen wir, um Stellen für Study Nurses zu schaffen“, führt Prof. Roderburg aus. Diese Fachkräfte koordinieren die klinischen Studien: Sie prüfen, welche Patienten für solche Studien infrage kommen, überwachen die Sicherheit und kommunizieren mit allen Beteiligten.
„Das ist ein enormer Aufwand. Ohne diese Unterstützung könnten wir längst nicht so vielen Patienten die Teilnahme an Studien ermöglichen.“ Für die Patienten bedeutet das: Sie bekommen Zugang zu einer Therapie, die außerhalb von Studien noch gar nicht verfügbar ist. „Die Förderung durch die Deutsche Krebshilfe kommt also ganz unmittelbar unseren Patienten zugute“, sagt der Oberarzt.

Was Ihre Spenden möglich machen
Am Ende eines langen Kliniktages am CCC – Standort Düsseldorf wird deutlich: Die immer komplexer werdende onkologische Versorgung ist nur im Team, in ausgewiesenen Krebszentren sowie vernetzt sinnvoll und möglich. Es ist das Zusammenspiel vieler Ärztinnen und Ärzte aus unterschiedlichen Fachdisziplinen, die sich austauschen, diskutieren und gemeinsam mit dem Patienten entscheiden.
Diese Struktur der CCCs – wie Tumorboards, moderne Ausstattung, enge Vernetzung mit Versorgungseinrichtungen in der jeweiligen Region, Studienangebote und -durchführung – wurde durch die Förderung der Deutschen Krebshilfe erst möglich.
„Ohne die Deutsche Krebshilfe wäre vieles davon nicht auf den Weg gekommen“, sagt Prof. Roderburg zum Abschied. „Die Unterstützung der Deutschen Krebshilfe kommt direkt der Versorgung und Krebsforschung zugute. Das spüren wir jeden Tag. Und unsere Patienten auch.“
Optimal versorgt in einem zertifizierten Krebszentrum
Das Programm zur Förderung und Initiierung von Comprehensive Cancer Centers hat die Deutsche Krebshilfe im Jahr 2007 eingerichtet und seitdem erfolgreich weiterentwickelt. Rund 220 Mio. Euro hat sie dafür bislang zur Verfügung gestellt. Nach den Vorstellungen der Deutschen Krebshilfe sollen Krebspatientinnen und -patienten ausschließlich in ausgewiesenen Zentren und Onkologischen Netzwerken versorgt werden. Dazu gehören neben den CCCs auch die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Krebszentren sowie niedergelassene Onkologische Schwerpunktpraxen. Eine Liste aller zertifizierten Krebszentren finden Sie bei der OncoMap der Deutschen Krebsgesellschaft.
Wir müssen dahin kommen, dass alle Krebspatientinnen und -patienten ausschließlich in ausgewiesenen, zertifizierten Zentren und onkologischen Netzwerken versorgt werden, um eine qualitätsgesicherte Behandlung für alle Betroffenen zu gewährleisten.

Gerd Nettekoven, Vorstandsmitglied der Deutschen Krebshilfe

Prof. Dr. Tanja Fehm, Direktorin des CIO Düsseldorf und Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Simone Widhalm, Medizinerin und Kommunikationswissenschaftlerin sowie Lynch-Syndrom-Patientin
Wie stellen Sie sicher, dass sich Patienten in einem so großen Zentrum gut betreut fühlen?
„Am CIO Düsseldorf haben wir viele Strukturen, damit sich Patienten nicht alleine fühlen. Es gibt onkologische Pflegeexperten, psychoonkologische Betreuung und unsere Peer-Mentoren. Das sind Personen, die dieselbe Erkrankung durchgemacht haben wie der Patient und diesen durch seine Patientenreise begleiten – so eng, wie diese es möchten. Aufgrund der Größe der Klinik können wir nicht gewährleisten, dass immer derselbe Arzt denselben Patienten betreut. Trotzdem bekommt jeder Patient einen festen ärztlichen, übergeordneten Ansprechpartner. Das gibt vielen ein gutes Gefühl.“
Erfahren Sie im Interview mit Prof. Dr. Tanja Fehm, was ein CCC von einem normalen Krankenhaus unterscheidet.
Was unterscheidet die Versorgung in einem CCC von anderen Kliniken?
„In einem CCC kommt sehr viel Wissen strukturiert zusammen. Und es wird neues Wissen durch Forschung generiert. Patientinnen und Patienten profitieren sehr rasch von aktuellen Erkenntnissen aus der klinischen Krebsforschung. Dort wird eine Krebserkrankung zudem nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit Genetik, Begleiterkrankungen und der langfristigen Perspektive. Dadurch bekommt man einfach das Gefühl: Hier bin ich gut aufgehoben.“
Wie Frau Widhalm sich am CCC für andere Patientinnen und Patienten einsetzt, lesen Sie im Gespräch.
Benötigen Sie Hilfe?
Eine persönliche, kostenfreie Beratung durch das INFONETZ KREBS erhalten Sie montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0800 / 80 70 88 77 oder per E-Mail: krebshilfe@infonetz-krebs.de.
